Software-Probleme: Toyota ruft 1,9 Millionen Fahrzeuge zurück

Die Toyota-Fahrzeuge des Typs Prius können Software-Fehler beim Hybridantrieb aufweisen. Der japanische Autohersteller ruft daher knapp 2 Millionen Fahrzeuge zurück. In Deutschland können 13.000 Fahrzeuge betroffen sein.

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Toyota ruft weltweit 1,9 Millionen Fahrzeuge seines Modells Prius wegen möglicher Software-Probleme in die Werkstätten. Bei dem Hybridwagen dritter Generation könne die Elektronik unter bestimmten Umständen überlastet werden, teilte der japanische Weltmarktführer am Mittwoch mit. Das Fahrzeug schalte dann in ein Notlaufprogramm und verliere an Fahrt.

Bislang seien weltweit rund 400 Fälle gemeldet geworden, elf davon in Europa. Unfälle seien nicht bekanntgeworden. Das Problem soll durch eine verbesserte Software gelöst werden, die die Vertragswerkstätten kostenlos aufspielen.

In Deutschland seien gut 13.000 Wagen des Typs betroffen, der einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem Elektroaggregat kombiniert. Europaweit würden rund 137.000 Halter angeschrieben. Toyota war in den vergangenen Jahren mehrfach von Massenrückrufen verschiedener Modelle betroffen.

Rückrufaktionen können teuer werden

Rund vier Jahre nach Beginn der Ermittlungen im Zusammenhang mit einem millionenfachen Rückruf steht Toyota einem Zeitungsbericht zufolge kurz vor einem milliardenschweren Vergleich mit den US-Behörden. Eine entsprechende Einigung sei in den nächsten Wochen möglich, schreibt das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider. Die Ermittler prüften, ob der japanische Autobauer die Aufsichtsbehörden falsch oder unvollständig über mögliche Defekte an Autos wegen unbeabsichtigter Beschleunigung informiert habe. Toyota wollte sich nicht weiter dazu äußern. Eine Sprecherin sagte lediglich, das Unternehmen arbeite mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Toyota machte klemmende Gaspedale und rutschende Fußmatten für die unbeabsichtigte Beschleunigung verantwortlich und beorderte deswegen zwischen 2009 und 2011 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Rund 200 Sammelklagen und mehr als 500 Einzelklagen wurden gegen das Unternehmen eingereicht. Die Probleme hatten Toyotas Image als Qualitätshersteller ramponiert und mit dazu beigetragen, dass der Autobauer die Weltmarktführung vorübergehend an die Opel-Mutter General Motors abgeben musste (mehr hier). Der Konzern hatte sich bereits verpflichtet, in den USA bis zu 1,4 Milliarden Dollar zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten in diesem Zusammenhang zu zahlen.

Im Rennen um die Vorherrschaft in der Automobilbranche hat Toyota seine Ausnahmestellung untermauert und fährt GM und Volkswagen davon. Beflügelt vom schwachen Yen verfünffachte der japanische Hersteller den operativen Gewinn im dritten Geschäftsquartal. Er kletterte auf gut 600 Milliarden Yen, rund 4,4 Milliarden Euro. Daraufhin schraubte das Management am Dienstag die Prognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2013/14 nach oben. Erwartet wird nun ein Betriebsgewinn von umgerechnet 17,5 Milliarden Euro – neun Prozent mehr als bisher erwartet und zudem ein Rekord, der das vor der weltweiten Finanzkrise erzielte Niveau in den Schatten stellen würde.

„Unter den großen Herstellern hat Toyota im Moment eine herausragende Stellung“, sagt Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Konkurrenten hätten dagegen mit Problemen zu kämpfen. So sei bei VW noch gar nicht sicher, ob der Konzern wegen der Schwierigkeiten in Südamerika und den USA für das laufende Geschäftsjahr überhaupt ein Gewinnplus in Aussicht stellen könne. Die Wolfsburger hatten sich im abgelaufenen Jahr beim Absatz knapp vor General Motors (GM) geschoben und waren damit zur weltweiten Nummer zwei aufgestiegen (hier).

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