Auftrags-Einbruch: Japans Industrie gerät ins Stocken

Japans Firmen halten sich mit Bestellung von Maschinen zurück. Die Aufträge der Industrie sind im Dezember um 15,7 Prozent eingebrochen. Auch der Exportüberschuss Japans war 2013 so gering wie nie zuvor. Die lockere Geldpolitik von Regierungschef Abe scheint ihre Wirkung zu verfehlen.

Aktuell: Binnennachfrage schwach: Aufträge der Industrie rückläufig

Ein überraschender Auftragseinbruch von Japans Industrie dämpft die Konjunkturentwicklung der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Bestellungen für Maschinen brachen im Dezember um 15,7 Prozent zum Vormonat ein und damit rund viermal stärker als von Ökonomen erwartet, wie die Regierung in Tokio am Mittwoch mitteilte.

Es war der größte Rückgang seit Beginn der Datenreihe im Fiskaljahr 2005. „Die Zahlen bestätigen, dass sich die Firmen mit der Erhöhung ihrer Investitionen zurückhalten“, sagte Chefvolkswirt Takeshi Minami vom Forschungsinstitut Norinchukin Research.

Die Zuversicht der Unternehmen ist wichtig, damit die Erholung der Konjunktur an Fahrt gewinnt. Den Anstoß gab Regierungschef Shinzo Abe mit seiner lockeren Geld- und Finanzpolitik (mehr zu „Abenomics“ – hier). Höhere Investitionen der Firmen sollen neue Jobs schaffen. Steigende Löhne wiederum sollen die Japaner zu mehr Konsum anregen.

Viele Unternehmen warten aber noch darauf, dass Abe Strukturreformen umsetzt und etwa ihre Steuerbelastung mildert. Vor kurzem erhöhte Denso, einer der weltweit führenden Autozulieferer, seine Investitionen zwar für das laufende Geschäftsjahr um rund neun Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro. Das zusätzliche Geld soll aber vor allem in die Produktion im Ausland fließen.

Im Schlussquartal 2013 lagen die Aufträge für Maschinen auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2008. Für das laufende Vierteljahr erwartet die Regierung aber einen Rückgang um 2,9 Prozent.

Exportüberschuss 2013 extrem niedrig

Auch Japans Exportüberschuss ist 2013 so klein ausgefallen wie noch nie. Die Leistungsbilanz wies ein Plus von nur noch 3,3 Billionen Yen (knapp 24 Milliarden Euro) auf, teilte das Finanzministerium am Montag in Tokio mit. Durch den geringsten Überschuss seit Beginn dieser Statistik 1985 wachsen die Zweifel, ob die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ihren enormen Schuldenberg von umgerechnet fast 7,3 Billionen Euro jemals abtragen kann. Japan ist die am höchsten verschuldete Industrienation der Welt gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

„Die Kombination aus steigenden Schulden und einem geringen Leistungsbilanzüberschuss sind unbequeme Aussichten“, sagte der Analyst des Finanzhauses Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities, Shuji Tonouchi. Lange Zeit galt die hohe Verschuldung nicht als großes Problem, da Japan enorme Handelsüberschüsse erzielte. Die Zeiten sind aber vorerst vorbei, da das Land seit der Abschaltung von Kernkraftkraftwerken nach der Atomkatastrophe von Fukushima zunehmend Energie aus dem Ausland importieren muss. Die Kosten dafür erhöhen sich noch durch den Wertverlust des Yen, der seit Ende 2012 um 23 Prozent zum Dollar fiel. Rohstoffe werden meist in Dollar bezahlt.

Der schwache Yen macht gleichzeitig japanische Waren im Ausland billiger (mehr zum Absturz der japanischen Währung – hier). Während die Importe 2013 um 15,4 Prozent zulegten, stiegen die Exporte aber trotz des Rückenwinds vom billigen Yen nur um neun Prozent. Viele Unternehmen verlieren Marktanteile an Rivalen aus Südkorea und anderen Ländern.

Ministerpräsident Shinzo Abe will die Staatsfinanzen mit einer zweistufigen Anhebung der Umsatzsteuer in den Griff bekommen, mit der im April begonnen werden soll. Damit sollen auch steigende Kosten für Sozialausgaben angesichts einer rasch alternden Bevölkerung aufgefangen werden. Eine Schuldenkrise wie in der Euro-Zone befürchten Experten allerdings nicht. Die Zinsen für japanische Staatsanleihen sind sehr niedrig. Sie werden zudem vorwiegend von einheimischen Anlegern erworben, so dass Japan kaum auf ausländische Geldgeber angewiesen ist.

Auch in Europa leiden Industriebetriebe unter einer Auftragsflaute (mehr dazu – hier). Sie hoffen, die schwache Konjunktur auf dem Heimatmarkt durch den Absatzmarkt in Asien ausgleichen zu können. Diese Strategie droht durch die Zahlen aus Japan nun zu scheitern.

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Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Japan konnte sehr lange und sehr erfolgreich mithalten. Die Gründe: Sehr hohe Pro Kopf Produktivität bei stabiler Gesamtbevölkerung. Hätte Japan die Exporterfolge über eine steigende Bevölkerungszahlen bedient wäre Japan längst an sozialen Problemen abgesoffen. Doch auch dieses Modell stösst jetzt an Grenzen. Grenzen die der begrenzte Globale Absatzmarkt setzt.
    Ohne entsprechenden Absatzmarkt sind entsprechende Erträge schlicht und einfach nicht mehr erwirtschaftbar. Gewiss einzelne Volkswirtschaften können die Autarkie sehr erfolgreich aushebeln dafür ist Japan ein sehr gutes Beispiel.
    Die vielgerühmte Globalisierung hat ein Grundsatzproblem blind und beharrlich ausgeklammert.
    Der Planet in seiner Gesamtheit ist in jeder Beziehung unausweichlich zur Autarkie verdammt.
    Die Menschheit hat in der Gesamtheit irrwitzig überzogen.
    In einem Begrenzten Raum mit seinen in jeder Beziehung begrenzten Möglichkeiten, kann es kein unbegrenztes Wachstum geben.
    Das wird unabwendbar Folgen nach sich ziehen.
    Das erträumte Ökonomie-Perpetuum- Mobile ist ein NICHT REALISIERBARER Wunschtraum. Ein fundamentaler Denkfehler mit vorhersehbar Fatalen Folgen.
    Freundliche Grüsse

  2. ratlos sagt:

    Wie wir durch die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten manipuliert werden und mit welchen Mitteln diese Manipulation erfolgt. Ein höchstbrisanter Artikel hierzu unter: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/183/der-geheimplan-hinter-markus-lanz-skandalsendung.php