Betriebliche Vorsorge: Mittelstand stellt sich auf demografischen Wandel ein

Der demografische Wandel drängt auf die Agenda der deutschen Unternehmen. Sie wollen ihre erfahrenen Mitarbeiter so lange wie möglich im Betrieb halten. Einer Studie zufolge versuchen Mittelständler, sich auf die ändernden Bedürfnisse der Arbeitnehmer einzustellen. Die betriebliche Altersversorgung gewinnt an Bedeutung.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie gaben 58 Prozent der befragten Betriebe an, dass der Anteil ihrer über 60-jährigen Arbeitnehmer steigen werde. Vor allem bei der Gesundheits- und Altersversorgung rechnen sie mit wachsenden Ansprüchen ihrer Mitarbeiter. Dafür sieht sich bisher aber nur jedes dritte Unternehmen gut aufgestellt.

Steigende Kosten für die betriebliche Altersversorgung und für die Einführung neuer Altersversorgungspläne würden als größte Herausforderung gesehen, heißt es in der Befragung im Auftrag des Beratungsunternehmens Towers Watson. „Die Unternehmen haben verstanden, dass sich die Bedürfnisse und Ansprüche ihrer Mitarbeiter im Zuge des demografischen Wandels verändern und stellen sich darauf ein“, sagte Towers-Watson-Mitarbeiter Thomas Jaspers. Fast die Hälfte erwarte bis 2020 eine höhere Nachfrage nach Arbeitgeber-Angeboten für Ältere.

„Gerade in den Bereichen Alters- und Gesundheitsversorgung gibt es eine starke Erwartungshaltung der Arbeitnehmer“, sagte Jasper: „Viele fühlen sich unwohl dabei, diese komplexen Themen alleine zu verantworten und wünschen sich Unterstützung durch ihren Arbeitgeber.“ Zwar sähen sich nahezu zwei Drittel der Firmen bei der Alters- und Gesundheitsversorgung in der Pflicht. Nur jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) sehe sich aber mit seinem Angebot bis 2020 gut gerüstet. Fast genauso viele (34 Prozent) halten es dagegen für unwahrscheinlich, dass ihre Programme auf mittlere Sicht ausreichen werden.

Work-Life-Balance und Flexibilität stehen im Fokus

46 Prozent der befragten Manager gehen davon aus, dass mittelfristig die Work-Life-Balance zum wichtigsten Thema für ihre Mitarbeiter wird, gefolgt von finanzieller Sicherheit, mehr Flexibilität und Rücklagen für den Ruhestand. Dagegen tritt das aktuell bedeutendste Thema – die Arbeitsplatzsicherheit – zunehmend in den Hintergrund. Als konkrete Maßnahme plant mit 77 Prozent ein Großteil der deutschen Unternehmen die Einführung von flexibleren Arbeitszeiten und Home Office. An zweiter Stelle stehen mit 55 Prozent allgemeine Änderungen der angebotenen Benefits. 45 Prozent der befragten deutschen Unternehmen planen zudem Umgestaltungen der Arbeitsplätze und wollen ihren Mitarbeitern größere Wahlfreiheit bei den angebotenen Nebenleistungen bieten.

„Mitarbeiterbenefits fit zu machen für die Herausforderungen des demografischen Wandels ist eine der wichtigsten Aufgaben für europäische Unternehmen in den kommenden Jahren. Wer als Arbeitgeber attraktiv bleiben will, muss Angebote machen, die den veränderten Anforderungen der Arbeitnehmer gerecht werden – und wer mit guten Leistungen eine Vorreiterrolle einnimmt, hat einen klaren Vorsprung im Wettbewerb um Talente auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft“, so Jasper.

Für die Studie „Is 75 the new 65? Rising to the challenge of an ageing workforce“ befragte die Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Towers Watson Führungskräfte aus 480 großen mittelständischen Unternehmen und weltweit agierenden Konzernen in ganz Europa, darunter 56 aus Deutschland, zu ihren Erwartungen hinsichtlich des demografischen Wandels und dessen Konsequenzen für die eigenen Benefit-Programme. 88 Prozent der befragten Unternehmen haben mindestens 2.000 Mitarbeiter.

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