EU will Sparguthaben einsammeln und Firmenkredite vergeben

Die EU will Versicherern erlauben, das von den Sparern verwaltete Geld stärker in die Finanzierung von Unternehmen zu stecken. Die Kommission erwägt auch die Einführung eines europäischen Sparkontos. So sollen die Bürger die Firmenfinanzierung vorantreiben. Die EU würde dadurch selbst zu einem Kreditinstitut, das den Banken Konkurrenz macht.

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Sparguthaben in der Europäischen Union könnten nach Ansicht der EU-Kommission künftig für die Firmenfinanzierung genutzt werden. Auf diese Weise könnte man langfristig mehr Geld investieren und der Wirtschaft helfen, wie aus einem Papier der Kommission hervorgeht, das die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Hintergrund ist, dass sich viele Banken seit der Finanzkrise bei der Vergabe von Firmenkrediten zurückhalten. Die EU will deswegen nicht mehr so stark wie bisher von den Instituten abhängig sein.

Dem Dokument zufolge will die Kommission die europäische Versicherungsaufsicht in der zweiten Jahreshälfte um Rat bitten, wie persönliche Ersparnisse für die Rente angezapft werden könnten, um die langfristige Finanzierung anzukurbeln. Bis Ende des Jahres soll zudem geklärt werden, ob man ein europäisches Sparkonto einführen könnte. Dieses würde Sparern offenstehen, deren Geld in kleine Firmen investiert werden könnte. Das bedeutet, dass die EU selbst zur Bank wird, die Sparguthaben einsammelt und Kredite an die Wirtschaft vergibt.

Banken beklagen schon länger, dass sie wegen der strengeren Kapitalanforderungen nach der Finanzkrise nicht mehr so viel Geld an die Wirtschaft verleihen können (mehr zum Thema Eigenkapital und Risiko – hier). Die EU will in den kommenden zwei Jahren überprüfen, ob die Regeln für die langfristige Finanzierung angemessen sind. Dies dürfte etwa in den USA aufmerksam verfolgt werden. Dort will man ausschließen, dass Banken in der EU nicht einseitig Vorteile eingeräumt bekommen.

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Kommentare

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  1. Nestor sagt:

    Nun ja. Bisher haben die Pensionsfonds das Geld, das bei ihnen eingezahlt wurde, in Wertpapieren angelegt, vor allem in Staatsanleihen, weil die als besonders sicher galten.

    Wenn sie jetzt verpflichtet werden sollen, es statt dessen in Firmenkredite zu investieren, kann ja auch nur der Schaden eintreten, daß der Kredit platzt, genauso, wie daß das Wertpapier sich entwertet.

    Ich kann also keine besondere „Enteignung“ von „Sparern“ feststellen.

    Man muß allerdings fragen, warum so Firmenkredite an KMU so zögernd vergeben werden. Offenbar rechnen sich die Banken hierbei nicht viel aus, bzw. schätzen das Risiko als höher ein, u.a. deshalb, weil durch restriktivere Vergabe der vorher überreichlich fließenden Konsumentenkredite die Zahlungsfähigkeit des Endverbrauchers geschrumpft ist. An irgendwen müssen die KMU aber ihr kreditfinanziertes Zeug verkaufen, damit der Kredit bedient werden kann.

  2. Zirkulatur sagt:

    „EU will Sparguthaben einsammeln und Firmenkredite vergeben.“ Aha!
    Na, da bin ich ja mal gespannt. Das Vertrauen in die EU liegt insbesondere beim Sparbürger am Boden. Viel werden sie auf diesen Sparkonten also nicht einsammeln können. Natürlich wissen die EU-Granden das selbst am besten.
    Das Ganze dient also lediglich der Maskierung des eigentlichen Coups.
    Nämlich eine entscheidende Schwächung der Sicherheitsschwellen hinsichtlich der Investition ihres Kundenkapitals bei den Versicherungen. Die dürfen das angelegte Kapital nämlich bisher nur sehr konservativ anlegen, um Verluste ihrer Kunden wenn irgend möglich auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. Werden diese Sicherheitskriterien jetzt weg liberalisiert, können die Versicherungen weit risikofreudiger investieren. Läuft es gut, ist alles chic. Aber wann tut es das mal und für wen? Wenn aber nicht, und die in immer schnellerer Wiederholung aufeinander folgenden Finanzkrisen und die sprichwörtliche Gier der Investitionsbanker lassen da Böses erahnen, was dann?
    Dann sind wir Versicherungskunden nach der Niedrigverzinsung unser Erspartes gänzlich los. Unsere Ersparnisse in den Händen der EU? Na schönen Dank auch!
    Das immer wieder kehrende Problem beim Investieren von Fremdkapital dabei ist doch, das die Investoren mit Blick auf ihre eigenen Gewinne leicht die Interessen ihrer Kunden aus den Augen verlieren.
    Würden Sie ihre Ersparnisse Mario Draghi oder der EU anvertrauen, wenn Sie dazu nicht gezwungen werden?

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Interessante Sache die vor allem tief in die Köpfe der EU Regierung= Kommission blicken lässt.
    Das demonstriert vor allem faktisch totale Ratlosigkeit.
    In den 1. gut 25 Jahren (seit Mastricht) wurden riesige Mengen an real erwirtschaftetem Kapital in den aktuellen Schuldenstaaten sinnlos verbraten. (zu einem erheblichen Teil aus Deutschland) Inzwischen ist das Verhältnis Real erwirtschaftetes zu geschöpftem Kapital verheerend aus dem Gleichgewicht. Schätzungsweise ist da längst ein Verhältnis von 1 zu 10 oder auch mehr.
    Im Klartext bedeutet der Plan der EU nicht mehr und nicht weniger als auch noch den letzten kläglichen Rest an Real erwirtschaftetem Kapital zu verbraten.
    Die haben das Fundamentale Ökonomische Kernproblem immer noch nicht geschnallt. Da ist längst eine Handfeste Realwirtschaftskriese die Irre Liquiditätszufuhr= geschöpftes Kapital hat dies lediglich gedeckelt= die Geldbilanzen im schwarzen Bereich gehalten. Erstaunlich ist nur noch der Umstand das dieses Kartenhaus nicht längst zusammengebrochen ist. Wir erleben die Grösste, in den Dimensionen, faktische Falschgeld ( = institutionalisierte Blütenproduktion) der Wirtschaftsgeschichte)
    Irre absolut irre das Geschehen.
    Freundliche Grüsse

    • inflatio sagt:

      @………Die haben das Fundamentale Ökonomische Kernproblem immer noch nicht geschnallt……..

      das meinen Sie! Die da oben wissen das system. Nur Michel kapiert es nicht und schaut leise jammernd zu.

      Lösung: als erstes Goldschmied fabian gucken. Dann prof. bernd senf „tiefere ursachen der weltfinanzkrise“, andreas popp „danistakratie“ und mario fleischmann „das zwangsgeldsystem“. Wenn mans dann verstanden hat und will, findet man noch unzähliges im www dazu.