Deutschland: Binnen-Nachfrage bleibt kraftlos

Die deutsche Wirtschaft wuchs im 4. Quartal 2013 nur um 0,4 Prozent. Private Konsumausgaben sind rückläufig. Die Wirtschaft in Europa stagniert. Griechenland und Zypern kommen nicht aus der Rezession heraus. Eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft in Italien, Spanien und Frankreich zeichnet sich nicht ab.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Oktober und Dezember lediglich um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Die schwache Binnen-Nachfrage bereitet Grund zur Sorge. Die staatlichen Konsumausgaben stagnierten, die privaten schrumpften sogar leicht. „Die Menschen haben sich im Weihnachtsgeschäft stärker zurückgehalten als erwartet“, sagte BayernLB-Ökonom Johannes Mayr. Die gute Joblage, die niedrigen Zinsen und die moderate Inflation hätten sich Ende 2013 noch nicht in den Zahlen niedergeschlagen.

Die niederländische Wirtschaft wuchs Ende 2013 unerwartet deutlich um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Wegen des schwachen Jahresstarts reichte es für 2013 insgesamt aber nicht zu Wachstum: Die Wirtschaft schrumpfte das zweite Jahr in Folge – und zwar um 0,8 Prozent.

Österreichs Wirtschaft ist im vergangenen Jahr dank nur um 0,3 Prozent gewachsen. Die Alpenrepublik konnte wieder mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkaufen, teilte das Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut am Freitag mit. Die Österreicher selbst würden jedoch weiterhin nur wenig konsumieren. Im vierten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal nach ersten Berechnungen um 0,3 Prozent.

Italiens Wirtschaft stagniert: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vierten Quartal nur um 0,1 Prozent zu, wie das Statistikamt Istat in Rom am Freitag mitteilte. Insgesamt schrumpfte das BIP voriges Jahr um 1,9 Prozent. Das hoch verschuldete Land steckt seit längerem in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Lage ist durch eine Kreditklemme und hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Ministerpräsident Enrico Letta ist von der eigenen Partei wegen mangelnden Reformeifers zum Rücktritt gedrängt worden. Sein parteiinterner Rivale Matteo Renzi steht in den Startlöchern, um das Reformtempo als Regierungschef zu beschleunigen.

Die französische Wirtschaft wuchs um 0,3 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. „Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus“, befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Der spanischen Zentralbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft in Spanien 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein – voraussichtlich um 1,2 Prozent. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen. Die portugiesische Wirtschaft schrumpfte in 2013 um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 für Griechenland noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.

In Zypern ist die Wirtschaftsleistung 2013 um voraussichtlich 5,5 Prozent eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. „Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt“, so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Angesichts dieser Eckdaten ist eine nachhaltige Erholung der europäischen Wirtschaft nicht in Sicht.

Kommentare

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  1. Margrit Steer sagt:

    Ja wie soll denn auch konsumiert werden und der Binnenmarkt ansteigen?
    Der Euro war und ist bis heute für uns Bürgr eine 100%ige Preiserhöhung.
    Haben die ganzen Pappköppe in Berlin schon einmal daran gedacht?

  2. Eddi sagt:

    Also lt. GfK ist doch der Konsumrausch der deutschen ungebremst, wie in den Systemnahen Meldungen gesagt wird. Wieso ist da plötzlich und völlig unerwartet der private Konsum rückläufig?

  3. Friedel Stumpf sagt:

    Wenn die mir dieses Jahr die Rente um 20% erhoehen, dann kann ich auch mehr konsumieren. Ich verspreche, dass das Geld nicht auf ein schweizer Konto wandert.