VW-Arbeiter in den USA werfen Gewerkschaft aus dem Betrieb

Die Arbeiter des VW-Werks im US-Bundesstaat Tennessee haben gegen die Vertretung durch die Auto-Gewerkschaft UAW gestimmt. Diese wollte die Arbeiter nach deutschem Vorbild in einem Betriebsrat vertreten.

Die VW-Beschäftigten in Tennessee haben die Auto-Gewerkschaft UAW aus dem einzigen US-Werk des deutschen Herstellers verbannt. Die Arbeiter der Fabrik in Chattanooga votierten mit 712 zu 626 Stimmen gegen das Vorhaben der United Auto Workers, die Belegschaft in einem Betriebsrat nach deutschem Vorbild zu vertreten.

Präsident Barack Obama, dessen Wahlkampf vor allem von Großbanken und Gewerkschaften finanziert wurde, hatte sich für den Plan der Gewerkschaft ausgesprochen.

Die herbe Niederlage könnte nun den jahrzehntelangen Niedergang der UAW beschleunigen. Das Votum galt als Chance für die Gewerkschaft, ihren Einfluss im traditionell gewerkschaftsfeindlichen Süden der USA auszubauen, wo viele internationale Autokonzerne ihre Werke betreiben.

VW lässt in Chattanooga vor allem den Passat bauen und verhielt sich in der Abstimmung im Gegensatz zu anderen Herstellern neutral – auch weil die IG Metall an dem Vorhaben beteiligt war. So gewährte VW etwa UAW-Vertretern Zugang zu der Fabrik.

„Wir fühlen uns von Volkswagen bereits jetzt sehr gut behandelt, was die Bezahlung und Zulagen angeht“, sagte Sean Moss, der gegen die UAW stimmte. „Wir haben uns auch die Geschichte der UAW angesehen – warum sollten wir ein Ticket für die Titanic buchen?“

Seit 1979 ist die Zahl der UAW-Mitglieder landesweit um 75 Prozent auf jetzt noch knapp 400.000 eingebrochen. Um diesen Trend zu stoppen, verbrachte die Gewerkschaft insgesamt zwei Jahre mit den Vorbereitungen für diesen Präzedenzfall. Ein Vorstoß in den Süden ist ein Kernbestandteil der UAW-Strategie.

Die UAW versuchte zuletzt 2001, Arbeiter in einem großen Werk eines ausländischen Herstellers zu vertreten. Die Beschäftigten am Nissan-Standort Smyrna in Tennessee entschieden sich damals ebenfalls dagegen.

„Wenn die UAW noch nicht einmal eine Abstimmung gewinnen kann, wenn viele Umstände so stark zu ihren Gunsten ausfallen, müssen sie wohl das Angebot überdenken, das sie den Arbeitern verkaufen wollen“, erklärte Mark Mix von der National Right to Work Foundation.

Die UAW plant bereits Abstimmungen in anderen Werken, etwa bei Daimler in Alabama.

Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Markus Bechtel sagt:

    Sie schreiben: „Die Arbeiter der Fabrik in Chattanooga votierten mit 712 zu 626 Stimmen gegen das Vorhaben der United Auto Workers, die Belegschaft in einem Betriebsrat nach deutschem Vorbild zu vertreten.“
    Nach den weiteren Ausführungen hätte es wohl „nach amerikanischen Vorbild“ heißen müssen. Sowohl die VW-Geschäftsführung als auch die VW-Belegschaft wollten eine Mitarbeitervertretung nach DEUTSCHEM Vorbild. Weil diese den Interessen BEIDER Seiten besser gerecht wird, als das amerikanische Modell der UAW.

  2. Deutscher Michel sagt:

    Die Gewerkschaften haben ihre Existenzberechtigung schon vor Jahrzehnten verloren. Es geht nicht um die Rechte von schutzlosen Arbeitnehmern gegenüber den bösen Arbeitgebern, sondern um die Befriedigung grenzenloser Gier priviligierter Festangestellter zu Lasten von Zeitarbeitern und anderen.
    Die Zeiten der Ausbeutung von Arbeitern durch skrupellose Fabrikbesitzer sind in den entwickelten Industriestaaten schon lange Geschichte.
    Die Betriebsräte und Gewerkschaften mit ihren soitzenmäßig bezahlten und korrupten Vertretern, siehe z.B.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Volkert
    samt Edelnutten können den Arbeitern zwar schön nach dem Mund reden, das ist aber alles nur Fassade und Heuchelei.

    • spatz sagt:

      Sie meinen sicher die privilegierten Festangestellten die jeden Morgen mit dem Privatjet zur Arbeit kommen,oder?