Forscher: Sanierung der Infrastruktur kostet 120 Milliarden Euro

In den nächsten zehn Jahren werden die Kosten für die Instandhaltung der deutschen Infrastruktur explodieren. Das IW Köln schlägt Alarm: Bereits jetzt behindern marode Brücken und kaputte Straßen den Geschäftsbetrieb von zwei Dritteln aller Unternehmen.

Überlastete Autobahnen, marode Brücken und langsame IT-Netze – rund 120 Milliarden Euro müssten einer IW-Studie zufolge in den nächsten zehn Jahren in die Infrastruktur fließen, damit der Standort Deutschland seinen internationalen Wettbewerbsvorteil nicht verliert. Die heimischen Unternehmen bewerten den aktuellen Zustand derzeit zwar noch mit der Note „gut“, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Montag unter Berufung auf eine Umfrage unter 2.800 Firmen mitteilte. Aber knapp zwei Drittel der Betriebe sehen ihre Geschäfte durch Mängel im Straßenverkehrsnetz bereits beeinträchtigt.

Der genannte Investitionsbedarf sollte zu je einem Drittel in Fernstraßen und Brücken fließen, in die Modernisierung der IT-Netze sowie in den Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende. Im Straßenverkehr gehe es dabei vor allem um den Ausbau und die Erhaltung der Hauptverkehrsachsen, erläuterten die Forscher. Die Stromnetze hingegen seien eigentlich in einem guten Zustand. „Sie müssen künftig aber neuen Anforderungen gerecht werden, die sich zum Beispiel durch Schwankungen bei Wind- und Sonnenstrom ergeben.“

Langfristig zahlten sich Investitionen in die Infrastruktur erfahrungsgemäß aus, rechnet das IW vor: „Steckt die Politik zehn Milliarden Euro sinnvoll in Straßen, Stromnetze und Co, erhöht das laut Faustformel die Wirtschaftsleistung um 2,5 Milliarden Euro pro Jahr.“ Die Investitionen lohnten sich schon nach vier Jahren.

Alle Branchen würden von Investitionen in Infrastruktur profitieren, so das IW-Köln. Umgekehrt sieht sich die Mehrheit der Unternehmen, branchenübergreifend, derzeit in ihrer Geschäftstätigkeit beeinflusst. Das IW schreibt dazu:

„Gut 57 Prozent dieser Unternehmen werden derzeit in ihrer Geschäftstätigkeit durch die Probleme und Mängel mit der Infrastruktur in einer negativen Weise regelmäßig beeinflusst. 10 Prozent aller Unternehmen sprechen sogar von einer deutlichen Beeinträchtigung. Damit haben Infrastrukturmängel nicht nur Auswirkungen auf das mittel- bis langfristige Wachstumspotenzial der Volkswirtschaft. Vielmehr verhindern sie auch, dass das Produktionspotenzial effizient genutzt werden kann. Infrastrukturmängel behindern somit die konjunkturelle Dynamik. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Unternehmen aufgrund nicht reibungslos laufender Logistikprozesse geschäftliche Expansionschancen vor allem in Aufschwung- und Boomphasen nicht adäquat nutzen können. […]

Mit Blick auf die fünf Branchen, die in der IW-Konjunkturumfrage abgegrenzt werden, gibt es eine merklich unterschiedliche Beeinträchtigung der derzeitigen Betriebsabläufe durch Infrastrukturmängel (siehe Grafik). Am stärksten wird demnach die Bauwirtschaft belastet. Gut 63 Prozent der Baubetriebe gaben im Herbst 2013 an, dass sie Beeinträchtigungen verspüren, 12 Prozent sprachen sogar von deutlichen Problemen. Vor allem beim Straßenverkehr werden von dieser transportintensiven Branche Mängel festgestellt. Drei Viertel der Baubetriebe meldeten infrastrukturbedingte Probleme im Straßenverkehr, 30 Prozent gaben hier sogar deutliche Beeinträchtigungen an. Die Branche ist überdurchschnittlich auf Transportleistungen im lokalen und regionalen Bereich angewiesen. Die hohe Transportintensität gilt im Prinzip auch für den Vorleistungssektor, in dem Grundstoffe und Produktionsmittel hergestellt werden. Wie im Baubereich ist hier eine zeitnahe Anlieferung der Vorleistungen unabdingbar und Infrastrukturmängel erschweren die Betriebsabläufe in diesen Branchen. Dies gilt im Wesentlichen auch für die Dienstleistungsfirmen. Auch in dieser Branche wird der Straßenverkehr an erster Stelle genannt. Zwei Drittel der Dienstleister meldeten hier Probleme, über ein Viertel gab sogar deutliche Beeinträchtigungen an.“

Kommentare

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  1. H.U.Ellenberger sagt:

    Wenn die Zinsen tief sind, macht der kluge Familienvater Schulden und saniert sein Haus.
    Herr Schäuble schiebt hunderte von Milliarden Infrastruktur-Aufgaben vor sich her und schreibt eine schwarze Null.
    Die nächste Generation wird bezahlen und die Banken werden es ihm mit höheren Zinsen danken.

  2. sanri sagt:

    Der Präsidiaollobbyist – jener der BDA – mit nun mehr nach Herzinfarkt: 270.000 EUR Rente wird helfen!!

  3. sanri sagt:

    Im nächsten Frühjahr wird der Rhein britische Überschwemmungszustände einnehmen. Dann bitte so cool auf der Parkbank sitzen und die Rheinpost lesen wie eine britische Zeitungsleserin das auf einer einsam hervorblickenden Parkbank rundum umgeben von Wasser, im Vollgummi-Wasseranzug vormachte. Danach folgt dann die Infrastruktur-Sanierung.

  4. Pandora0611 sagt:

    Das ist gemein!
    Kritisieren sie etwa Schäuble, dass er unser Steuergeld lieber nach Athen trägt, den Euro „rettet“, den EFSF, ESM, OMT, Target2, die „Bankenunion“, etc. finanziert?
    Das ist doch alles „alternativlos“! Das müssen doch auch Sie „einsehen“!
    Schäuble will doch nur unser Bestes, UNSER GELD!

  5. bate77 sagt:

    Das sind ja Peanuts ggü. einer Bankenrettung!

  6. Pandora0611 sagt:

    „Überlastete Autobahnen, marode Brücken und langsame IT-Netze – rund 120 Milliarden Euro müssten einer IW-Studie zufolge in den nächsten zehn Jahren in die Infrastruktur fließen, damit der Standort Deutschland seinen internationalen Wettbewerbsvorteil nicht verliert.“

    Das Geld für die Sanierung des Straßennetzes und der maroden Brücken ist zwar vorhanden, es wird aber zweckentfremdet eingesetzt.
    So nimmt der Bund über die KFZ-Steuer, Mineralölsteuer plus MwSt. 52Mrd€/a ein, gibt aber zweckgebunden für die Straße nur 19Mrd€/a aus. Der Rest versickert im allgemeinen Haushalt.
    Ähnliches gilt auch für den Ausbau von schnellen IT-Netzen und der Stromnetze.
    Dieser wird immer weiter verschleppt.
    Aber bevor man die Stromnetze im Zuge der Energiewende weiter ausbaut, sollte man sich einmal Gedanken über Speichermöglichkeiten für den „Zufallsstrom“ machen.
    Ansonsten brauchen wir immer noch „Backup-Kraftwerke“ wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.
    Heute haben wir folgende Situation: Wenn zu viel Strom aus EE erzeugt wird, verschenken wir ihn ins Ausland oder „verkaufen“ ihn sogar zu einem „negativen Preis“!
    Im Gegenzug importieren wir bei Mangel Strom von den „freundlichen AKWs“ aus Tschechien und Frankreich.