VW-Nutzfahrzeuge: MAN und Scania fahren Konkurrenz hinterher

Die Zusammenarbeit von MAN und Scania bereitet der VW-Konzernspitze Sorgen. Derzeit fährt man der Konkurrenz von Daimler und Volvo hinterher. VW hat über zehn Jahre lang mehrere Milliarden in seine Nutzfahrzeug-Sparte investiert.

Die schleppende Zusammenarbeit von MAN und Scania bereitet dem Mutterkonzern Volkswagen Kopfzerbrechen. Der VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech dringt seit Jahren darauf, dass die beiden Lkw-Töchter enger verzahnt werden. An diesem Freitag soll nun der VW-Aufsichtsrat Insidern zufolge beraten, wie die Zusammenarbeit verbessert werden kann. „Die Fortführung der LKW-Strategie wird ein Thema der Aufsichtsratssitzung sein. Dabei dürfte auch konkret über Scania und MAN gesprochen werden“, sagte ein Konzerninsider der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Eine weitere Person mit Kenntnis der Vorgänge bestätigte dies. VW wollte sich nicht dazu äußern.

Am Freitag soll das Gremium den Insidern zufolge auch die Weichen stellen, den ehemaligen Daimler -Manager Andreas Renschler als Lkw-Boss nach Wolfsburg zu holen. Renschler war kürzlich bei Daimler ausgeschieden, weil er dort keine Aufstiegschancen mehr sah. Er hatte lange die Nutzfahrzeugsparte von Mercedes-Benz geleitet, bevor Konzernchef Dieter Zetsche den Vorstand auf Druck des Betriebsrats umbaute und Renschler das Produktionsressort übernehmen musste. Nach Renschlers Abgang in Stuttgart hatte Piech durchblicken lassen, dass er den 55-Jährigen möglichst rasch nach Wolfsburg holen will und der Aufsichtsrat die Personalie nur noch abnicken muss. „Hinterher können Sie sagen, die Besten ködern die Besten“, hatte der VW-Patriarch gesagt.

Unklar blieb zunächst, was VW erwägt, damit die beiden Lkw-Bauer harmonieren. Bisher gleichen die Bemühungen eher der Zähmung von zwei Widerspenstigen. VW suche nach Wegen, um die Zusammenarbeit von MAN und Scania zu forcieren. Die schwedische Zeitung Dagens Industri berichtete, VW erwäge, seinen Anteil an Scania zu erhöhen, um den Einfluss der Minderheitsaktionäre in dem schwedischen Konzern zurückzudrängen.

Während Volkswagen MAN durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bereits an der kurzen Leine führt, gibt es eine solche Möglichkeit in Schweden nicht. Um den Durchgriff auf alle Aktivitäten zu erhalten, müsste VW seine Kapitalmehrheit an der schwedischen Lkw-Tochter auf 90 Prozent erhöhen und könnte den anderen Anteilseignern dann ein Abfindungsangebot unterbreiten. Analysten rechnen damit, dass eine Komplettübernahme VW mindestens fünf Milliarden Euro kosten würde. VW und MAN halten zusammen bereits 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte an Scania.

Die Wolfsburger haben seit mehr als einem Jahrzehnt mehrere Milliarden in den Aufbau ihrer Beteiligung an MAN und Scania gesteckt. Sie folgen damit Piechs Idee von einem schlagkräftigen Verbund, mit dem Volkswagen in der Konkurrenz mit Daimler und Volvo mithalten will.

Der VW-Aufsichtsrat trifft sich an diesem Freitag wie immer zu Jahresanfang, um die Eckdaten der Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr und den Dividendenvorschlag zu beraten. In diesem Jahr ist die Tagesordnung wegen d er Beratungen über die Lkw-Allianz besonders umfangreich. Im Laufe des Tages sollen die vorläufigen Geschäftszahlen veröffentlicht werden. Analysten rechnen damit, dass VW den Betriebsgewinn im abgelaufenen Jahr leicht gesteigert hat.

2013 hatte sich Volkswagen beim Absatz weltweit auf Rang zwei vor die Opel-Mutter General Motors geschoben, rangierte aber noch mit einigem Abstand hinter Weltmarktführer Toyota (mehr dazu – hier). Davor hatte der Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzern auf Platz drei der Branche gelegen. Bis spätestens 2018 will VW Toyota von der Spitze verdrängen und selbst weltgrößter Automobilhersteller Platz werden.

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  1. spatz sagt:

    Und warum ist das so?