Chinas Maschinenbauer sichern sich Marktanteile in Indien und Südostasien

China macht deutschen Maschinen-Exporteuren nicht nur in Europa Konkurrenz. Auch in Südostasien und Indien drängen chinesische Maschinenbauer auf den Markt. Für Deutschland kommt das zu einem schlechten Zeitpunkt. Die Aufträge in Europa brechen weg. Der Absatzmarkt in Asien ist für den deutschen Export von großer Bedeutung.

Chinesische Maschinenbauer haben einer Studie zufolge bei ihrer Expansion nicht mehr vorrangig Europa und die USA im Visier. Vielmehr strebten die Unternehmen nun zunächst nach Südostasien und Indien, ergab eine Studie im Auftrag des Verbands Deutscher Maschinenbauer (VDMA) über die Strategien der chinesischen Konkurrenz.

„Die Chinesen sind realistischer geworden“, erläuterte die Autorin der Studie, Daniela Bartscher-Herold, am Dienstag in Frankfurt. Sie hätten gemerkt, dass ihnen oft noch das Know-how bei Technologie und Service fehlten, um in den USA und Europa konkurrenzfähig zu sein. Ganz aus den Augen verloren hätten chinesische Maschinenbauer diese Absatzmärkte aber nicht: Mittelfristig – ab 2015 – wollten sie mit ihren Exporten auch in den USA, Europa sowie Brasilien und dem Nahen Osten landen.

Zuletzt hatten der Einstieg chinesischer Firmen bei deutschen Maschinenbauern wie dem Gabelstabler-Konzern Kion (mehr hier) oder dem Betonpumpenhersteller Putzmeister die Erwartung einer Welle von Übernahmen deutscher Unternehmen durch Chinesen geschürt. Bei ihrer Expansion setzten chinesische Firmen aber mittlerweile weniger auf Übernahmen als auf Exporte von Maschinen im mittleren Qualitäts- und Preissegment (mehr zum Einfluss chinesischer Investoren auf europäische Betriebe – hier).

China ist mit einem Anteil der weltweiten Maschinenausfuhren von gut elf Prozent inzwischen der drittgrößte Maschinenexporteur der Welt, knapp hinter den USA. Deutschland ist mit einem Anteil von knapp 16 Prozent Spitzenreiter in dieser Kategorie. Doch die Auftragslage in Europa ist mau. Der Umsatz der Industrie ist bereits das zweite Jahr in Folge gesunken.

China versucht seine Marktanteile in Asien zu sichern und auszubauen. Für die deutschen Maschinen-Exporteure erhöht sich dadurch der Wettbewerb. Der Absatzmarkt in den USA und Asien ist für den deutschen Export von besonderer Bedeutung (mehr zum Exportpotenzial in Übersee – hier).

Hightech-Markt zu klein

Die deutschen Maschinenbaufirmen brauchen ihrem Verband zufolge in China mehr Mut zum Mittelmaß. Die Hochtechnologie-Maschinen ‚Made in Germany‘ seien für chinesische Kunden oft zu teuer, sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge am Dienstag in Frankfurt. „Wenn wir das mittlere Technologiesegment nicht ausreichend bedienen, verlieren wir sukzessive an Marktanteilen und überlassen den Markt ganz den chinesischen Wettbewerbern“, erläuterte er seine Schlussfolgerungen aus einer Studie über die Strategien chinesischer Maschinenbauer. Diese wüssten, dass der technologische Abstand zur deutschen Konkurrenz meist noch ziemlich groß sei und setzten daher auf preiswertere Produkte und einen guten Service. „Wenn wir nur Hightech machen, laufen wir gegen die Wand. Dort ist der Markt zu klein.“

Die Volksrepublik ist der größte Exportmarkt für die deutsche Branche und gleichzeitig mit Abstand der größte Maschinenproduzent. Die Lernkurve der chinesischen Maschinenbauer sei steil, sagte Daniela Bartscher-Herold, die Autorin der Studie. Sie stießen zunehmend in mittlere Marktsegmente vor, indem sie technologisch kritische Teile importierten und Ingenieure aus dem Ausland anwerben würden. „Ihre Stärke ist der kundennahe Service – hier darf die deutsche Industrie den Anschluss nicht verpassen.“ Bartscher-Herold empfahl deutschen Firmen, nicht nur beim Service stärker auf chinesische Mitarbeiter zu setzen.

Oft könnten chinesische Ingenieure den Bedarf der Kunden vor Ort besser einschätzen und entsprechende Maschinen bauen. Es sei nahezu unmöglich, eine Maschine, die nicht höchsten Ansprüchen genüge, mit einem deutschen Ingenieur zu entwickeln, sagte die Autorin. Das gab auch VDMA-Präsident Festge zu: „Es fällt ihnen schwer, bei der Entwicklung der Maschinen nicht alles rauszuholen.“

Kommentare

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  1. papperlapapp sagt:

    Da die mit Staatsanleihen zugeschütteten Europäischen Banken keine Kredite mehr an die Industrie vergeben, kommen wir im technischen know how immer mehr ins Hintertreffen.
    Es reicht den Chinesen, sich Beteiligungen an deutschen Top – Investitionsgüter – Unternehmen zu sichern, um an das benötigte know how ganz legal heranzukommen.
    Warum merkt der doch so clevere Deutsche Exportweltmeister das nicht ?

  2. Siegfried sagt:

    Gerade die deutsche Perfektion ist doch ein Grund für den Kauf. Mittelmaß können andere auch, und zwar immer billiger. Wenn wir das Niveau herunterreißen, sind wir bei den quaitätsbewußten Kunden unten durch, und mit den Ramschherstellern können wir preislich nicht mithalten. Ich sähe großes Potential darin, Maschinen nicht immer weiter zu verkomplizieren, sondern immer langlebiger und störunanfälliger zu machen.

  3. Alfons sagt:

    Deutschland braucht die alten Industrien nicht mehr.

    Wir sind bestens aufgestellt im Bereich der Gender-Technologie, der Windmühlchen und Sonnenstrahl-Einfänger mit ihren Zappel- und Flackerströmchen.

    Hinzu kommt, dass unsere Migrations- und Integrationsindustrie nur so brummt; da dürfte Deutschland bereits Importweltmeister sein und andere Staaten vor Neid erblassen lassen.

    • WachtamRheinbeiRhöndorf sagt:

      Bravo!
      Gemäß der neuen Staatsraison:
      „Alles was Deutschland schadet, ist gut für dieses Land und Europa.“

  4. Bernhard sagt:

    Diese Entwicklung hatte ich bereits vor Jahren auf meiner Internetseite beschrieben und ist nichts anderes als logisch:

    1. Schritt – China erhält Maschinen niedriger/mittlerer Technologie (Stand: 60er Jahre)
    2. Schritt – China produziert mit geringem Investment bei niedrigen Personalkosten
    3. Schritt – China steigert den Mechanisierungsgrad mit steigenden Kosten
    4. Schritt – China hat etwa 40 Jahre Produktivitätssteigerungsreserven.

    Wer glaubt, der deutsche Maschinenbau hätte eine rosige Zukunft, dem wünsche ich einen sanften Schlaf. Wer meint, dass deutsche Ingenieure das Maß aller Dinge in der Welt sind, dem wünsche ich einmal Gespräche mit chinesischen jungen Ingenieuren und das Erleben, wie sehr sie nach hohen Leistungen streben UND wie stolz sie sind, Bürger Chinas zu sein. Ich hatte 8 Monate China mehr als bewundernd angenommen.