EZB: Hohe Löhne in Deutschland sollen Deflation bekämpfen

Ganz Europa hofft auf steigende Löhne in Deutschland. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zufolge führe das zu einer „Selbstkorrektur“ der fallenden Preise. Die Inflationsrate der Euro-Zone ist auf 0,7 Prozent gefallen. Die EZB ist machtlos und versucht, die Gefahr einer Deflation in Europa herunter zu spielen.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny will die Angst vor einem wirtschaftlich gefährlichen Preisverfall auf breiter Front zerstreuen. Die anziehende europäische Konjunktur und die hohen Lohnabschlüsse in Deutschland könnten die aktuell niedrige Inflation wieder ansteigen lassen, sagte Nowotny am Dienstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Das könnte eine Selbstkorrektur bewirken“, sagte Nowotny.

Die Inflationsrate in der Euro-Zone war zuletzt auf 0,7 Prozent gefallen und lag damit weit unter der von der Notenbank als Preisstabilität definierten Marke von knapp zwei Prozent. Das hatte die Sorge vor einem Abrutschen der Euro-Zone in eine Deflation angeheizt. Eine solche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkendem Konsum kann eine Volkswirtschaft erheblich lähmen.

In Deutschland – der größten europäischen Volkswirtschaft – hat der jüngst erzielte Tarifabschluss für die Chemiebranche die Latte für weitere Lohnverhandlungen etwa im öffentlichen Dienst, der Druckindustrie und dem Bauhauptgewerbe gelegt. Die Beschäftigten in der Chemieindustrie erhalten 3,7 Prozent mehr Lohn.

Nach der Logik von  Nowotny sollen steigende Löhne in Deutschland den Preisverfall in der ganzen Euro-Zone stoppen

In Spanien fiel die Inflationsrate im Januar auf 0,2 Prozent. Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Im Falle einer Deflation halten sich Unternehmen in der Regel mit Investitionen zurück, auch der private Konsum wird aufgeschoben. Firmen könnten dann mit weiteren Entlassungen reagieren.

Die Bank of England (BoE) gab bekannt, dass die Inflation in Großbritannien zum ersten Mal seit 5 Jahren unter die Zwei-Prozent-Marke gefallen ist. Die Preise für Konsumgüter sind im Januar nur noch um 0,6 Prozent gefallen im Vergleich zum Vormonat. Dadurch senkt sich auch die aufs komplette Jahr prognostizierte Inflation von 2,0 auf 1,9 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde Großbritanniens verkündete. Den größten Preisverfall erlebten dabei DVDs, Eintrittspreise für Museen, Haushaltswaren und Alkohol, berichtet Bloomberg. Aber auch fallende Rohstoffpreise für Rohöl und Erdgas drückten die Inflation nach unten.

Diese Neuigkeiten nähren erneut Ängste vor einer Deflation in Europa. Bei einer Deflation handelt es sich um einen großflächigen Preisverfall, häufig ausgelöst durch eine Reduktion der im Umlauf befindlichen Geldmenge oder des Kreditumlaufs.

In deflationären Zeiten verleihen Banken weniger Geld an die Bürger, wodurch diese weniger konsumieren können. Die Nachfrage sinkt, was die Unternehmen wiederum zwingt die Preise für Güter und die Löhne der Arbeiter zu senken, um dem Konkurs zu entgehen. Das ist vor allem in der europäischen Industrie zu beobachten (mehr zum Preisverfall in der Industrie – hier).

Deflation wird häufig von hoher Arbeitslosigkeit begleitet, da die Unternehmen dem wirtschaftlichen Abschwung mit Entlassungen begegnen, um ihre Kosten zu senken. Das wiederum verschärft den Teufelskreis weiter, denn die arbeitslose Bevölkerung fragt noch weniger Waren und Dienstleistungen nach.

Während Zentralbanken einer Inflation durch höhere Leitzinsen begegnen, um die Kreditvergabe der Banken zu drosseln, senken sie in einer Deflation die Leitzinsen, um die Kreditvergabe anzukurbeln.

Da die Leitzinsen aber zurzeit bereits auf historisch niedrigen Niveaus liegen (mehr hier), sind die Zentralbanken machtlos. Privatbanken stecken das billige Geld, das sie von der Zentralbank erhalten, lieber in den Aktien- oder Anleihemarkt, anstatt risikoreiche Firmen- oder Privatkredite zu vergeben.

Das prägnanteste Beispiel für eine Deflation ist Japan. Das Land befindet sich seit den neunziger Jahren in einer Deflationsspirale und kann dieser trotz enormer Ausweitung der Geldmenge und Senkung der Leitzinsen bis heute nicht entkommen.

Der Chef der BoE, Mark Carney, sagte angesichts des beginnenden Preisverfalls, dass die Leitzinsen weiterhin auf einem Rekordtief von 0,5 Prozent bleiben werden. Großbritannien hat ein hartes Sparprogramm angekündigt, was Investitionen weiter drosseln wird (hier).

„Die globale Inflation ist gedämpft. Die Kerninflation sowohl in der Euro-Zone als auch in den USA liegt nahe an 1 Prozent. Die Rohstoffpreise fallen und das Pfund Sterling hat seit März um 10 Prozent aufgewertet. All diese Entwicklungen werden einen steigenden Inflationsdruck zurückhalten“, sagte Carney auf einer Presse-Konferenz der BoE.

Die Logik der EZB, die Tarifabschlüsse in Deutschland als Heilmittel für ein Problem der gesamten Euro-Zone anzusehen, greifen angesichts der Entwicklungen in Großbritannien und Spanien zu kurz. Ein Preisverfall ist auch in der Industrie zu beobachten (mehr zu Industrieflaute – hier). Die Aufträge bleiben aus und die Hersteller müssen die Preise senken. Am deutlichsten zeigt sich das im Maschinenbau.

Kommentare

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  1. papperlapapp sagt:

    Man kann natürlich einen gesättigten Markt und die dadurch wegbrechenden Umsätze auch Deflation nennen.

    Merke:

    Wer schon 3 Autos hat, 2 Flachbildglotzen und 16 Hosen und 45 Paar Schuhe im Schrank, der wird weniger kaufen als der, der noch Nachhohlbedarf hat.
    Denen fehlt aber dazu die Kohle weil der „Kredit, wie für mich gemacht“, eben für die nicht gemacht ist.
    Export geht auch den Bach runter, weil die China-Männer in Konsumgütern konkurrenzlos günstig sind.
    Dazu kommt hier die eingebaute Obsoleszenz von 2 Jahren, die keiner brauchen kann und will.
    Hier erschöpft sich die Befriedigung des Ego in geleaster Protzkiste, 3 mal im Jahr nach Malle und Samstags gröhl.
    Ach ja, DSDS vergessen. Sorry.

  2. spatz sagt:

    Diese GS Ableger in Brüssel sind so dämlich dass sie auf ihre
    selbstgefälschten Zahlen hereinfallen.

    Wenn die Loser die Inflation allerdings beschleunigen wollen
    sollen sie das frischgeschöpfte Geld eben nicht den Privatbanken
    zum zocken
    geben sondern den Staatseigenen, gibts ja genug.
    Die können es dann klassisch auf den Markt bringen.
    Dann klappts auch mit der Turboinflation.

  3. Bernhard sagt:

    Leider wagt keiner das wirkliche Übel anzusprechen. Gehen Sie alle einmal auf DESTATIS und lassen sich den Sättigungsgrad der Haushalte anzeigen. Erschreckend. Die Haushalte sind übervoll. Lediglich Ersatzinvestitionen werden gebraucht. Wir alle werden dick und dicker; das ist unsere Ersatzbefriedigung für Konsumausgaben eigentlich vielfältigster Art.

    Was wir eigentlich bräuchten ist eine Rückbesinnung. Was macht Sinn in unserem heutigen Leben? Was brauche ich dafür? Wahrscheinlich werden dann ganz neue Konsumfelder eröffnet.

  4. Friedel Stumpf sagt:

    Mir waere eine hoehere Rente lieber. Die Rentner haben já auch mehr Zeit, das Geld auszugeben.

  5. Gustav sagt:

    Das Gerede von der Deflation ist die neueste Erfindung von Mario Draghi (Ex Goldman Sucks), um die Anleihekäufe der bankrotten EU-Südländer durch die EZB zu rechtfertigen. Für weitere Darlehen mit niedrige Zinsen können diese Länder weiter Schulden machen. Hierfür druckt die EZB, nach Vorbild der FED, Milliarden von Papiergeld. Die Teuerungsrate (= Inflation) bei Lebensmitteln lag innerhalb eines Jahres bei etwa 10 %. Strom, Versicherungen, Wasser und viele Dinge des täglichen Bedarfs sind ebenfalls teurer geworden. Zudem gibt es für Sparguthaben nur noch minimale Zinsen. Also bitte, was soll diese Verdummung mit Deflationsgefahr?

    • Eddi sagt:

      Das Problem bei der Inflationsberechnung ist das die Energieträger, also Strom, Benzin, Heizöl usw., mit ein geringen Prozentsatz (ich glaube es sind um die 2%) habe ich mal gelesen, zur berechnung der Inflation herangezogen werden. Wenn man die volle Preissteigerung seit 2002, der einführung des Euros, berücksichtigen würde kämme eine Inflation von jährlich ca. 14% raus. Wenn man jetzt die Abwertung des Dollers (durch stehtige vermehrung der Geldmenge) berücksichtigt, ist der Euro eigendlich nicht mal mehr das Papier wert auf den man es druckt.