Über 20.000 Beschwerden: Telefon-Konzerne verzögern Anbieterwechsel

Die Telekom will ihre Kunden nicht gehen lassen und hat sich dafür von der Bundesnetzagentur eine Strafe eingefangen. Auch O2, 1&1 und Vodafone sind betroffen. Die Bundesnetzagentur hatte in einem Jahr über 20.000 Beschwerden erhalten, dass beim dem Anbieterwechsel zu Verzögerungen komme.

Die Bundesnetzagentur hat gegen drei Anbieter von Festnetz- und DSL-Anschlüssen Bußgelder verhängt, weil sie Kunden bei einem Wechsel zu lange warten ließen. 1&1, Vodafone und O2 sollen jeweils 75.000 Euro Strafe bezahlen, wie Reuters am Mittwoch von mehreren mit dem Fall vertrauten Personen erfuhr. Vodafone und O2 bestätigten die Bußgeldbescheide, 1&1 war zunächst nicht erreichbar. Gegen den Marktführer Deutsche Telekom hat die Behörde bislang keine Strafe verhängt, jedoch ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Die Anbieter hätten wiederholt ihre gesetzlichen Pflichten beim Anbieterwechsel verletzt. „Verbraucher waren so längeren Versorgungsunterbrechungen und den damit verbundenen Belastungen ausgesetzt“, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Hamann. „Dies ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren.“

Eine Sprecherin des O2-Mutterkonzerns Telefonica sagte, die Verstöße lägen ein Jahr zurück. „Wir haben in der Zwischenzeit viel unternommen, um die Prozesse zu beschleunigen.“ Ob Telefonica gegen den Bescheid Einspruch einlegt, wollte die Sprecherin nicht sagen. Ein Vodafone-Sprecher sagte, dass es sich um Einzelfälle handele. Das Unternehmen prüfe derzeit einen möglichen Einspruch.

Die Deutsche Telekom kritisierte das Verfahren der Bundesnetzagentur: „Jährlich gibt es in Deutschland mehr als drei Millionen Anbieterwechsel in Mobilfunk und Festnetz, die allermeisten laufen ohne Probleme“, erklärte ein Sprecher. Die Telekom arbeite mit ihren Wettbewerbern daran, Anbieterwechsel zu beschleunigen. „Daher können wir den Schritt der Bundesnetzagentur nicht nachvollziehen.“

Wechselt ein Verbraucher seinen Festnetz- oder DSL-Anbieter, dürfen ihn die Unternehmen laut Bundesnetzagentur nicht länger als einen Kalendertag vom Netz abhängen. Wartet ein Kunde länger, etwa weil ein Techniker nicht rechtzeitig kommt, muss ihn demnach sein alter Anbieter weiter versorgen. Von Mai 2012 bis August 2013 erhielt die Bonner Behörde nach Angaben eines Sprechers 20.000 Beschwerden, weil der Anbieterwechsel nicht reibungslos abgelaufen sei. 70 Prozent dieser Beschwerden seien auf die vier Unternehmen entfallen.

Kommentare

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  1. Friedel Stumpf sagt:

    Nachdem ich letztes Jahr zu 1&1 gewechselt habe hat die Telekom versucht mich umzustimmen und mir ein besseres Angebot gemacht. Warum war dies im Vorfeld nicht moeglich? Da ich jedoch auch meinen Stolz habe bin ich bei meiner Meinung geblieben. Zum Wechseldatum wurde ich dann von der Telekom einfach abgelemmt und musste erst ueber das Telefon meines Nachbarn die Stoerungsstelle informieren. Das bewirkt, dass es sich herumspricht, dass ein Anbieterwechsel immer Schwierigkeiten macht. So sollen die Kunden vom Wechsel abgehalten werden.

  2. Bl sagt:

    Durch meinen Umzug bedingt, brauchte ich einen neuen Anschluss und zunächst blieb ich bei Q2 …Monate ohne Erfolg. Ich wechselte zu Telecom,auch hier 2 Monate ohne Erfolg. Erst als sich der bay. Rundfunk eingeschaltet hat – mein Dank verfolgt sie noch heute -bekam ich nach 4 1/2 Monaten endlich einen Anschluss!!!! Ich glaube leider ist dies immer wieder „normale“ Wartezeit! Und man wird am Telefon bei Nachfragen nur bei ständig wechselnden Verbindungen vertröstet und belogen oder weitergeleitet ohne Erfolg!

  3. papperlapapp sagt:

    Das geht denen am A vorbei.
    Die Sanktionen müssten die Höhe der Umsätze erreichen, die diese Konzerne im Jahr davor mit jedem dieser Kunden gemacht haben.
    Das würde weh tun und zum Nachdenken anregen.