IAB-Studie: Junge Arbeitnehmer wechseln häufiger den Job

Die Dauer von Beschäftigungsverhältnissen junger Arbeitnehmer ist um 22 Prozent zurückgegangen. Angestellte bis 30 Jahren hält es im Schnitt nur noch 652 Tage bei einem Arbeitgeber. Befristete Arbeitsstellen und Flexibilität sind die Gründe für den häufigen Jobwechsel.

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Für junge Deutsche ist der Einstieg in die Arbeitswelt schwieriger geworden. Denn in den vergangenen Jahrzehnten ging die Dauer von Beschäftigungsverhältnissen der bis 30-Jährigen spürbar zurück, wie am Mittwoch aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorging.

Während die Jobs bei den Geburtsjahrgängen 1960/61 durchschnittlich 834 Tage dauerten, waren es bei den Jahrgängen 1978/79 nur 652 Tage – ein Rückgang um 22 Prozent. „Das ist ein gewisser Anlass zur Sorge“, sagte IAB-Experte Thomas Rhein der Nachrichtenagentur Reuters. Er kommt zum Fazit, dass sich „Beschäftigungsrisiken“ hin zu Jüngeren verlagerten.

„Das geht Hand in Hand mit dem Anstieg der Befristungen von Arbeitsverträgen“, sagte Rhein (mehr zur Öffnung des Arbeitsmarkte – hier). Betrachte man die Arbeitnehmer aller Altersstufen, sei die Beschäftigungsdauer dagegen im Schnitt mit rund zehn Jahren seit zwei Jahrzehnten relativ konstant geblieben, tendenziell sogar eher gewachsen. Die Experten fanden keinen Beleg dafür, dass Jüngere wegen häufigerer freiwilliger Jobwechsel insgesamt auf kürzere Beschäftigungszeiten kommen. Denn auch in diesem Fall sei die Beschäftigungsdauer gesunken.

Die Jüngeren ohne Ausbildung weisen mit Abstand die niedrigsten Beschäftigungsdauern auf. Zudem haben sich ihre Beschäftigungsdauern mit einem Rückgang von 573 Tagen auf 301 Tage deutlich stärker als bei den Höherqualifizierten verkürzt. „Das gilt genauso für durchgängige Beschäftigungsdauern, wenn also Betriebswechsel in die Analyse eingeschlossen werden“, erklären Rhein und Stüber (mehr zum Mangel an Azubis – hier).

So waren 1960 oder 1961 Geborene bis zum Alter von 30 Jahren 710 Tage durchgängig beschäftigt, wenn sie keine Ausbildung hatten. Die Jahrgänge 1978/79 waren ohne Ausbildung nur noch 408 Tage durchgängig beschäftigt. Hochschulabsolventen der gleichen Geburtsjahrgänge waren 1.620 beziehungsweise 1.556 Tage durchgängig beschäftigt und weisen damit die längsten durchgängigen Beschäftigungsdauern auf (mehr zur Akademisierung Deutschlands – hier).

Die Forscher haben damit auch die These geprüft, ob die Beschäftigungsdauern im Betrieb heute aufgrund häufigerer freiwilliger Arbeitgeberwechsel kürzer ausfallen als früher. Sie fanden dafür aber keinen Beleg. Zurückgegangen seien schließlich nicht nur die betrieblichen Beschäftigungsdauern, sondern auch die durchgängigen Beschäftigungsdauern, also die unterbrechungsfreien Gesamtbeschäftigungsdauern einschließlich der Betriebswechsel. Während die durchgängigen Beschäftigungsdauern bei den Geburtsjahrgängen Anfang der 60er Jahre noch 1.257 Tage betrugen, sank der Wert bei den Geburtsjahrgängen Ende der 70er Jahre auf 1.123 Tage.

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Kommentare

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  1. Gast(w) sagt:

    Ein Punkt wurde in der Betrachtung wohl zufällig vergessen.
    Manche Unternehmen erhalten wohl (nix genaues erfährt man nicht aus der Zeitung) eine Prämie für jede Neueinstellung. Um diese Prämie möglichst oft zu erhalten, entlässt man nach der Probezeit also nach 6 Monaten den Neueingestellten.
    Besonders lustig habe ich das bei Busfahrern beobachtet. Diese zirkulierten bei den Busunternehmen. Nach jeweils 6 Monaten wechselten sie zum nächsten Unternehmen und irgendwann kommen sie wieder beim ersten an.

  2. Ossi sagt:

    Kenne ich selber zu Genüge. Kommt nix bei raus für den Betrieb, jedes mal neu Einarbeitungsaufwand. Und 3 Monate vor Schluß fängt Kollega schon wieder an mit ausräumen und Bewerbungen einschließlich Freistellung für Arbeitsamt.
    Und dann stellt sich die Chefetage hin und fordert noch mehr befristete Stellen.
    Also hier hat die ganze Truppe die letzten drei Monate nichts gemacht außer Stellen gesucht etc. weil die ganze Etage bis zum 31.03. befristet ist.
    Bleibt alles liegen, ist doch egal, wenn wir nicht mehr da sind.
    Sollen sie sich die Rumänen&Bulgaren holen, die sind alle promoviert und superschlau, die machen das dann für die Hälfte, das will ich sehen. Aber die werden sie nicht kriegen, die die da was drauf haben sind schon übern Teich.
    Vielleicht mal ganz heilsam wenn alles den Bach runter geht.

    • Gast(w) sagt:

      „Kommt nix bei raus für den Betrieb“
      Eben aber es kommt wohl doch was raus aber nicht durch die Arbeit der Mitarbeiter. Hier könnten Zeitungen mal echt recherschieren, woher das Geld für ein Unternehmen kommt, das so fuhrwerkt.
      Es scheint mir fast, als wollte man das nicht rausbekommen.

      „Sollen sie sich die Rumänen&Bulgaren holen, die sind alle promoviert und superschlau, die machen das dann für die Hälfte, das will ich sehen.“

      Das kann ich Ihnen erzählen, wie das läuft. Vor über 25 Jahren ging das uns in einem Unternehmen ebenso. Es wurde eine große Anzahl Amerikaner eingekauft, die uns auf Vordermann bringen sollten. Sie bekamen viel mehr Gehalt als wir und waren alle sehr nett, ich hatte später auch privat Kontakt mit ihnen. Keiner sprach Deutsch, keiner konnte unsere Unterlagen lesen und als ich bei einem Umtrunk mir Mut angetrunken hatte und mich traute, denjenigen, der mir als „der weiß, wie das geht“ vorgesetzt wurde, zu fragen, was er denn bisher so gemacht hat, antwortete er bereitwillig (es hatte nichts mit dem zu tun, was wir machten) und anschließend erkundigte er sich: „Und was macht ihr so?“. Nach meinen Erklärungen sagte er: „Das ist ja echt spannend, damit hatte ich noch nie was zu tun“.