Reallöhne der Deutschen sinken erstmals seit 2009

Die Löhne steigen mit 1,3 Prozent langsamer als die Verbraucherpreise (1,5%). Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld, die schwache Konjunktur sind dafür verantwortlich. Zuletzt sanken die Reallöhne im Krisenjahr 2009.

Nach drei Jahren mit steigenden Reallöhnen haben die deutschen Arbeitnehmer 2013 erstmals wieder Kaufkraft eingebüßt. Ihre Verdienste stiegen mit 1,3 Prozent langsamer als die Verbraucherpreise mit 1,5 Prozent. Dadurch sanken die Reallöhne um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. 2012 (+0,5 Prozent), 2011 (+1,2) und 2010 (+1,5) waren sie noch gestiegen.

„Eine Ursache für den Reallohnverlust war der Rückgang der häufig erfolgsabhängigen Sonderzahlungen„, erklärte das Statistikamt. Dazu zählen beispielsweise Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Boni. Die Unternehmen dürften sich wegen der schwachen Konjunktur knausrig gezeigt haben: Mit 0,4 Prozent wuchs die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr so langsam wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Langfristig sind die Reallöhne der Deutschen niedriger als zur Jahrtausendwende (mehr hier).

Das Münchner Ifo-Institut rechnet für 2014 wegen der anziehenden Konjunktur wieder mit einem ordentlichen Anstieg. Die Reallöhne sollen dann um 1,3 Prozent zulegen, das Bruttoinlandsprodukt dürfte um 1,9 Prozent wachsen. Darauf deutet auch der erste wichtige Tarifabschluss in diesem Jahr hin: Die 550.000 Beschäftigten der Chemieindustrie bekommen 3,7 Prozent mehr Geld.

Die Tarifpartner in der Metallindustrie haben bereits angekündigt, einen neuen Tarifvertrag gemeinsam aushandeln zu wollen, indem Mitbestimmung der Mitarbeiter zum zentralen Thema wird (hier).

Die Löhne müssten viel stärker steigen. Wenn es nach der EZB geht, soll Deutschland über einen Anstieg der Löhne die Binnennachfrage stärken und für Preisstabilität in der Euro-Zone sorgen (mehr dazu – hier).

Tatsächlich ist die Zahl der Selbstständigen gestiegen, da immer mehr Menschen von nur einem Job nicht leben können und sich einen Nebenerwerb suchen (hier). Auch die Akademisierung in Deutschland führt nicht automatisch zu mehr Wohlstand in der Bevölkerung. Akademiker arbeiten häufig für niedrige Löhne (hier).

Kommentare

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  1. Buddy sagt:

    Also wenn man nach der ‚Lohnminute‘ geht, so stehen wir heute aber besser da…..

  2. WachtamRheinbeiRhöndorf sagt:

    >>Korrektur 3<<

    Man darf freilich diesen, rein informativ gehaltenen, Artikel auch wieder um den gesamtwirtschaftlichen Kaufkraftverlust (50%+) seit 1998 und die ebenso wirkenden Arbeitsmarktexzesse seit 2003 (ebenfalls €-induziert, was keine Entlastung für rot-grün bedeuten kann!) ergänzen. Dann ist jede formale, branchenspezifische Lohnsteigerung für gut 90% der AN europäistisch agitierende Makulatur.

  3. Aufgewachter sagt:

    MINDESTLOHN MÜßTE INFLATIONSBEREINIGT BEI 24,65 EURO LIEGEN

    Ein Brutto-Mindest-Lohn von 8,50 Euro wäre vielleicht im Jahr 2000 angebracht gewesen, aber doch nicht 14 Jahre später für das Jahr 2014.

    Inflationsbereinigt müsste nämlich ein Brutto-Mindestlohn von 8,50 Euro jetzt 24,65 Euro betragen.

    24,65 Euro = 8,50 Euro * 1,079 ^ 14 Jahre

    ^ steht für potenzieren

    denn die tatsächliche Inflationsrate liegt seit 1971 (Aufhebung des Goldstandards) durchschnittlich bei 7,9% pro Jahr !!! (siehe auch dazu unten den Artikel “Die Lüge von der Geldwertstabilität”)

    Mein Kommentar : Schon mal in den Einkaufswagen geschaut, wieviel man im Jahr 2000 für 100 DM bekommen hat und wieviel man heute für 100 DM (rund 50 Euro) bekommt? Liegt 2013 doch nur noch ungefähr ein Drittel der Ware im Einkaufswagen, wie im Jahr 2000, woll?

    http://aufgewachter.wordpress.com/2013/12/05/doppelter-skandal-kein-mindestlohn-fur-hartzer-mindestlohn-muste-inflationsbereinigt-bei-2465-euro-statt-850-euro-liegen/

  4. Lisette S. sagt:

    In meinem Betrieb gibt es kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Die Boni-Sonderzahlungen kamen auch noch nicht zum Zug. Immer mehr Firmen gehen aus den Werkverträgen raus. Alles wird teurer und die Lohnnebenkosten steigen kräftig, aber die Lohnerhöhungen, 1-2% alle drei Jahre, hinken hinterher. Es können sich nur noch die Arbeitnehmer glücklich schätzen, die eine sofortige Tariferhöhung nach gewerkschaftlicher Verhandlung erhalten. Das werden leider immer weniger.