Neue US-Immobilienkrise zeichnet sich ab

Banken in den USA vergeben wieder Immobilienkredite an Kunden mit einer schlechten Bonität. Das Vorgehen erinnert an die Immobilienkrise 2007. Für Ex-Fed-Chef Bernanke ist die Methode sehr willkommen, denn nur so könne sich der Immobilienmarkt erholen.

Nach und nach kommen wieder mehr Menschen mit einer schwachen Kreditwürdigkeit an Darlehen, wie Analyst Paul Miller von der Investmentbank FBR Capital Markets prognostiziert. Die Banken änderten ihr Verhalten. Potenzielle Kunden mit niedrigerer Bonität werden also nicht länger von den Finanzhäusern abgewiesen.

„Keine Bank wollte etwas mit mir zu tun haben“, erinnert sich der 63-Jährige Gary Goldberg. Er musste im vergangenen Sommer mit seiner Ehefrau und zwei Schäferhunden auf einen Campingplatz in einem weniger glamourösen Teil von Las Vegas umziehen. Kurz zuvor war sein Autoteile-Geschäft pleitegegangen und ein Häuserkredit damit unerreichbar. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr später sieht es plötzlich ganz anders aus: Goldberg zog kürzlich aus seinem 18 Quadratmeter großen Wohnmobil in ein zumindest rund 90 Quadratmeter großes Haus für 205.000 Dollar um. Möglich machte dies das Institut Premiere Mortgage Lending, das sich nicht für die Insolvenz oder Goldbergs schlechte Kreditwürdigkeit interessierte. Es zählte nur, dass er eine Anzahlung in Höhe von 30 Prozent und Zinsen von fast neun Prozent zahlt.

Neben Premiere Mortgage Lending vergibt auch die größte US-Hypothekenbank, Wells Fargo, wieder Kredite an Eigenheimbesitzer, die nur über eine schwache Bonität verfügen. Und dass, obwohl die Bank trotz milliardenschwerer Vergleiche noch nicht alle Rechtstreitigkeiten mit den halbstaatlichen Hypotheken-Finanzierern Fannie Mae und Freddie Mac aus der Finanzkrise beigelegt hat.

Bei kritischen Beobachtern weckt dieses Verhalten Erinnerungen an die Anfänge der sogenannten Subprime-Krise 2007, als ein aufgeblähter Immobilienmarkt in den USA das gesamte Bankensystem ins Wanken brachte und ihren Höhepunkt im Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers hatte. Angesichts der jüngsten Entwicklungen fragen sich viele, ob die Zeiten zurückkommen, in denen nahezu jeder Interessierte einen Kredit erhielt. Schließlich befinden sich wegen der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed riesige Geldmengen im Markt und wieder steigende Immobilienpreise animieren zu Investitionen in diesem Bereich.

In Zeiten rückläufiger Einnahmen bei Banken sucht auch Wells Fargo nach lohnenden Geschäften, versichert aber zugleich, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Der bei dem Institut für den Hypotheken-Bereich zuständige Manager betont, dass nicht alle Dämme geöffnet werden. Man vergebe nur Hypotheken, die die Anforderungen von der US-Behörde FHA erfüllten und deswegen von dieser abgesichert würden, so Franklin Codel. Da damit die Regierung im Notfall einspringe, könnten diese Kredite leichter zu Anleihen gebündelt und an Anleger weiterverkauft werden.

Gerade diese Vorgehensweise gilt als einer der Auslöser der weltweiten Finanzkrise, weil am Ende selbst den Banken nicht mehr klar war, welche Risiken in ihren Bilanzen schlummerten. Kleinere Institute, die sich auf dem Verbriefungsmarkt bereits wieder tummeln, nehmen die Immobilienkredite meist einfach in ihre Bücher auf.

Trotzdem hat sich seit 2007 einiges geändert: Die Regeln für die Kreditvergabe sind deutlich schärfer geworden. Im Gegensatz zu früher sind nun hohe Anzahlungen fällig und die Kreditnehmer müssen Nachweise über Einkommen, Arbeitsverhältnisse und Zahlungsmoral erbringen. Werden dennoch wieder mehr Kredite an bonitätsschwache Kunden vergeben, ist das aus Sicht des früheren Fed-Chefs Ben Bernanke sogar willkommen. Schließlich spiele der Immobilienmarkt bei der jüngsten Wirtschaftserholung in den USA nur eine untergeordnete Rolle. Laut Rating-Agentur Moody’s sollte vor allem die Kreditvergabe an die Erstkäufer von Immobilien erleichtert werden. Nur auf diese Art könne der Häusermarkt wieder voll auf die Beine kommen.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Zeitarbeiter(ÖD-OST) sagt:

    Es bestätigt sich immer wieder, die Zeit ist nicht linear sondern kreisförmig.

    Die Pfeilspitze trifft immer wieder ihren Ausgangspunkt.

    Der Mensch wird wohl nie aus seinen Fehlern lernen. Sehenden Auges also werden wieder Immobilien- und Hypotheken in Pakete geschnürrt, weiterverkauft und in 5 Jahren ist dann das Geschrei nach Steuerzahlergeld groß.

  2. Siegfried Bauer sagt:

    Wieder den Immobilienmarkt beleben, eine gute Idee. Und dabei werden auch ein paar % Kreditausfälle in Kauf genommen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Mit jedem Haus entstehen 2 neue Arbeitsplätze.
    Der Ausbruch der Immobilienkrise anno 2007 und die darauf folgende Finanzbetrugskrise anno 2008 wurde nicht durch ein paar % Kreditausfälle verursacht, ganz sicher nicht.

    Anno 2007 betrugen die gesamte Hypothekenschulden in den USA ca. 12 Bio. $. Und aus diesen 12 Bio. $ schufen kriminelle Investmentgangster ein „Vermögen“ von ein paar hundert Billionen $, verpackten alles in Weihnachtspakete, die mit AAA geratet und mit heißer Luft gefüllt waren und verkauften sie an die ganze Welt – vor allem aber an unsere Landesbankster. Damit wurde der Wohlstand der USA 10 Jahre lang finanziert. Die Landesbankster hatten einen kleinen Teil ihrer Weihnachtspakete an die HRE, also den Steuerzahler ausgelagert, den Großteil davon aber an Schattenbanken ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. Dort schlummert also immer noch eine Zeitbombe!
    Die Ursache für die Immobilienkrise in den USA waren also nicht die paar Kreditausfälle, die hätten das Finanzbetrugssystem ganz sicher nicht zum Einsturz gebracht, sondern die Betrügereien der Investmentgangster, die durch ihre Gier das Perpetuum-Mobile der westl. Ind.staaten zum Erliegen brachten.