Henkel investiert weiterhin in Schwellenländer

Der Konsumgüterproduzent Henkel erwartet für 2014 nur ein leichtes Wachstum der Umsätze. Konzernchef Rorsted zufolge sind die Währungsabwertungen für das Unternehmen deutlich zu spüren. Auch der Kurs der Aktie gab deutlich nach. Dennoch will Henkel weiter in die Schwellenländer investieren.

Henkel setzt weiter voll auf Wachstum in den Schwellenländern – bwohl die jüngsten Turbulenzen dort auch dem Konsumgüterkonzern Kopfzerbrechen bereiten. „Es ist nicht unser Ziel, Investments abhängig von Wechselkursen zu machen“, gab sich Henkel-Chef Kasper Rorsted am Donnerstag in Düsseldorf standhaft. Der Hersteller von Pritt und Persil hat die Währungsschwankungen 2013 schmerzhaft zu spüren bekommen – der Umsatz ging zurück.

Rorsted hatte in den vergangenen Jahren auf eine rasche Expansion des Geschäfts mit Waschpulver, Shampoo und Klebstoffen in den Schwellenländern Asiens und Südamerikas gesetzt und Henkel damit auf immer neue Rekordwerte getrieben. Außerdem konnte er so der Nachfrageschwäche in den Euroländern trotzen. Diese Strategie gilt weiter: 2016 soll Henkel bereits gut die Hälfte des Umsatzes von dann geplanten 20 Milliarden Euro in den Wachstumsmärkten einfahren. 2013 waren es 44 Prozent des Gesamtumsatzes von 16,35 Milliarden Euro.

Schäuble mahnt Schwellenländer

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Schwellenländer zu weiteren Wirtschaftsreformen aufgefordert. Die Länder müssten ihre strukturellen Reformen fortsetzen, sagte er am Freitag im Interview mit dem Fernsehsender-Sender CNBC. Die Schwellenländer müssten erst ihre Hausaufgaben machen, dann könnten sie internationale Solidarität verlangen.

In den vergangenen Wochen hat eine teils massive Kapitalflucht aus Schwellenländern wie Indien, der Türkei oder Brasilien die Finanzmärkte bewegt (mehr dazu – hier). Es wird befürchtet, dass diese Ländergruppe die Euro-Zone als globalen Krisenherd ablösen könnte.

Auch Henkels Konkurrenz hat es schwer

Nicht nur Henkel macht zu schaffen, dass nun massiv Kapital aus den Schwellenländern abfließt. Viele Währungen wie der argentinische Peso, die türkische Lira oder der russische Rubel verlieren gegenüber Euro und Dollar deutlich an Wert. Branchenprimus Procter & Gamble (P&G) hatte dies bereits zu spüren bekommen und musste als einer der ersten Großkonzerne sogar seine Geschäftsziele kappen. Beim Konkurrenten Beiersdorf stiegen die Umsätze 2013 wegen des starken Euro zudem weniger stark an als erwartet – bei Umsätzen aus Ländern mit einer schwachen Währung bleibt nach der Umrechnung in Euro weniger hängen.

Rorsted will den Schwellenländern trotzdem treu bleiben: Es dauere zwei bis drei Jahre, eine Fabrik zu bauen, berichtete er. Und genau das tue Henkel derzeit in der Türkei – und der Konzern errichte auch eine Produktionsstätte in Russland. Henkel denke langfristig: „Sonst könnten wir jedes Jahr eine Tochtergesellschaft öffnen oder schließen.“ Und der Konzern will viel mehr investieren: Allein 2013 seien künftige Investitionen von rund 700 Millionen Euro genehmigt worden, sagte Finanzchef Carsten Knobel.

Rückenwind für seine Ziele erwartet Rorsted vorerst nicht. 2014 werde die Gewinnmarge nur geringfügig steigen, sagte er voraus. „Insbesondere der Einfluss negativer Wechselkurseffekte wird vor allem im ersten Halbjahr weiter spürbar sein.“ Henkel erwartet im laufenden Jahr die bereinigte Ebit-Marge bei etwa 15,5 Prozent – 2013 stieg die Marge auf 15,4 Prozent. Die Nachrichten kamen an der Börse nicht gut an: Die Henkel-Aktie stürzten um über fünf Prozent ab und bildeten damit das Dax-Schlusslicht.

Rorsted hat auch die Kosten des Waschmittel-Herstellers gedrückt – die Gewinne stiegen dadurch, 2013 schoss der bereinigte betriebliche Gewinn (Ebit) um acht Prozent auf 2,34 Milliarden Euro hoch, der Überschuss nach Anteilen Dritter kletterte auf 1,6 (1,5) Milliarden Euro. Zudem ist Henkel schuldenfrei und hat netto 959 Millionen Euro auf der hohen Kante. Die Aktionäre sollen künftig ein größeres Stück vom Gewinnkuchen abbekommen, hatte der Konzern bereits angekündigt. Schon für 2013 gibt es eine höhere Dividende. Pro Vorzugsaktie sollen die Anteilseigner 1,22 Euro kassieren, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem ist Henkel auf der Suche nach Übernahmemöglichkeiten – rund 4,5 Milliarden Euro könne Henkel für Zukäufe aufwenden, sagte Knobel.

Rorsted, der im April 2008 auf den Chefposten vorgerückt war, hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren auf Profit getrimmt. 2009 beschäftigte Henkel noch mehr als 51.000 Menschen, Ende Dezember 2013 waren es noch etwa 46.800 – und Henkel will die Zahl der Beschäftigten bis 2016 trotz des angepeilten Umsatzuwachses stabil halten. Rorsted hatte zudem den Marken-Dschungel gelichtet, er versucht, Henkel auf zehn Hauptmarken zu konzentrieren. Mit diesen macht Henkel nun schon rund 57 Prozent des Umsatzes. Persil sei etwa in mehr als 50 Ländern bekannt, „man kann nicht mehr sagen, es ist eine deutsche Marke“.

 

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