USA: Schwellenländer sollen ihre Finanzen selbst in den Griff kriegen

Die Schwellenländer seien selbst für Probleme verantwortlich und müssen Strukturreformen umsetzen, fordern die Industriestaaten. Allen voran die USA – die selbst ihre Schulden nicht in den Griff kriegen – fordern die Schwellenländern dazu auf, für „finanzpolitischer Ordnung“ sorgen.

Die Industriestaaten sind nach eigener Ansicht nicht für die wirtschaftlichen Probleme der Schwellenländer verantwortlich. Vor Beginn des G20-Treffens in Sydney forderten US-Finanzminister Jack Lew und sein deutscher Amtskollege Wolfgang Schäuble am Freitag aufstrebende Länder wie Brasilien oder Indien dazu auf, mit eigenen Reformen ihre Wachstums- und Strukturprobleme zu bekämpfen. Einige beklagen sich über den eingeleiteten Kurswechsel der US-Notenbank Fed, der dazu führt, dass bei ihnen Investoren Kapital abziehen und es zu Währungsturbulenzen kommt (mehr hier).

Lew und der australische Gastgeber Joe Hockey forderten darüber hinaus, beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer über Wege zu einem stärkeren Wachstum zu reden. Unterstützung erhielten sie dabei von der Industriestaaten-Organisation OECD. Diese warnte vor eine neuen Ära schwachen Wirtschaftswachstums mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit. Daher sei mehr Reformeifer nötig, um die Produktivität zu erhöhen, Handelsschranken abzubauen und letztlich das Wachstum anzutreiben, erklärte die OECD in Sydney.

Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am Samstag und Sonntag stehen insgesamt drei Themen im Vordergrund: die Probleme einiger Schwellenländer, eine Strategie für mehr Wachstum und Beschäftigung sowie Fortschritte im Kampf gegen Steuerbetrug und Steuerschlupflöcher (mehr hier).

USA rufen zu mehr Ordnung auf

„Die Schwellenländer müssen selbst Schritte ergreifen, um ihr Haus finanzpolitisch in Ordnung und Strukturreformen auf den Weg zu bringen“, sagte Lew. Ähnliche Töne schlug Schäuble in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC an: „Wir sehen derzeit Probleme in einigen Schwellenländern – und das wird das wichtigste Thema bei diesem Treffen sein“ (mehr zum Investitionsklima in den Schwellenländern – hier).

Dabei haben die USA einen eigenen Schuldenberg zu bewältigen, der das politische System im Budget-Streit zeitweise lahm gelegt hat. China hatte im Oktober die USA zum Handeln aufgefordert (hier).

Teilweise gebe es einen Zusammenhang zur US-Geldpolitik, die derzeit Schritt für Schritt gestrafft wird, nachdem sie jahrelang sehr locker war, um die Konjunktur in und nach der Finanzkrise zu unterstützen. Durch den Fed-Kurswechsel werden Anlagen in den USA wieder attraktiver, weswegen viele Investoren Milliarden umschichten. Schwellenländer leiden unter dieser Situation. Sie haben sich mit teils kräftigen Zinserhöhungen (mehr hier) gegen den Währungsverfall gestemmt, was aber wiederum das Wachstum abwürgt. Schäuble erneuerte seine Kritik, dass die expansive Geldpolitik in weiten Teilen der Welt als Vorwand genutzt wurde, bei Reformen zurückzustecken.

Auch Japans Finanzminister Taro Aso wies die Kritik von Staaten wie Indien an der amerikanischen Notenbank zurück. Das langsame Umsteuern sei angesichts der wieder an Kraft gewinnenden US-Wirtschaft durchaus angezeigt. „Es ist nun wichtig für die Schwellenländer, die eingetretenen Fehlentwicklungen mit eigenen Mitteln zu korrigieren“, sagte er in Tokio. Südkoreas Finanzminister Hyun Oh Seok forderte die Fed und andere wichtige Notenbanken auf, ihre Geldpolitik so zu gestalten, dass sie für andere Länder keine unangenehmen Überraschungen bringen.

Wie ein stärkeres und ausgewogeneres Wachstum erreicht werden kann, dürfte für Streit zwischen den Industrieländern sorgen. US-Finanzminister Lew forderte China, Japan, aber auch die Europäer auf, mehr für ihre Binnen-Nachfrage zu tun und damit der Weltwirtschaft anzuheizen.

Die USA und Australien wollen zudem erreichen, dass die G20 ein konkretes Wachstumsziel für die Weltwirtschaft vorgeben. Medienberichten zufolge ist von mindestens zwei Prozent die Rede. Deutschland hatte eine solche Vorgehensweise im Vorfeld abgelehnt. Für die Bundesregierung ist das ein planwirtschaftlicher, nicht mehr zeitgemäßer Ansatz, wie ein Regierungsvertreter gesagt hatte. Dagegen hält die IWF-Chefin Christine Lagarde den Vorschlag für „eine gute Idee“. Auch der britische Finanzminister George Osborne sieht eine „gute Sache“.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Da werden doch seit satten 20 Jahren immer die gleichen Rezepte und Empfehlungen zum besten gegeben.
    Wie wäre es denn mal mit Hinterfragen?
    Warum will es denn nicht funktionieren mit den Rezepten?
    Sind die ,,Macher,, einfach zu Blöd, oder was ???

  2. ios sagt:

    wer so gegen die USA ausgeteilt hat wie Schwellenländer vor einiger Zeit der soll sich jetzt nicht beklagen dass USA sich nur um sich kümmern.
    Übrigens,noch vor einiger Zeit forderten Brasilien & Co von Merkel eine genauso expansive Geldpolitik zu führen wie die USA während Eurokrise statt auf Sparen und Reformen zu setzen.Heute zeigt sich,Schwellenländer hätten auf Merkel hören sollen

  3. Aufgewachter sagt:

    Erst die Welt abhängig mit dem Schuldgeld machen und dann behaupten, zieht Euch am Schopfe selber raus. Wieder Märchenstunde mit Baron Münchhausen, was?

    „Nicht nur ein Mord ist wegen des Systems begangen worden. Wir sind erschüttert. Aber wer möchte so plötzlich und unvorbereitet Gott begegnen? Mord ist etwas unbegreifliches. Wie kann ein System so grausam sein, so weit von Gott weggehen, daß es seinen Mitmenschen das Leben raubt? Beten wir für seine Opfer, aber denken wir auch an den Erfinder des Systems. Nicht nur vor Furcht, nein auch voll Mitleid. Er ist verlassen von Gott, verlassen von den Menschen und ohne Hoffnung verloren. Beten wir, daß man den Erfinder findet, um das unmenschliche System abzustellen, das wir wieder aufatmen können und er auch. Amen!“

    Zitat von “Pater Brown” gespielt von Heinz Rühmann, Adaptierung durch Aufgewachter
    http://aufgewachter.wordpress.com/2014/02/21/zitat-pater-brown/

  4. Tacheles sagt:

    Bin ganz der selben Meinung: Das Schwellenland USA soll seine Finanzen
    selber in den Griff kriegen.