VW will Scania für 7,6 Milliarden Euro komplett übernehmen

VW lässt sich Komplettübernahme von Scania 6,7 Mrd Euro kosten. Der Konzern muss für die Übernahme das Kapital erhöhen. Ex-Daimler-Mann Renschler wird 2015 Lkw-Boss von Volkswagen.

Volkswagen nimmt 6,7 Milliarden Euro in die Hand, um seine widerspenstige Tochter Scania unter Kontrolle zu bekommen. Für umgerechnet 22,26 Euro je Anteilsschein will Europas größter Autobauer in einem ersten Schritt mindestens 90 Prozent der Scania-Aktien einsammeln. Danach sollen die verbliebenen Anteilseigner aus dem schwedischen Traditionskonzern gedrängt und Scania von der Börse in Stockholm genommen werden, wie VW am Freitag ankündigte. Finanziert werden soll das Ganze aus Barmitteln, einer Kapitalerhöhung im Volumen von zwei Milliarden Euro sowie durch Hybridkapital.

Mit der Übernahmeofferte strebe Volkswagen eine klare Aktionärsstruktur bei Scania an, sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Dies sei ein bedeutender Schritt, um die Vorteile, die der integrierte Nutzfahrzeugkonzern von MAN und Scania biete, vollständig zu realisieren. Bislang haben die Minderheitsaktionäre bei Scania ein wichtiges Wort mitzureden, da VW und MAN zusammen erst 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte an Scania halten. Bei MAN hat VW durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag bereits die volle Kontrolle (mehr zur LKW-Sparte von VW – hier).

Vorantreiben soll die Allianz der frühere Daimler -Manager Andreas Renschler, der im Februar 2015 an die Spitze des Lkw-Geschäfts rücken wird. Der langjährige Lkw-Boss von Daimler löst dann Leif Östling ab, der die Lkw-Sparte von Volkswagen seit Herbst 2012 leitet. Dem 68-jährigen ehemaligen Scania-Chef war es nicht gelungen, die Widerstände der auf Eigenständigkeit bedachten beiden Töchter zu überbrücken.

Im Durchschnitt erwarten die Niedersachsen durch die engere Zusammenarbeit der Lkw-Töchter ein langfristiges zusätzliches Synergiepotenzial von mindestens 650 Millionen Euro beim operativen Ergebnis pro Jahr. Angesichts der langen Produktlebenszyklen im Nutzfahrzeuggeschäft werde es jedoch zehn bis 15 Jahre dauern, bis dieses Potenzial voll ausgeschöpft sein werde, erklärten die Wolfsburger. Die genannte Summe komme zu den bis Ende 2014 angekündigten Kostenvorteilen von 200 Millionen Euro hinzu. Damit kommt Volkswagen den anfangs von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech in den Raum gestellten Kostenvorteilen von einer Milliarde Euro etwas näher.

Bisher beschränken sich die Kostenvorteile in der Lkw-Allianz auf den gemeinsamen Einkauf von Materialien wie Stahl und Glas. Die Entwicklung von gemeinsamen Fahrzeugkomponenten stockt indes, weil VW seine Beteiligung an Scania bisher „auf Augenhöhe“ führen muss. Das heißt: Bei Geschäften muss VW darauf achten, dass die anderen Anteilseigner nicht durch die Zusammenarbeit mit MAN geschädigt werden. An den Einsatz von gleichen Bauteilen vergleichbar mit dem Baukastensystem, das VW derzeit im Pkw-Bau einführt, ist bei Lkw erst in mehreren Jahren zu denken.

Während es in der Zusammenarbeit im Lkw-Geschäft bisher hakt, schlug sich Volkswagen bei Pkw gut. Anders als direkte Konkurrenten wie Peugeot, Renault oder Fiat, die nur dank rigider Einschnitte oder mit Hilfe von Partnern überleben, umkurvte der Zwölf-Marken-Konzern aus Wolfsburg die Schlaglöcher, in denen Massenhersteller sonst aus der Spur kommen. Europas größter Autobauer steigerte den Betriebsgewinn im abgelaufenen Jahr leicht auf knapp 11,7 (Vorjahr 11,5) Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 197 Milliarden Euro, das entspricht fast der Wirtschaftskraft von Israel.

Der Überschuss brach jedoch um mehr als die Hälfte auf 9,1 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr hatten Sondereffekte im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme die Bilanz aufgebläht. Den Aktionären und der Belegschaft winken dennoch höhere Beteiligungen. Die Dividende für 2013 soll um je 50 Cent auf vier Euro je Stamm- und 4,06 Euro je Vorzugsaktie erhöht werden. Den Anteilseignern war mittelfristig eine höhere Ausschüttungsquote versprochen worden.

Für das laufende Jahr nimmt sich das Management einen weiteren Anstieg des Betriebsgewinns vor. Finanzchef Hans Dieter Pötsch machte dies in einer Telefonkonferenz jedoch davon abhängig, dass sich die Konjunktur in Europa weiter aufhellt. Im Kerngeschäft peilt VW eine operative Rendite in einer Spanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent an. Dies würde einem mittleren Zielwert von 11,8 Milliarden Euro entsprechen, schätzt Arndt Ellinghorst vom Londoner Analysehaus International Strategy & Investment. 2013 belief sich die Marge auf 5,9 Prozent. Der Konzernumsatz soll sich „in einer Bandbreite von drei Prozent um den Vorjahreswert bewegen“.

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