Italiens Industrie-Produktion seit Krise um ein Viertel geschrumpft

Die Finanzkrise hat der italienischen Industrie ein Viertel ihrer Substanz genommen. Ein Ende des Abschwungs ist nicht in Sicht. Das Konsumklima ist trübe. Der neue Regierungs-Chef Renzi spricht indes von einer Revolution in der Wirtschaft.

Die Industrieproduktion in Italien ist seit Beginn der Finanzkrise vor gut fünf Jahren deutlich geschrumpft. Im November 2013 lag sie um fast ein Viertel niedriger als im April 2008 und damit noch unter dem Niveau der frühen 1990er Jahre, wie das nationale Statistikamt Istat am Mittwoch mitteilte. Trotz Anzeichen für eine Erholung in den vergangenen Monaten sei es immer noch nicht möglich, ein Ende des Abschwungs abzusehen. Während die Exporte sich seit 2008 weitgehend erholten, brach die Inlandsnachfrage als Folge der drastisch gestiegenen Arbeitslosigkeit ein.

Um das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen, hat der neue Ministerpräsident Matteo Renzi eine radikale Umgestaltung der Wirtschaftpolitik angekündigt. Er will unter anderem Bürokratie abbauen und Arbeitskosten senken. Wie dies konkret geschehen soll, hat er bislang aber noch nicht gesagt.

Konsumklima trübt sich ein

Die Kauflaune der Italiener hat sich im Februar überraschend eingetrübt. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel um 0,5 auf 97,5 Punkte, wie das Statistikamt Istat am Dienstag in Rom mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 98,5 Zähler gerechnet. Die Verbraucher äußerten sich in der Umfrage pessimistischer als zuvor zu ihren Einkommensaussichten.

Grund dafür ist die Arbeitslosigkeit, die so hoch ist wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Die Italiener halten deshalb ihr Geld zusammen: Der Einzelhandel nahm im vergangenen Jahr 2,1 Prozent weniger ein. Das war der stärkste Rückgang seit 23 Jahren.

Matteo Renzi hat am Dienstagabend von der Abgeordnetenkammer das Vertrauen ausgesprochen bekommen. In seiner Rede an die Bürger Italiens spricht Renzi von einer „Revolution“ in der Wirtschaft:

„Italien wird immer für eine Überraschung gut sein. Es wird nur dann keine Wunder mehr geben, wenn wir uns hängen lassen. Wenn wir glauben, dass wir es nicht mehr schaffen können. Wenn wir so tun, als wären wir müde und resigniert. Wir sind heute hier, trotz des Windes, der uns entgegenschlägt. Aber wir müssen auch die Herausforderung des Risikos auf uns nehmen. Auch wenn es sehr schwer ist. Aber die schönste Seite der Geschichte muss noch geschrieben werden. Und es liegt an uns allen. Viel Glück.“

Der 39-Jährige ehemalige Bürgermeister von Florenz und Sozialdemokrat blieb in seiner 50-minütigen Rede vage. Renzi hatte seinen Parteikollegen Enrico Letta von der Spitze der Regierung gedrängt und ihm mangelnden Reformeifer vorgeworfen. Italiens Wirtschaft ist in den vergangenen 15 Jahren kaum gewachsen.

 

Kommentare

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  1. Gustav sagt:

    Volksmund sagt: „A grosse Gosch ond nix dahinter“! Italien würde am besten wirtschaften ohne eine Regierung. Die Italiener sind übersteigerte Machos und Individualisten, die sich ohnehin nicht an irgendwelche Regeln halten, nur an ihre eigenen. Schon gar nicht an die Regeln einer, wo auch immer stehenden, Regierung.

  2. Ulli Schaller sagt:

    Renzi :
    “Italien wird immer für eine Überraschung gut sein. Es wird nur dann keine Wunder mehr geben, wenn wir uns hängen lassen. Wenn wir glauben, dass wir es nicht mehr schaffen können. Wenn wir so tun, als wären wir müde und resigniert. Wir sind heute hier, trotz des Windes, der uns entgegenschlägt. Aber wir müssen auch die Herausforderung des Risikos auf uns nehmen. Auch wenn es sehr schwer ist. Aber die schönste Seite der Geschichte muss noch geschrieben werden. Und es liegt an uns allen. Viel Glück.”

    Ein super Programm, womit man eine Revolution entfachen kann.

    Viel Glück !!

  3. Siggy sagt:

    Schon Honecker wusste: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Realitäten einer vollkommen verkorksten Geldpolitik können diese Groß(logen)vordenkerkreise leider nicht erkennen. Was wären sie ohne ihrer Sprüche?

  4. Bellissima Italia sagt:

    Der nächste Sozialist ohne Rezept.
    Die italienischen arbeitslosen Jungen werden diesen Schwätzern in Kürze Dampf unter dem Frack machen.
    Et cetero censeo, stupor esse delendam.