Kreditvergabe in der Euro-Zone geht zurück

Trotz extrem niedriger Zinsen der EZB verleihen die Banken weniger Geld an die Realwirtschaft. Das hemmt die Wirtschaft und hindert die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Preise sinken weiter. Von einer Deflation will die EZB jedoch nicht sprechen.

Die Bank-Kredite sind in der Euro-Zone zu Jahresbeginn spärlicher geflossen. Insgesamt wurden im Januar 2,2 Prozent weniger Darlehen vergeben als im Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Experten hatten mit einem Rückgang um 2,1 Prozent gerechnet. Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag bei 1,2 Prozent.

Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (November bis Januar) erhöhte sich M3 ebenfalls um 1,2 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert eine potenzielle Inflationsgefahr.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny erwartet jedoch für die kommenden Jahre einen geringen Preisauftrieb in der Eurozone. „Insgesamt sehen wir uns möglicherweise noch bis 2016 weiterhin mit Inflationswerten von deutlich unter zwei Prozent konfrontiert“, sagte der österreichische Notenbankgouverneur in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview mit dem Wirtschaftsblatt. Dies sei unter der von der Europäischen Zentralbank (EZB) selbst gesetzten Richtmarke von knapp unter zwei Prozent. „Damit befinden wir uns zwar in einem Niedrigpreisumfeld, aber sicher nicht in einer Deflation„, sagte Nowotny.

Die EZB wird kommende Woche zu ihrer nächsten Ratssitzung zusammenkommen und bei ihrem Zinsentscheid neue Prognosen zur Inflation berücksichtigen. Zuletzt hatte die Zentralbank ihren Leitzins bei dem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen (mehr hier). Sie hält sich aber eine Senkung offen, falls sich mittelfristig ein zu schwacher Preisauftrieb abzeichnen sollte.

Die niedrige Inflation hat Befürchtungen ausgelöst, die Preise könnten bald auf breiter Front fallen. Eine solche Deflationsspirale aus sinkenden Preisen und Konsumzurückhaltung kann eine Wirtschaft lähmen (hier). Abschreckendes Beispiel war viele Jahre lang Japan. Im Januar lag die Inflation in der Euro-Zone bei 0,8 Prozent.

Kommentare

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  1. wolfgang sagt:

    Warum sollte ein Unternehmer Kredit aufnehmen? Es doch nichts zu verdienen. Diesen Zusammenhang nennt man Deflation.

    Die Banken trifft daran keine Schuld. Es ist vielmehr die Folge der geringen Einkommenssteigerung der Massen und die Abwälzung der Risiken auf die Massen.