Österreichs Mittelstand beklagt zu hohe Lohnkosten

Die Geschäftslage Österreich hat sich deutlich verbessert, dennoch ist jeder dritte Mittelständler in Österreich nur mäßig zufrieden mit der Geschäftssituation. 92 Prozent beklagen zu hohe Lohnkosten. Probleme gibt es auch in der Lehrlingsausbildung. Der Mittelstand wünscht sich eine Bildungsreform, der Rückhalt der Unternehmer zur Standortpolitik nimmt ab.

Eine Senkung der Lohnnebenkosten ist die wichtigste Maßnahme zur Förderung des Mittelstands: 92 Prozent der befragten Unternehmen nennen dies einer Umfrage von Ernst & Young (EY) zufolge als Top-Priorität. 87 Prozent wünschen sich Bürokratieabbau und Steuerentlastungen. Die Politik sollte nach Ansicht der Mehrheit der Mittelständler (63 %) in diesem Jahr eine Bildungsreform in Angriff nehmen.

Aber auch in Hinblick auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich ist die Politik gefordert: Die Zustimmung zur bundesweiten Standortpolitik ist gegenüber dem Vorjahr von 80 auf 60 Prozent gesunken.

Sorgen bereitet den Mittelständlern im Moment vor allem die Lehrlingssituation. Der heimische Mittelstand ist die Basis für die Lehrlingsausbildung in Österreich. „Ein gravierendes Problem ist jedoch, dass viele Anwärter auf Lehrstellen die Mindestanforderungen in punkto Allgemeinbildung oder Pflichtschulabschluss nicht erfüllen“, sagte Erich Lehner, verantwortlicher Partner für die Agenda Mittelstand bei EY Österreich. Drei von vier Betrieben bilden Nachwuchskräfte aus. „Die Bildung der Lehrlingsanwärter muss auf ein einheitliches Niveau gebracht werden. Nur so kann der Mittelstand seiner wichtigen Rolle als Lehrmeister auch in Zukunft nachkommen und gute Fachkräfte für unsere Wirtschaft ausbilden“, so Lehner.

Erstmals seit Jahresbeginn 2012 ist der Anteil der Unternehmen, die mit ihrer Geschäftslage zufrieden sind, wieder gestiegen. Gut jeder zweite Mittelständler (53 %) bewertet die eigene Situation derzeit als gut – im August 2013 zeigten sich lediglich 41 Prozent genauso zufrieden. 34 Prozent geben aber an, nur mäßig zufrieden zu sein. Jeder zehnte Betrieb ist unzufrieden.

Über die Hälfte (56 %) der befragten Unternehmer rechnet für 2014 mit steigenden Umsätzen. Zudem wollen die Unternehmen ihre Investitionen steigern und ihre Belegschaften aufstocken, berichtet EY. Erstmals seit zwei Jahren ist der Anteil der Unternehmen, die mehr in neue Maschinen, Fabriken oder Bürogebäude investieren wollen, wieder gestiegen – von 18 Prozent im August 2013 auf aktuell 25 Prozent. „Besonders im vergangenen Jahr haben viele Unternehmen mit einem strikten Sparkurs auf die schwache Nachfrage und sinkende Margen reagiert – alle Ausgaben kamen auf den Prüfstand, teure Investitionen und Expansionspläne wurden erst einmal auf Eis gelegt“, so Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich.

Mehr als jeder dritte Mittelständler (38 %) rechnet mit einer Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftslage in Österreich – nur 14 Prozent erwarten einen Konjunkturabschwung. Ähnlich zuversichtlich waren die Unternehmen zuletzt im Juli 2011. „Österreichs Mittelständler können in diesem Jahr voraussichtlich zum einen von der soliden Binnennachfrage profitieren, vor allem aber von der steigenden Zahl von Aufträgen aus dem Ausland“, stellt Lehner fest.

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung sieht das etwas skeptischer. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibe angespannt: Zwar nehme die Beschäftigung weiter zu, jedoch „reicht der Zuwachs von 0,8 % p. a. nicht aus, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Bis 2015 dürfte sich die Arbeitslosenquote auf 7,9 % erhöhen“, heißt es in einer Mitteilung. Das WIFO erwartet bis 2018 ein durchschnittliches Wachstum der Wirtschaft von 1,8 Prozent, die EU-Kommission erwartet für Österreich 2014 lediglich 1,5 Prozent. „Die Verlangsamung gegenüber dem Jahrzehnt vor der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ist auf die unverändert verhaltene Entwicklung des privaten Konsums, die gedämpfte Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die Maßnahmen zur Eindämmung der öffentlichen Verschuldung zurückzuführen“, schreibt das Institut.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hat daher angekündigt, die Senkung der Lohnnebenkosten angehen zu wollen, damit die „Unternehmen um insgesamt 200 Millionen Euro entlastet“ würden. Bislang sei aber das Gegenteil eingetreten. „Ein weiteres Belastungspaket im Ausmaß von 5,5 Milliarden Euro (bis 2018) wurde beschlossen“, sagte Matthias Krenn, der RfW-Fraktionsobmann in der WKÖ, der Nachrichtenagentur apa. „Rund 1,8 Milliarden Euro müssen die kleinstrukturierten Unternehmer zusätzlich abführen. Hinzu kommt, dass nochmals 1,4 Milliarden Euro für höhere KfZ-Steuern und die NoVA zu zahlen sind. Dieses weitere Anziehen der Steuerschraube geht ins Mark“, so Krenn.

Im Bereich der Stabilität haben die Mittelständler noch Nachholbedarf. Nur vier von zehn (41 %) bezeichnen den Zustand ihres Unternehmens als sehr stabil. Die Mehrheit (58 %) der Befragten strebt für die kommenden Monate daher stabilitätsfördernde Maßnahmen an.

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