Österreichs Maschinenbau-Industrie angeschlagen

Österreichs Maschinenbauer Andritz schreibt Verluste. Zulieferer RSG musste Anfang Februar Insolvenz anmelden. Nur wenige Betriebe schaffen es, das Umsatz-Niveau vor der Finanzkrise 2008 wieder zu erreichen.

Der österreichische Maschinenbauer Andritz ist im vierten Quartal vor allem wegen Problemen beim Bau eines Zellstoffwerks in Südamerika in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich sei ein Verlust von 12,2 Millionen Euro verbucht worden nach einem Gewinn von 75,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Operativ lag der Verlust (Ebita) bei 2,9 Millionen Euro nach einem Gewinn von 115,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Aktionäre sollen daher eine auf 0,50 (Vorjahr: 1,20) Euro je Aktie gesenkte Dividende bekommen.

Grund für den Ergebniseinbruch war auch ein teurer Stellenabbau beim übernommenen schwäbischen Metallpressenhersteller Schuler. Dieser streicht 350 Stellen in Deutschland und musste dafür Rückstellungen von 50 Millionen Euro bilden.

Für das laufende Jahr gibt sich Andritz aufgrund voller Auftragsbücher optimistischer. Der Auftragseingang sei im Schlussquartal um 37,9 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gestiegen. Für das Konzernergebnis 2014 werde daher eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr erwartet. Bei den Erlösen erwartet die Firma nur einen leichten Anstieg.

Anders sieht es bei dem Maschinenbau-Zulieferer RSG Präzisionsfertigungs GmbH aus. Über das Vermögen der Firma aus Golling an der Salzach ist vergangene Woche am Landesgericht Salzburg ein Konkursverfahren eröffnet worden. (Mehr zur Krise der Industrie-Betriebe in Europa – hier)

Das Unternehmen, das als Zulieferer für den Maschinenbau in den Bereichen Drehen, Schleifen und Fräsen tätig ist, hat Schulden in der Höhe von rund 5,5 Mio. Euro, informierten die Gläubigerschutzverbände AKV, KSV 1870 und Creditreform in Aussendungen.

Den Schulden stehen Aktiva in der Höhe von 2,9 Mio. Euro gegenüber. Von der Insolvenz sind 38 Dienstnehmer und rund 170 Gläubiger betroffen. Die Ursache liegt in hohen Anlaufverlusten für komplexe Zuliefergeschäfte im Brückenbau. 2013 hat sich die Lage konjunkturbedingt zugespitzt, so der KSV. Im dritten Quartal konnte die geplante Wertschöpfung nicht erreicht werden.

Umsatzrückgänge und Überschreitungen des Materialeinsatzes haben zu zusätzlichem Liquiditätsbedarf geführt. Seit Februar 2014 zeichnet sich zwar jetzt eine neue Auftragsstruktur mit reduziertem Materialeinsatz dank Serienaufträgen ab, berichtet die APA, diese Entwicklung kam jedoch zur Abwendung der Zahlungsunfähigkeit zu spät.

Es gibt aber auch positive Nachrichten aus der Branche. Wie man die Finanzkrise erfolgreich bewältigen kann, zeigt der Metallverarbeitungs-Betrieb Schatzdorfer Gerätebau GmbH. Erstmals seit fünf Jahren erreichte die Firma das Umsatzwachstum von vor der Krise 2008/2009. Firmenchefin Gertrude Schatzdorfer erwartet für das per 31. März endende Geschäftsjahr fünf Prozent Plus auf neun Millionen €. Damit ist die Firma seit 2009/10 wieder ununterbrochen gewachsen, nachdem der Umsatz in den beiden Jahren zuvor um fast die Hälfte eingebrochen war. „Wir haben massiv investiert und sind jetzt gut aufgestellt für die angesprungene Konjunktur“, sagte Schatzdorfer im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt.

Schatzdorfer hat in den vergangenen Jahren über sechs Millionen Euro investiert. Neue Laserschneidermaschinen wurden angeschafft, die Ausbildung der Mitarbeiter wurde intensiviert. Durch die Schulungen konnte so eine „noch größere Kundennähe erreicht werden“, sagte Schatzdorfer. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Laserschneiden, Schweißen und Abkanten von Metallteilen für die Haushaltsgeräte-, Maschinenbau-, Automotive-, Lebensmittel und Medizintechnikindustrie.

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