Positive Effekte bei Unternehmens-Fusionen werden überschätzt

Nicht einmal jede zweite Unternehmens-Fusion bringt dem Käufer einer Studie zufolge die erhofften Synergien. Doch diese Effekte sind für drei Viertel der Befragten das wichtigste Ziel bei einer Übernahme. Zu den größten Enttäuschungen nach Übernahmen gehören eine erhöhte Fluktuation, der Verlust wichtiger Mitarbeiter und Unzufriedenheit in der Belegschaft.

Nicht einmal jede zweite Unternehmens-Fusion bringt dem Käufer einer Studie zufolge die erhofften positiven Effekte. In einer Untersuchung von 300 Firmen-Zusammenschlüssen durch die Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsfirma PwC räumen 54 Prozent der befragten Manager ein, dass sich die erhofften Synergien nicht eingestellt haben. Dabei hatten drei Viertel Vorteile aus der Kombination der Stärken beider Partner als ein wichtiges Ziel der Übernahme genannt.

Noch ernüchternder ist das Ergebnis beim Blick auf die Finanzen. Typischerweise werden Synergien zwischen sieben und zwölf Prozent des Umsatzes des gekauften Unternehmens erwartet, wie aus der Umfrage hervorgeht, die Reuters vorliegt. Doch nur in 38 Prozent der Transaktionen rechtfertigten die letztlich erzielten Synergieeffekte nach Ansicht der Käufer den gezahlten Preisaufschlag. In 58 Prozent der Fälle machten zusätzliche Umsätze, Einsparungen oder Größeneffekte in der Produktion und der Entwicklung die Kosten der Übernahme nur zum Teil wett, vier Prozent erweisen sich als völliger Flop.

„Synergien werden oft genutzt, um Fusionen zu rechtfertigen“, sagt PwC-Partner Thomas Menzler, einer der Autoren der Studie, zu Reuters. Doch die Synergiepotenziale würden beim Abschluss der Transaktion oft zu hoch veranschlagt. Die Erwartungen der Firmen seien in den vergangenen Jahren seit der ersten derartigen PwC-Studie zwar realistischer geworden. „Aber an der Umsetzung der Synergien hapert es noch immer. Oft werden die falschen Stellhebel gewählt – und zu viele.“ Die Unternehmen überschätzten ihre Fähigkeiten bei der Integration der gekauften Firmen. Oft fehle auch die Kontrolle, ob sich die erhofften Effekte wirklich eingestellt haben.

Zum Teil gingen Unternehmen auch nicht weit genug. „Häufig fängt man auf der Kostenseite an – und bleibt dann dort hängen“, berichtet der PwC-Partner. Unterschätzt werde die Notwendigkeit, auch die Mitarbeiter gedanklich mitzunehmen. Dann zeigt sich die Kehrseite vieler Fusionen.

Drei der vier größten Enttäuschungen, die Manager nennen, sind eine erhöhte Fluktuation, der Verlust wichtiger Mitarbeiter und Unzufriedenheit in der Belegschaft. Übertroffen werden sie nur von unerwarteten Kostensteigerungen. Zu ehrgeizig sind viele Unternehmen der Studie zufolge auch bei der Dauer des Integrationsprozesses. Er dauere meistens rund sechs Monate länger als geplant. 13 bis 18 Monate haben sich PwC zufolge in der Umfrage als realistische Zeitspanne erwiesen.

Kommentare

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  1. yota-berlin sagt:

    Diese Studien kommen seit Jahren zu den selben Ergebnissen. Fusionen werden anscheinend nur für die Verwaltungsräte gemacht, die auf hohe Abfindungen hoffen können.

  2. Falke sagt:

    „Drei der vier größten Enttäuschungen, die Manager nennen, sind eine erhöhte Fluktuation, der Verlust wichtiger Mitarbeiter und Unzufriedenheit in der Belegschaft.“

    Das ist doch kein Wunder. Die Belegschaft wird ja einfach mitverkauft, wie das Mobiliar, und bekommt neue Chefs mit neuen Besen vorgesetzt. Es ist paradox: Alle Mitarbeiter zusammen sind eigentlich das Unternehmen, aber es gehört ihnen nicht. Verkauft werden die Aktien, sie werden einfach mitverkauft und dann nach Gutdünken entfernt.
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/10/11/die-sozial-zerstorerische-wirkung-des-aktienrechts/