Apple steuert Bordcomputer bei Daimler

Apple ist bei der Vernetzung von Automobil und Smartphone führend. Der Software-Hersteller plant neben der Kollaboration mit Daimler die Vernetzung des iPhones mit mindestens 8 weiteren Herstellern, darunter BMW, Audi und Opel. Im Wettrennen um den Automobilmarkt lässt Apples iOS Googles Android zunächst hinter sich.

„Wohin soll es gehen?“, fragt Siri, das Sprachprogramm von Apple, den Mercedes-Fahrer. „Jedenfalls nicht in den nächsten Straßengraben“, lautet vereinfacht die Antwort des Stuttgarter Autobauers. Möglichst wenig Ablenkung soll oberstes Gebot sein, wenn der iPhone-Besitzer bald sein Handy eins zu eins als Multimedia-System im Auto einsetzen kann. Als erster deutscher Premiumhersteller hat Daimler das von Apple im vergangenen Jahr angekündigte Bündnis mit mehreren Autobauern in die Tat umgesetzt und das Apple-Betriebssystem iOS in seinen eigenen Bordcomputer integriert. Der Fahrer kann damit sein iPhone mit Funktionen wie Navigation oder Telefon mit identischer Darstellung über das Bediensystem seines Wagens nutzen.

Auf der Automesse in Genf führen die Stuttgarter das in der neuen C-Klasse vor. Nutzbar sind aber nur eine Handvoll Anwendungen – aus Sicherheitsgründen. „Da das Thema Sicherheit traditionell ein Wert bei Daimler ist, sind wir restriktiver in der Auslegung“, sagt Forschungschef Herbert Kohler. Vor kurzem erst warnte der Auto Club Europa vor der wachsenden Unfallgefahr, weil die Fahrer von Handys oder Multimedia-Geräten abgelenkt werden. Damit die Autofahrer sich weiter auf die Straße konzentrieren, können sie im Mercedes über die vertraute Smartphone-Oberfläche nur Navigation, Radio, Musik und Telefon nutzen. Eintippen über das Touchscreen ist tabu, kommandiert wird über Sprachbefehl und den Drehdruckknopf in der Mittelkonsole. Sollte Apple die Funktionen ausweiten – etwa auf Facebook-Postings oder das Lesen von Emails – würde Mercedes sie nicht freischalten, erklärt Kohler.

Anschließen kann man das iPhone in das autoeigene System bei Mercedes ebenso wie bei BMW auch jetzt schon. Mit der vollen Integration sei das Bediensystem von Logik und Darstellung her jetzt aber identisch mit der Apple-Welt, sagt Thomas Merker, Leiter für Sicherheit und Telematik bei Daimler. Neu sei außerdem die Sprachfunktion. Noch in diesem Jahr werde der neue Service namens CarPlay zusätzlich zu den Funktionen des Mercedes-eigenen Systems in der C-Klasse angeboten, mit der Zeit jedoch in fast allen Modellen.

Audi will unterdessen die Regie nicht an das Smartphone abgeben, sondern setzt bei Apps und Diensten auf das eigene Angebot. „Das Auto ist der Rechner und die Zentrale für die Online-Dienste“, sagt ein Sprecher. Das Smartphone werde fürs Telefonieren mitsamt seinem Adressbuch dazugeschaltet. Die Ingolstädter sind bei der Frage, wie weit das multimediale Angebot gehen kann, nicht so streng wie Daimler. Was im Auto am Handy gemacht wird, will Audi nicht vorschreiben, auch nicht aus Sicherheitsgründen. Facebook oder Twitter ließen sich auch im Auto nutzen, wenn auch in reduzierter Form. Noch mehr Unterhaltung soll in Kooperation mit dem Android-Betriebssystem von Google angeboten werden über ein Tablet, das man beim Aussteigen mitnehmen kann. Soviel Multimedia will die VW-Tochter allerdings nur auf der Rückbank und nicht am Lenkrad zulassen.

Daimler und Apple sind mit dem nächsten Schritt beim Verschmelzen von Netz und Auto vorne dran – aber sie werden es nicht lange bleiben. „Die Konkurrenz schläft nicht, die Wettbewerber werden das auch anbieten“, sagt Daimler-Forschungschef Kohler. Apple bereitet ein solches Angebot mit mindestens acht weiteren Autoherstellern vor, darunter Nissan, Opel oder Hyundai. Letztlich muss sich wohl jeder Autobauer für die großen Smartphone-Betriebssysteme – außer iOS von Apple vor allem Googles Android – öffnen. Der Kunde erwarte die Vernetzung, sagt Kohler. Deshalb werde Daimler auch Android integrieren, sobald dies von Google angeboten werde. „Keiner will heute mehr warten und dem Kunden sagen, das dauert noch zwei Jahre.“

Die Stuttgarter wollen außerdem vom Image wegkommen, vor allem Nobelkarossen für gut betuchte ältere Semester anzubieten. Die Kundschaft soll deutlich jünger werden. Deshalb bauen sie ihr Angebot an Kompaktwagen aus. Nicht nur deren schnittiges Design, sondern auch die bequeme Nutzung des Smartphones als Bordcomputer sollen die „Digital Natives“ – lso die Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist – anlocken. Aber auch die ältere Generation dürfte sich davon angesprochen fühlen, glaubt Kohler. „Wir wissen von Studien, dass auch die jungen Alten digital sehr affin sind und Zeit haben, sich damit zu beschäftigen.“

Kommentare

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  1. TopFranke sagt:

    Schön, ein kleiner Computervirus und schon bleibt das Auto stehen. Vor einiger Zeit wurde bereits in der Praxis bewiesen, dass man die Modems der Fahrzeuge
    kapern kann. In dem Versuch wurde mittels entsprechend programmierter Fernbedienung das Auto lahm gelegt. Zukünftig geht es also noch leichter.
    Und in der KFZ Werkstatt muss ich mich wohl dann mit einem IT Fachmann unterhalten.
    Aber schön, in den Fahrzeugen wird ja zunehmend auf eine Motortemperaturanzeige verzichtet. Das merkt man sowieso dann, wenn‘ s aus dem Motorraum
    qualmt. Aber, wurscht, da kann man noch schnell im Internet darüber posten, bis der Abschlepper eintrifft …

  2. Robert sagt:

    Damit werden Daimler unverkaeuflicher, von den USA gelenkter Edelschrott – Bravo…