Krim-Konflikt: Transportwege für Öl und Gas können abreißen

Die Transportwege für Öl und Gas führen aus Russland überwiegend über die Ukraine, Weißrussland und Polen. Der Krim-Konflikt hat das Potenzial, die Rohstofflieferungen zu beeinträchtigen. Es gibt jedoch auch zahlreiche Alternativen.

Die Versorgung Deutschlands mit Erdgas und Erdöl ist der Bundesregierung zufolge trotz des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine derzeit gesichert. Es gebe keine Anzeichen für eine Störung der Lieferungen. Der milde Winter entspannt die Lage zudem. Doch die Abhängigkeit Deutschlands von Lieferungen aus Russland ist nach wie vor hoch: Mehr als ein Drittel beider Brennstoffe strömt über Pipelines aus Russland.

Gas

Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

Gastransport

Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

Gaseinsatz und -Preis

Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

Öl

Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen eine Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

Transport

Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Eine zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

Öleinsatz und -Preis

Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen, sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Kommentare

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  1. Hans E. Gollan-müller sagt:

    Der Konflikt in der Ukraine lässt sich nur durch gemeinsame Energieprojekte in der Ukraine unter Beteiligung von Russland lösen. Je enger die Partner miteinander verflochten sind desto vernünftiger werden sie agieren. Die Investitionen für Gas und Ölleitungen sollten von der EU und Russland gemeinsam vorgenommen werden.
    Auch die Sanierung bestehender Leitungsnetze sollte durch die EU massiv unterstützt werden. Hier gibt es genügend Experten in Deutschland, vor allem in den neuen Bundesländern.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Sicher Alternativen sind Theoretisch immer vorhanden. Nur eben die sind auf die schnelle nicht realisierbar. Faktisch läuft die gesamte Weltwirtschaft haarscharf am Limit.
    Die Welt hat seit dem End des 2. Weltkrieges eine ganze reihe massiver Krisen gemeistert Zb. Kubakriese. All diese Krisen hatten einen letztlich stabilisierenden Hintergrund in Vorm einer weitestgehend stabilen Weltwirtschaft mit Gesamtvolumen = Flächen- Wachstumspotential und Möglichkeiten.
    Aktuell läuft die Weltwirtschaft mühsam am Limit. Jede ernsthaftere Störung kann eine Kettenreaktion = Kybernetische Kausalkette oder Dominoeffekt einleiten.
    Die notwendigen Puffer und Reserven sind faktisch ausgeschöpft. Die wichtigsten Volkswirtschaften stehen mehr oder weniger mit dem Rücken gegen die Wand ohne Puffer und Reserven.
    Die Formel den Weltfrieden durch gegenseitige Verflechtung und Abhängigkeiten= Globalisierung zu sichern war ein Irrenrezept= Ideologieschwangere Wahnvorstellung.
    Im Verlaufe dieser Entwicklung haben teilweise Volkswirtschaften mit grossem Erfolg sich dem Autarkiezwang entzogen. Rohstoffe Energie ( vorrangig Fossile) Kapital, Produktion, Absatzmärkte, usw. Herausragendes Beispiel China. Die alles entscheidende Kernfrage wurde fahrlässig Verantwortungslos und dumm ausgeklammert.
    Der Planet Erde ist unabwendbar zur Autarkie verdammt.
    Auch die hochgejubelte Globalisierung kann und konnte klar vorhersehbar kein Ökonomie- Perpetuum- Mobile generieren.
    Freundliche Grüsse
    http://www.hans-von-atzigen.ch

  3. Marie Luise Schellen sagt:

    Ronald Reagen hat damals die UDSSR über die mit den arabischen Ölscheichs ausgehandelte massive Preissenkung zum Zusammenbruch gebracht.
    Putin würde solch eine Aktion auch nicht überleben. Ausser Gas- und Ölliefern hat er
    bisher für „sein“ Russland nichts auf die Reihe gekriegt.
    Wir können uns bei Schröder für die Abhängigkeit an einen eitlen Diktator bedanken.

    • Lesen sagt:

      Mit Verlaub:

      Sie scheinen ja eine ganz helle zu sein.
      Warten Sie den Winter ab. Nein, nicht den politischen, den wo Teile der russischen Gaslieferungen ausbleiben. Die tollen Alternativen wurden bisher nicht genutzt ?

      Warum wohl nicht ?

    • Tapete71 sagt:

      Marie Luise Schellen, wissen Sie , was Sie da schreiben. ? Befassen Sie sich doch bitte intensiv mit Der Geschichte Rußlands, bevor Sie hier etwas schreiben. Milliardenaufträge hat die Deutsche Wirtschaft von den Russen erhalten, als Präsiden Putin von Frau Merkel noch sehr freundlich im vorigem Jahr auf der Hannovermesse begrüßt wurde. Deutschland braucht Rußland, Davon profitieren Sie auch, Frau Schellen. Unseren Freunden über dem Teich paßt es glaube ich, nicht, wenn Deutschland zu sehr mit Rußland befreundet ist.

      • Marie Luise Schellen sagt:

        Putin erträgt keinerlei Kritik an seiner Führung. Er sperrt junge Frauen nach wenigen Minuten Gesang zweieinhalb Jahre ins Straflager, Erbärmlich!!!!!
        Russland ist auf den Gegenwert der Milliardenaufträge angewiesen. Putin hat uns mit Schröder geschickt in die Abhängigkeit gebracht.
        Er wird sich die Ukraine einverleiben… raten sie mal wer die nächsten sein werden. Ich möchte nicht von einem kommunistischen Regime abhängig sein. Es wird allerhöchste Zeit alternative Lieferländer für Öl und Gas zu finden.

    • peter sagt:

      so ein Kommentar kann nur ein konservertierter,Main streem Medien Mensch abgeben .