Schuldenberg bei RWE: Energie-Riese braucht mehr Kapital

Der RWE-Vorstand will das Grundkapital um 20 Prozent erhöhen. Die Ausgabe neuer Aktien könnte 3,5 Milliarden Euro bringen. RWE hat allein 2013 über 3 Milliarden Euro Verlust hinnehmen müssen. Vorstands-Chef Terium erwartet für 2014 weitere Verluste.

Der hochverschuldete Energiekonzern RWE will sich von den Aktionären die Zustimmung für eine mögliche Kapitalerhöhung einholen. Einen Vorratsbeschluss für eine Erhöhung des Grundkapitals um bis zu 20 Prozent solle die Hauptversammlung genehmigen, hieß es in der am Dienstag veröffentlichen Einladung zu dem Treffen im April. Rein rechnerisch könnte RWE durch die Ausgabe von rund 123 Millionen neuen Aktien nach dem gegenwärtigen Kurs rund 3,5 Milliarden Euro einnehmen. RWE hatte einen Vorratsbeschluss angekündigt und erklärt, konkrete Pläne für eine Kapitalerhöhung gebe es nicht. Das bisher genehmigte Kapital sei aber abgelaufen.

RWE stellt sich nach den ersten roten Zahlen in der Nachkriegsgeschichte auf düstere Zeiten ein. Bereits im vergangenen Jahr musste der Konzern Werke in Deutschland und den Niederlanden schließen (mehr dazu – hier). „Unsere Kraftwerke werden in den kommenden Jahren noch weniger verdienen, als wir befürchtet hatten“, erklärte Vorstandschef Peter Terium bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2013. Mit einem Minus von fast drei Milliarden Euro fuhr der nach E.ON zweitgrößte deutsche Versorger erstmals seit mehr als 60 Jahren einen Verlust ein. Ursache hierfür waren vor allem hohe Abschreibungen auf Kohle- und Gaskraftwerke, die wegen der Konkurrenz durch den Ökostrom schlecht ausgelastet sind (mehr zur Ökostrom-Förderung– hier). Terium forderte die Politik erneut zu Hilfen für die Anlagen auf. 2014 erwartet er noch schlechtere Ergebnisse.

Den Versorgern machen die Konkurrenz durch den Ökostrom und die gefallenen Großhandelpreise zu schaffen (mehr hier). Wegen des Vorrangs von Strom aus Wind oder Sonne müssen sie in Deutschland ihre Kohle- und Gaskraftwerke immer häufiger zurückfahren. Im vergangenen Jahr schrieb RWE auf seine Kohle- und Gaskraftwerke fast fünf Milliarden Euro ab. Der Konzern legt wie auch E.ON reihenweise Anlagen ganz oder vorübergehend still. Terium kündigte an, dass noch weitere Kraftwerke hinzukommen könnten. „Entscheidend ist, wie erfolgreich wir dabei sind, defizitäre Anlagen wieder wirtschaftlich zu machen.“ Es gebe noch einige Anlagen, die ihre Betriebskosten nicht deckten.

RWE fürchtet Gewinn-Einbruch 2014

RWE gehe auch 2014 von einem deutlichen Ergebnisrückgang aus, kündigte der Manager an, der seit 2012 den Versorger steuert. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde wohl auf 7,6 bis 8,1 Milliarden fallen, das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro sinken. Im vergangenen Geschäftsjahr waren beide Werte bereits um rund sechs Prozent geschrumpft.

Zugleich drücken RWE Gesamtschulden von über 30 Milliarden Euro. Das Management hat bereits auf einen Teil des Gehalts verzichtet (hier). Terium will unter anderem durch den Verkauf von Beteiligungen – wie der Öl- und Gasfördertochter Dea – die klammen Kassen auffüllen. Ziel sei, die Tochter in diesem Jahr zu verkaufen, sagte er. „Allerdings kommt es darauf an, welchen Preis man uns bietet.“ Für Dea haben sich nach Angaben von Insidern mehrere Interessenten in Stellung gebracht, darunter die BASF-Tochter Wintershall und der russische Investor Michail Fridmann. Die nicht bindenden Gebote beliefen sich auf 3,5 bis rund fünf Milliarden Euro.

RWE leidet allerdings nicht nur an den Folgen der Energiewende. Einige Probleme sind hausgemacht. Teriums Vorgänger Jürgen Großmann und Harry Roels setzten noch auf Kohle- und Kernkraftwerke, als der ursprüngliche Atomausstieg schon längst beschlossen was. Sie hofften, diesen umkehren zu können. 2005 hatte RWE ein milliardenschweres Programm zum Bau neuer konventioneller Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien gestartet. Diese Anlagen werfen wegen der Konkurrenz durch den Ökostrom kaum noch Gewinn ab. Eine eigene Ökostromtochter gründete der Konzern erst 2007. Ein Plan für den Ausbau eines Windparks in Großbritannien wurde hingegen verworfen (hier).

Kommentare

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  1. otto f. krammer sagt:

    Was längst fehlt, sind Überleitungen und Pumpspeicher, das kostet Geld.

  2. jaj sagt:

    dann werden sich die bosse von RWE ja bald das gehalt erhöhen können. Bei der leistung aber auch verständlich.