Krim-Konflikt gefährdet Arbeitsplätze in Deutschland

Wirtschaftsverbände warnen vor Sanktionen gegen Russland. Noch halten sich die Auswirkungen der Krise auf die Geschäfte zurück. Firmen sorgen sich um die Sicherheit der Mitarbeiter vor Ort. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht absehbar: In Deutschland sind 200.000 Arbeitsplätze am Russland-Geschäft beteiligt.

Die deutschen Unternehmen befürchten bei einer Eskalation der Krim-Krise erhebliche Einbußen für ihre Geschäfte. Der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner, warnte davor, wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland zu verhängen: „Wir müssen auch die Folgen sehen, die darin bestehen, dass womöglich Gegensanktionen erfolgen könnten, etwa im Bereich der Rohstofflieferungen“, sagte er am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir sprechen von etwa 200.000 Arbeitsplätzen in Deutschland, die am Russland-Geschäft hängen.“

Noch laufen die Geschäfte in Russland und der Ukraine weitgehend normal. So spürt Nivea-Produzent Beiersdorf noch keine Auswirkungen der Krise. „Das kann sich aber ändern, wenn der Konflikt länger dauert“, sagte Vorstandschef Stefan Heidenreich. „Wir blicken mit Sorge in die Ukraine und nach Russland“, brachte VW-Chef Martin Winterkorn die Stimmung auf den Punkt.

In Russland sind gut 6.000 deutsche Firmen tätig. Das Land ist mit einem Außenhandelsvolumen von 76,5 Milliarden Euro nach Polen Deutschlands wichtigster Handelspartner in Osteuropa. In dem Konflikt um die ukrainische Halbinsel Krim haben die USA und die EU Russland mit Sanktionen gedroht (mehr hier).

Wirtschaftliche Strafen gegen Russland seien aber mit einem hohen Risiko verbunden, betonte Ost-Ausschuss-Chef Lindner. „Insofern sind wir nach wie vor der Meinung, dass Sanktionen im Moment nicht das geeignete Mittel sind“, unterstrich er. Auch die deutschen Maschinenbauer, für die Russland der viertgrößte Exportmarkt ist, fürchten durch Sanktionen einen Rückschlag für ihre Geschäfte: „Das ist Gift für jede Konjunktur“, sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Maschinenbau-Verbands VDMA. Die russischen Rohstoffe – allen voran Öl und Gas – seien für die weltweite Industrieproduktion enorm wichtig (mehr zu den bedrohten Transportwegen der Rohstoffe – hier). Sollte es hier zu Verknappungen kommen, werde das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich an Schwung verlieren.

Sicherheit der Mitarbeiter gefährdet

Am Montag hatte bereits der Verband der Automobilindustrie (VDA) an alle Beteiligten appelliert, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen (hier). Auf dem Genfer Autosalon zog BMW-Chef Norbert Reithofer einen Vergleich mit der Finanzkrise 2008, die die Wachstumspläne der Autobauer durchkreuzt hatte, obwohl es zunächst eine reine Bankenkrise war. „Das hat sich bei mir im Kopf eingebrannt“, sagte er. „Ich stufe die Lage, wie sie jetzt auf uns zukommt, nicht so kritisch ein wie damals.“ Daimler-Chef Dieter Zetsche warnte vor voreiligen Schlüssen: Die Lage ändere sich stündlich, daher sei es nicht angebracht, über die Folgen zu spekulieren. „Wir beobachten die Situation genau“, sagte er.

Deutsche Unternehmen sorgen sich dabei nicht nur um ihre Umsätze, sondern auch um ihre Beschäftigten vor Ort. „Unser Managementteam beobachtet die Situation kontinuierlich und die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat absolute Priorität“, sagte ein Sprecher des Konsumkonzerns Henkel, der rund 1000 Mitarbeiter in der Ukraine hat. Während der Proteste in der Hauptstadt Kiew habe Henkel seine Leute an manchen Tagen angewiesen, von zu Hause zu arbeiten. „Gegenwärtig läuft unser Geschäft in unserer Zentrale in Kiew sowie in unseren Produktionsstätten in der Ukraine normal.“ Es gebe keine Lieferengpässe.

Recht konkrete Auswirkungen der Krise spürt der Handelskonzern Metro: Der Zeitplan des geplanten Börsengangs seines russischen Großhandelsgeschäft wackelt Insidern zufolge. In der momentanen Lage würde Metro mit dem Börsengang deutlich weniger als erhofft einnehmen. Die Planungen des Düsseldorfer Konzerns sehen bislang eigentlich einen Börsengang im April vor (mehr zum Einbruch der Großhandels-Umsätze – hier).

Kommentare

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  1. seit über 200 jahren sagt:

    Wer als Seemann die UdSSR- Küstenstädte zwischen Odessa und der Krim am Schwarzen Meer, Kleipeda und Leningrad an der Ostsee zu Zeiten der UdSSR mit westdeutschen Schiffen im Charterdienst für Sovjetfracht kennengelernt hat, damals in einer anderen Zeit, dabei seine Augen und Ohren auch für den westdeutschen BND „offengehalten“ hat ahnt, heute zum Zeitpunkt der aktuellen Situation in der Ukraine auf der Krim am Schwarzen Meer:
    1. Der Westen mit seinem „flat money“ trachtet danach seinen Einflussbereich auch mit Gewalt in dieser für das heutige Russland strategisch stets sehr wichtigen Region zu vergrößern. Ähnliches geschieht ganz offensichtlich in vielen anderen Bereichen der Weltkugel.
    2. Nie wird Russland, das russische Reich, der russische Bürger, die russische Regierung in heutiger Zeit dies jedoch „kampflos“ zulassen. Ob mit Recht oder Unrecht erfolgt mögen die Vielzahl der „Experten“ beurteilen.
    Ob nun unsere Ost- Bruchlotte zum „G8 Gipfel“ in Russland fährt oder auch nicht, wen wird es kratzen ? Dies ist die Meinung eines kleinen älteren ehemaligen CDU- Wählers, bis Kabul 2009, EEG, ESM usw… Was sagen die Medien, die EU, USA heute, ein paar Tage vor der Volksabstimmung auf der Krim. Sie sind schon etwas schweigsamer, scheinen sie etwa nachzudenken ?

  2. Ariovist sagt:

    Im Gleichklang aller westlichen Medien wird der Umsturz in der Ukraine mit dem damit erhofften Anschluß an die EU und Eingliederung in unsere „Werte“ begrüßt und Putin als „kriegstreibender“ Verhinderer angeprangert. Geflissentlich wird aber unterdrückt, daß auch dieser Umsturz von den USA mit 5 Milliarden Dollar unterstützt und die Scharfschützen, welche wahllos Polizisten und angeworbene „Demonstrierende“ aus Präzisionsgewehren Schweizer Provenienz erschossen haben, von dort gesteuert wurden. „Wir müssen endlich die große Bedrohung wahrnehmen, welche von unserer Nation (Anm. der USA) ausgeht, denn wir werden von einer monolithischen und ruchlosen Verschwörung weltweit angegriffen, die sich vor allem auf verdeckte Operationen stützt, um ihren Einfluß auszudehnen – sie stützt sich auf Infiltration statt Invasion, auf Unterwanderung anstatt Wahlen, auf Einschüchterung anstatt freier Wahl, auf nächtliche Guerillaangriffe anstatt auf Armeen bei Tag. Es ist ein System, das sich riesiger menschlicher und materieller Ressourcen verpflichtet hat und zu einem festen Knoten verband, zu einer hocheffizienten Maschine, die Operationen militärischer, diplomatischer, geheimdienstlicher, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Art verbindet. Ihre Vorbereitungen sind geheim, nicht veröffentlicht….“ ( Zitat aus einer der letzten Reden von J.F.Kennedy). Diese mit aller Raffinesse und Täuschung errichtete EU kann daher nur als schleichender Akt territorialer Erweiterung der USA erfaßt werden, weswegen wir auf Putin hören sollten. Rußland ist eine hochmoderne Weltmacht geworden, welche sich vor allem echten natürlichen Werten verpflichtetet fühlt und uns daher nicht nur territorial weit näher stehen sollte.

  3. Gautier Irgendwo sagt:

    Freemna im Blog ASuR meldet: Russland überlegt den Dollar aufzugeben

    http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/2014/03/russland-uberlegt-den-dollar-aufzugeben.html