VW erhöht Schlagkraft: Automodelle werden schneller erneuert

Europas größter Autobauer will künftig schneller neue Modelle entwickeln. Bei der Konzeption eines Billig-Fahrzeuges kommt es allerdings zu Problemen. Die Premiumhersteller Daimler und BMW versuchen, den Absatz in Europa zu stabilisieren. Der Absatzmarkt in Spanien und Frankreich erholt sich jedoch nur schleppend.

Die Autoindustrie muss nach den Worten von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn ihre Modelle in Zukunft wesentlich rascher erneuern. Die Industrie müsse sich schneller auf die sich rasch verändernden Kundenbedürfnisse einstellen, sagte Winterkorn am Montagabend in Genf kurz vor Beginn des Automobilsalons. „Das zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, ob die üblichen Modellzyklen von sieben bis acht Jahren nicht deutlich kürzer werden müssen“, sagte Winterkorn. Neben den Kundenwünschen, die sich immer schneller änderten, zwinge auch der Einzug des Internet die Hersteller dazu, ihre Angebote schneller zu verändern. Womöglich müsse es von einem Modell keine Nachfolger mehr geben, sondern häufiger als bisher komplett neue Konzepte und Varianten.

„Unsere Branche steht in den nächsten Jahren vor einem der größten Umbrüche seit Bestehen des Automobils“, sagte Winterkorn. Der VW-Konzern sehe sich mit seiner Vereinheitlichung der Produktion durch modulare Baukästen, bei denen baugleiche Teile für mehrere Modelle genutzt werden, gut gewappnet. Autos könnten damit viel schneller entwickelt und gebaut werden als bisher.

VW: Kostenprobleme bei geplantem Billigauto

Der geplante Bau eines Billigautos von Volkswagen gestaltet sich komplizierter als erwartet. Es werde immer schwieriger, die internen Kostenvorgaben für das Fahrzeug einzuhalten, sagte der Entwicklungsvorstand der Marke VW, Heinz-Jakob Neusser, am Dienstag auf dem Automobilsalon Genf. „Es macht keinen Sinn, ein Fahrzeug scharf zu schalten, das nicht unseren Zielen entspricht“, ergänzte er. Es werde aber weiter daran gearbeitet. Volkswagen plant einen Kleinwagen zum Preis von 6.000 bis 8.000 Euro, insbesondere für den chinesischen Markt. Seit mehr als einem Jahr arbeiten die Entwickler daran, die dazu notwendigen Kostenziele zu erfüllen. Für Massenhersteller wird es immer schwieriger, den Ansprüchen des Marktes gerecht zu werden (mehr dazu – hier).

Daimler setzt auf Südeuropa

Premiumhersteller Daimler sieht Chancen auf dem krisengeschüttelten Automarkt in Europa. „Wir erwarten eine moderate Erholung des europäischen Marktes in diesem Jahr“, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Dienstag auf dem Genfer Autosalon. „Es wird keine schnelle Erholung“, aber es gebe positive Signale aus Südeuropa. Daimler und die Rivalen in der Premiumklasse, BMW und Audi, verkaufen fast die Hälfte ihrer Fahrzeuge in Europa (mehr zum Absatzmarkt für Premium-Marken – hier). Für die Schwellenländer ging Zetsche nach wie vor von einem guten Wachstum aus, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Insgesamt rechnet Daimler weiter mit einem globalen Marktwachstum von drei Prozent in diesem Jahr.

Zu den Plänen für ein neues Werk in der Nafta-Region sagte Zetsche, dies sei gedacht für den nächsten Produktionszyklus bei Kompaktwagen, der 2018 starte. Auf die Frage, ob eine Entscheidung demnach in den nächsten zwölf Monaten fallen müsse, antwortete er: „Das klingt vernünftig.“

BMW mit wachsendem Absatz

BMW hat in den ersten beiden Monaten des Jahres erneut mehr Autos verkauft. Der weltweite Absatz des gesamten Konzerns kletterte um 6,5 Prozent, wie Vorstandschef Norbert Reithofer am Dienstag mitteilte. Im Januar legten die Verkaufszahlen um 7,8 Prozent zu. Von der Kernmarke BMW setzten die Münchner ihrem Chef zufolge in den ersten beiden Monaten neun Prozent mehr ab. Für 2014 bekräftigte Reithofer, der Konzernabsatz solle weiter steigen. „Wir streben ein Volumen von über zwei Millionen Fahrzeugen an.“ 2013 hatte der Oberklasse-Hersteller bereits 1,96 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce an Kunden übergeben. Investitionen in neue Technologien werden intensiviert (mehr hier).

Toyota bremst sich selbst aus

Toyota setzt auf eine weitere Erholung des Automarktes in Europa. Es werde allerdings nur langsam aufwärtsgehen, sagte der Europa-Chef des japanischen Autobauers, Didier Leroy, am Montag. In diesem Jahr solle der Absatz um zwei Prozent auf 865.000 Fahrzeuge gesteigert werden. Der Konzern setzte sich nach wie vor zum Ziel, 2015 eine Million Autos in Europa zu verkaufen – allerdings nur, wenn dabei Gewinn abfällt. Die Japaner zählen 56 Länder zu ihrem Europa-Geschäft, darunter Israel und Russland.

Toyota vereidigte im vergangenen Jahr seine Spitzenposition und verkaufte weltweit mehr Fahrzeuge als jeder andere Autobauer. Dennoch plagen den Konzern derzeit zwei kostspielige Rückruf-Aktionen, die den Abstand zu VW schmelzen lassen (hier).

Schlechter Absatz in Frankreich

Der Weg zur langersehnten Erholung auf Europas Automärkten verläuft holprig: In Frankreich, wo die Verkaufszahlen neben Deutschland und Großbritannien am höchsten sind, sank der Absatz im Februar um 1,4 Prozent auf 141.300 Fahrzeuge, wie der Herstellerverband CCFA mitteilte. In den vergangenen Monaten war die Zahl der Neuzulassungen fast jedes Mal gestiegen und hatte die Hoffnung auf ein Ende der seit sechs Jahren andauernden Krise in Europa genährt. Der französische Konzern Peugeot musste jüngst vom Staat gerettet werden (hier).

In Spanien, wo der Markt in der Vergangenheit drastisch geschrumpft war, legten im Februar die Verkaufszahlen dagegen zu – dank eines bereits mehrfach verlängerten staatlichen Zuschussprogramms für Autokäufer. Im Februar wurden in Spanien 68.763 Pkw neu zugelassen, das sind 17,8 Prozent mehr als vor einem Jahr (hier).

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  1. Hilde Gart sagt:

    Die Industrie müsse sich schneller auf die sich rasch verändernden Kundenbedürfnisse einstellen, sagte Winterkorn am Montagabend in Genf kurz vor Beginn des Automobilsalons.

    „Das zwingt uns dazu, darüber nachzudenken, ob die üblichen Modellzyklen von sieben bis acht Jahren nicht deutlich kürzer werden müssen”, sagte Winterkorn.

    Genau, so ein Teil, einen Golf II hatte ich so um 1990 herum. An der Karre war alles Schrott. Und genau so wird es dann wieder kommen. Den Preis zahlen die Kunden, denkt der Winterkorn. Wenn er sich da mal nicht täuscht. Diesen Preis bezahlt man nur einmal – und wechselt.