Daimler und Nissan bauen gemeinsam Kleinwagen

Um Produktionskosten zu sparen wollen Nissan und Daimler in Mexiko einen neuen Kleinwagen bauen. Daimler muss in der Elektromobil-Sparte aufholen. Nur vier Prozent der Smart-Modelle fahren elektrisch. Zudem macht wirft das Modell keinen Gewinn mehr ab.

Daimler und Nissan wollen Insidern zufolge ihre Kooperation im Bereich Kleinwagendeutlich ausbauen. Mercedes und die Nissan-Marke Infiniti planten zur Reduzierung von Kosten gemeinsame Entwicklungsarbeit sowie die Produktion von Mercedes-Wagen in einem Nissan-Werk in Mexiko, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag berichteten. Nissan solle laut einer vorläufigen Vereinbarung dort ab Ende 2017 unter anderem das kommende Mercedes SUV-Modell GLA produzieren. Der Daimler-Vorstand solle die Pläne bereits im April absegnen. Die Kooperation werde beiden Unternehmen rund ein Viertel der Kosten im Vergleich zu einem Alleingang ersparen, erklärten die Insider weiter.

Daimler hat sich in der Vergangenheit offen für eine Ausweitung der Kooperation mit der Allianz zwischen Nissan und Renault gezeigt. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat auch bereits explizit die Marke Infiniti sowie das Teilen von Fertigungskapazitäten ins Gespräch gebracht. Die beiden Konzerne wollten am Dienstag die Pläne in Mexiko nicht direkt bestätigen. Infiniti-Chef Johan de Nysschen sagte auf dem Genfer Autosalon, die Firmen hätten noch keine formelle Einigung erzielt. „Aber viel spricht für Mexiko“, erklärte er.

Elektro-Autos als Auslauf-Modell

Der Autobauer Daimler hat trotz der verschwindend geringen Nachfrage den Glauben an die Zukunft von Elektroautos nicht verloren. Als reine Stadtautos könnten sich Elektrofahrzeuge durchsetzen, sagte Smart-Chefin Annette Winkler in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch auf dem Autosalon in Genf. „Ich glaube nicht, dass der Markt kaputt ist.“ Für den Stadtflitzer Smart, der in diesem Jahr als Zwei- und Viersitzer neu aufgelegt wird, bleibe die Elektromobilität eine Riesenchance. „Aber wir brauchen einen Stimmungswandel in Richtung E-Mobilität“, forderte Winkler. So müssten Städte Vorteile wie reservierte Parkplätze für die abgasfreien Autos schaffen.

Vor drei Jahren noch hatte auf dem Genfer Autosalon Euphorie über batteriegetriebene Autos geherrscht. Doch seitdem kümmert der Markt vor sich hin. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nur knapp 6400 Elektrofahrzeuge zugelassen, was einem Marktanteil von 0,2 Prozent entspricht. Von den rund 100.000 jährlich verkauften Smarts fahren nur vier bis fünf Prozent mit Strom. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hat Elektroautos deshalb zu einem Auslaufmodell erklärt. Die Bundesregierung habe das Thema trotz des Ziels, bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben, abgehakt. Der Elektro-Golf sei den Käufern zu einem Preis von 35.000 Euro zu teuer, und Opel habe im vergangenen Jahr gerade mal 335 Ampera verkauft, erklärte Dudenhöffer (mehr zum Anspruch der Kunden an E-Fahrzeuge – hier).

Winkler erinnerte daran, dass es ein solches Wechselbad an Einschätzungen auch beim Internethandel gegeben habe. „Jeder Hype ist verdächtig“, sagte sie. Vor 20 Jahren sei deshalb der Einzelhandel zunächst tot gesagt worden, kurz darauf das Online-Shopping schon wieder zum Flopp erklärt worden. Aber jetzt habe sich im Internet ein bestimmter Anteil am Handel etabliert. „So ähnlich sage ich das voraus für die Elektromobilität“, prophezeite Winkler. Diese werde dem Stadtverkehr vorbehalten bleiben. Auf längeren Strecken setzten die Kunden dagegen auf Autos mit den anderen alternativen Antrieben Brennstoffzelle oder Plug-in-Hybrid.

Im letzten Jahr seines Modellzyklus sei der Stadtflitzer Smart weiterhin gefragt und das Interesse auf der Genfer Messe groß, sagte Winkler. Furore macht derweil der Daimler-Partner Renault. Die Franzosen stellen in Genf den neuen Twingo vor, der auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Smart aufbaut. Bunt und rund wie das Auto ist die Dekoration am Stand mit ovalen Sitzkissen und Lampen, die in wechselnden Farben auf und nieder schweben. Farbenfroh wie eine Frühlingswiese präsentiert sich auch Smart. Doch weil der Launch des neuen Modells ein historischer Moment sei, habe man den großen Auftritt bewusst nicht auf einer Messe untergehen lassen wollen, sagte Winkler. Die Weltpremiere ist für Mitte des Jahres geplant.

Die Smart-Chefin betonte, seit ihrem Antritt vor gut drei Jahren liefere der Kleinstwagen ein positives Ergebnis ab. Nach einer Schätzung von Max Warburton, Analyst von BernsteinResearch, hat der Smart Fortwo seit seiner Einführung 1997 bis 2006 rund 3,3 Milliarden Euro Verlust eingefahren. In der Anfangszeit habe es Verluste gegeben, räumte Winkler ein, die sie aber nicht beziffern könne. „Aber ich bin verflixt stolz, dass wir in den letzten drei Jahren den Absatz gehalten haben, ohne uns das mit Discounts zu erkaufen.“

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Jo sagt:

    „So müssten Städte Vorteile wie reservierte Parkplätze für die abgasfreien Autos schaffen“

    ok, welche Städte sind das?

    so das ich diese auf eine Blacklist setzen kann, wo ich nicht hinfahren werde!