Von Start-Ups lernen: Österreich braucht mehr Innovationen

Da die Politik den Reformstau nicht auflösen kann, liegt es an den Unternehmen, den Wohlstand aufrecht zu erhalten. Vor allem Start-ups sind aufgrund ihrer Risikofreude und Flexibilität oft innovativer als Großkonzerne. Die Bereitschaft zu Scheitern und eine gebündelte Entscheidungskompetenz hilft ihnen, neue Wege einzuschlagen.

Im Innovationsranking fällt Österreich immer weiter zurück. Ein Grund dafür ist schwache Reformfähigkeit der Regierung. Die Vorgaben der EU für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Steigerung der Attraktivität werden von der neuen Regierung nicht angegangen. Am innovativsten sind junge Unternehmen. Innovationen erfordern mehr Risikobereitschaft und eine starke Führung. In der politischen Landschaft herrscht jedoch Reformstau.

Die Österreicher gehen im Schnitt mit 58 Jahren in Pension. Brüssel empfiehlt eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die gestiegene Lebenserwartung. Doch das Vorhaben ist nicht in Sicht. Auch in anderen Politikbereichen, wie etwa bei der dringenden Verwaltungsreform, der Verbesserung des Gesundheits- und Bildungssystems und einer Reform des Finanzausgleichs gibt es nicht viel Bewegung, zumal es für die Umsetzung dieser Projekte keine Fristen gibt, schreibt Wolfgang Tucek in einem Kommentar im Wirtschaftsblatt.

Die Arbeitslosigkeit steigt in Österreich und in der Hauptstadt Wien. Wenn man das niedrige Pensionsalter berücksichtigt, liegt Österreich bei der Arbeitslosenquote nur im Mittelfeld der EU-Staaten. „Wenn wir warten, bis die Auswirkungen des Reformstillstands für den Standort Österreich nicht mehr zur verbergen sind, bringt der große Katzenjammer auch nichts mehr. Der Rückschlag im EU-Innovationsranking sollte als Warnung wahrgenommen werden“, so Tucek.

Regierung und Konzerne können von Start-ups noch eine Menge lernen. Start-ups machen ihnen bei der Entwicklung zukunftsweisender Innovationen großen Konzernen Konkurrenz. Die Automatisierungsspezialisten eine Umfrage von Automic befragten 60 Start-ups aus Deutschland, Großbritannien und den USA zu ihrem Erfolgsrezept.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die typische „Start-up-Mentalität“ vor allem das Zusammenspiel von Produktentwicklung, Innovationsprozessen und Unternehmenskultur beeinflussen. Auf diesem Gebiet zeigen sich bei aufstrebenden Jungunternehmen teils drastische Unterschiede zu den häufig schwerfälligen Konzernen: Start-ups sind in der Regel deutlich risikofreudiger, von einer gemeinsamen Vision angetrieben und produktfokussierter. Außerdem etablieren sie eine innovationsfördernde Unternehmenskultur und gehen schonend mit personellen und finanziellen Ressourcen um.

75 Prozent der befragten Start-ups arbeiten mit dedizierten Innovationsprozessen und -methoden, insbesondere bei der Produktentwicklung. Getreu dem Motto „Lernen durch Erfahrung“ bringen Start-ups neue Produkte schnell auf den Markt und stehen dabei im engen Austausch mit ihren Kunden. So können sie Fehler schneller korrigieren und sparen Entwicklungskosten. 72 Prozent aller Jungunternehmer sind sich sicher, dass Innovationen nur auf diesem Weg umzusetzen sind.

Start-ups gestalten Prozesse neu

Drei Viertel aller Befragten haben ihre IT-Infrastruktur weitestgehend automatisiert und damit berechenbar, nachhaltig und kosteneffizient gestaltet. In erster Linie setzen sie auf intelligentes Arbeiten statt Mehraufwand. Im Gegensatz zu Großkonzernen nutzen sie die neuesten Technologien, um die tägliche Arbeit zu vereinfachen. Dabei erleichtert es ihnen besonders der Umstand, dass sie nicht wie viele Großunternehmen fest an Dienstleister gebunden sind, sondern ihren Service-Anbieter einfach wechseln können, sobald er ihre Bedürfnisse nicht mehr erfüllt.

Kreativität und Risikofreude

Während in Großkonzernen traditionell Werte wie Berechenbarkeit, Verlässlichkeit und Kontinuität geschätzt werden, setzen Start-ups stärker auf innovationstreibende Eigenschaften wie Kreativität und Risikofreude. Überraschenderweise stehen viele junge Firmen der Konsenskultur großer Unternehmen skeptisch gegenüber. Vielmehr sprechen 90 Prozent von ihnen dem Gründer und seiner Vision maßgebliche Bedeutung zu.

Großunternehmen zu langsam

Während 70 Prozent aller befragten Start-ups ihr eigenes Unternehmen für Innovationsprozesse gut gerüstet sehen, bewerten viele die Wandelbarkeit von Großunternehmen als zu langsam. 80 Prozent glauben, dass die mangelnde Entscheidungskompetenz und zu wenig Ressourcen Innovationen in Konzernen behindern.

„Die meisten großen Konzerne wissen, dass Innovation der Treibstoff des Erfolgs ist. Doch gerade die Führungsebene hat erkannt, dass junge technologiegetriebene Unternehmen ihnen dabei ein Stück voraus sind“, sagte Stefan Zeitzen, Vizepräsident für den Bereich Sales and Services bei Automic. „Start-ups sind deutlich risikobereiter und weniger in feste Strukturen eingebunden. Damit können sie im Vergleich schneller und kreativer sein.“ Große Unternehmen könnten aber Ansätze aus der Start-up-Kultur für sich nutzen, um innovativer zu werden, so Zeitzen.

 

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