SNB: 70 Prozent der Goldreserven lagern in der Schweiz

Die Initiative zur Goldlagerung innerhalb der Landesgrenzen wurde von der SNB durch Transparenz unterlaufen. 70 Prozent lagern bereits in der Schweiz. Dennoch würde die SNB bei Annahme der Initiative enorm an Handlungsspielraum verlieren,

Bei der Einreichung einer Initiative zur Lagerung der Goldbestände in der Schweiz war den Initiatoren nicht klar, wo ein Großteil der Goldreserven lag. Die Initiative „Rettet unser Schweizer Gold“ (Goldinitiative) will erreichen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) mindestens 20 Prozent der Aktiva in Gold halten muss. Zudem sollte der Verkauf dieser 20 Prozent verboten werden. Bei Annahme dieser Initiative droht die ein großes Stück ihrer Flexibilität zu verlieren, so die Befürchtung.

Um den Befürwortern der Initiative den Rang abzulaufen, ging die SNB in die Offensive: 70 Prozent der Goldreserven lagern in der Schweiz, der Rest sei in Großbritannien und Kanada, gab die SNB bekannt.

Bei einem Ja zur Initiative müsste die SNB Gold für 63 Milliarden Franken zukaufen. Dieses Kapital könnte nicht mehr genutzt werden. Das würde die Glaubwürdigkeit der SNB stark beeinträchtigen, sagte die Finanzministerin. Die Nationalbank könnte ihren Verfassungsauftrag nicht mehr erfüllen.

Denn wenn die Bank zu jedem Preis Gold kaufen muss, um den Anteil von 20 Prozent zu erreichen, würde der Goldpreis wegen rückläufiger Nachfrage fallen. Die Nationalbank müsste in der Folge andere Aktiven abstoßen, also Währungsreserven, sagte Anita Fetz, Ständerätin des Kantons Basel-Stadt, dem Wirtschaftsblatt. Währungsreserven seien das bedeutendste Instrument einer Zentralbank.

Der Schweizer Ständerat empfiehlt deshalb die Ablehnung der Initiative. Zunächst geht die Initiative aber an den Nationalrat, bevor das Volk entscheiden darf.

Die Schweiz legte vergangene Woche zum ersten Mal seit 33 Jahren Details zu seinen Goldhandelspartnern offen. Die Eidgenössische Zollverwaltung (EVZ) deklariert, woher die Schweiz Gold importiert und wohin Gold verkauft wird. Bislang war nur die Gesamtsumme aus Import und Export genannt worden.

Fast die Hälfte der Goldexporte gehen nach Hongkong (44 Prozent). Allein im Januar waren es 85 Tonnen. Das meiste Gold für den Import bezieht die Schweiz aus Großbritannien – 119 Tonnen im Januar, so die Statistik der EVZ.

Der Goldmarkt spielt für die Schweizer eine immer wichtigere Rolle: Seit 2005 hat sich der Wert der Gold-Importe verachtfacht, während sich jener der Ausfuhren versechsfachte.

Dass die Schweiz ihre Goldhandelstatistik seit 1980 verschleiert hielt, hat vor allem politische Gründe, so Sergio Rossi, Ökonomie-Professor zu 20Minuten. Die Schweiz habe damals bedeutende Mengen an Gold aus „Problemländern“ importiert, in denen die Arbeitsrechte teilweise oder gar nicht respektiert wurden. Als Beispiele nennt Rossi Südafrika zur Zeiten der Apartheid oder den Kongo. Nur weil die Schweiz seine Goldhandelspartner offenlege, heiß das nicht, dass die Schweiz kein schmutziges Gold mehr beziehe, so Rossi.

Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) will nach eigenen Aussagen den Abbau und Handel von Gold sowohl sozial als auch nachhaltiger gestalten. Die zu diesem Zweck gegründete Swiss Better Gold Initiative (SBGI) besteht momentan allerdings aus nur einem Projekt in Peru. Jetzt wurde das erste Mal seit Start der SBGI Gold in die Schweiz geliefert – ganze 25 Kilogramm.

Wichtigster Handelspartner für die Schweiz ist China. Der massive Goldfluss nach Asien hält an. Schweizer Raffinerien fahren zusätzliche Schichten, um das Gold der westlichen Investoren für den asiatischen Markt in Münzen und kleinere Barren umzuschmelzen.

Kommentare

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  1. mohrfan sagt:

    „Denn wenn die Bank zu jedem Preis Gold kaufen muss, um den Anteil von 20 Prozent zu erreichen, würde der Goldpreis wegen rückläufiger Nachfrage fallen.“

    Interessante Logik. Ich dachte bisher immer, dass der Preis steigt, wenn jemand zu jedem Preis kaufen muss. Da kann man ja bei dem nächsten Aktiencrash in Ruhe zuschauen, wie der Wert seines Depots steigt, wenn alle verkaufen wollen;-)

  2. Ben Bernanke sagt:

    Warum wohl, liebe Finanzministerin, kaufen die schlauen Asiaten alles Gold zusammen? Na?

    LG Goldhamster