Fracking-Boom schwächt russische Außenpolitik langfristig

Mit der Ausweitung der Schiefergasförderung schwindet die Abhängigkeit der europäischen Staaten vom russischen Gas auf lange Sicht. Die Ukraine will in Fracking investieren. Das schwächt Präsident Putins Position langfristig und mindert seine Verhandlungs-Optionen bei Gaslieferungen.

Wenn der Westen über Sanktionen gegen Russland spricht, dann schwingt die Angst vor einem kalten Winter mit. Europa bezieht rund ein Viertel seines Gases aus Russland, Deutschland sogar mehr als ein Drittel. Der Griff zum Gas-Hahn gilt als Druckmittel, mit dem Präsident Wladimir Putin allzu scharfe Sanktionen abwenden könnte (mehr zu den Transportwegen der Rohstoffe in Europa – hier). Doch dieses Instrument dürfte ihm wegen des Schiefergas-Booms in den USA auf Dauer so nicht mehr zur Verfügung stehen. Mehr noch: Das Land wird ein hohes Interesse haben, Europa als Kunden zu halten.

Zwar steigt der Energiehunger vor allem in Schwellenländern wie China und Indien, doch dafür fallen die USA als Importland für Gas aus. Die hierzulande umstrittene Schiefergas-Förderung, das sogenannte Fracking, macht Amerika nicht nur unabhängig von Einfuhren, es könnte sogar als Exporteur eine bedeutende Rolle spielen (mehr zu den möglichen Auswirkungen von Fracking – hier). Dafür werden in den USA eine Reihe von Terminals an Häfen zur Gas-Verflüssigung gebaut. Dann kann der Brennstoff per Tanker weltweit transportiert werden.

„Russland hat seine Gas-Exporte lange Zeit als Waffe eingesetzt und die Menschen nach seiner Pfeife tanzen lassen. Das hat vor allem die Ukraine auch an einer kurzen Leine gehalten“, sagt ein Energie-Experte für den russischen Markt am Rande einer Gas-Konferenz in Houston im US-Bundesstaat Texas. „Aber in zehn Jahren wird das nicht mehr möglich sein – und Russland weiß das.“

Ukraine setzt auf Fracking

Zumal auch die Ukraine das Potenzial von Fracking nutzen will und sich langfristig unabhängiger von Russland macht (mehr zum Krim-Konflikt – hier).

Das erste ukrainische Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der Regierung in Kiew, dem Energiekonzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Da die Ukraine für russisches Gas lange höhere Preise zahlen musste als andere europäische Länder, gibt es zudem Pläne, Gas wieder in Richtung Ukraine zurückzupumpen. Dieses ist allerdings technisch nicht einfach, da die Pipelines darauf nicht eingerichtet sind.

Angesichts der Fracking-Konkurrenz hatte sich der russische Gasmonopolist Gazprom zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern. So wurde die Bindung an den Ölpreis gelockert und die Ostsee-Pipeline von Russland direkt nach Deutschland gebaut. Dies wiederum trug dazu bei, dass der Bau eines Flüssiggas-Terminals in Wilhelmshaven weiter aufgeschoben wurde.

Fracking könnte noch eine weitere für Russland bedenkliche Konsequenz haben: Auch die Öl-Förderung steigt in den USA mit dieser Methode rapide. Bislang besteht noch ein Verbot, Rohöl auszuführen. Die Debatte in den USA, das Export-Verbot aufzuheben, ist im vollen Gang. Und schon jetzt dämpft die US-Förderung den Preis und damit die russischen Export-Erlöse.

Kommentare

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  1. Stan sagt:

    Unsinn
    Fracking ist nur eine weitere Kreditblase aus der Küche der WalStreet, die meisten Bohrungen sind nicht rentabel, die Ergiebigkeit der Bohrungen sinkt schon nach einem Jahr meistens um 60-80%. Eine Energieunabhängigkeit der USA ist nur ein Feuchter Traum. Auch der LNG Gasexport nach Europa kann die Russen nicht gefährden, die US Preise sind nicht konkurrenzfähig, zum US Preis kommt noch der Zuschlag von cca. 6$ pro Einheit für Verflüssigung, Kühlung und Vergasung am Bestimmungsort.

  2. Gautier Irgendwo sagt:

    Wenigstens brauchen die Russen keine Angst zu haben dass das ihr Frischwasser
    ur- plötzlich zu brennen beginnt

  3. Syssiphus sagt:

    In einem Interview betonte z.B. ein Texaner,dass Fracking ohne staatliche Zuschüsse ein Verlustgeschäft wäre.Wenn das dort so läuft,wie bei uns das EEG,dann ist das ein gewaltiges Problem für die Zukunft.Unabhängigkeit zum Preis der Unwirtschaftlichkeit, ist keine Lösung des Energieproblems.