Regierung: Kunden sollen auf Bewertungs-Reserven verzichten

Die niedrigen Zinsen machen Lebensversicherern zu schaffen. Die Versicherer machen Verluste durch die vor Jahren festgeschriebenen Garantiezinsen bei Lebensversicherungen. Jetzt springt der Staat ein: Ein neues Gesetz soll die Ausschüttung der Bewertungsreserven an die Versicherten abschaffen. Dadurch entgehen den Versicherten bis 2015 insgesamt 2 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung will Versicherte für die finanziell schlecht dastehenden Versicherer in die Verantwortung ziehen. Sie sollen auf die Auszahlung der Bewertungsreserven verzichten. Ein entsprechendes Gesetz ist bereits auf dem Weg und soll Medienberichten zufolge in den nächsten Wochen stehen. Versicherte, deren Verträge in diesem Jahr auslaufen oder die diese Verträge kündigen müssten danach auf insgesamt zwei Milliarden Euro verzichten.

Die Versicherer machen unter anderem mit Lebensversicherungen ein Verlustgeschäft, da sie ihren Kunden über Jahre hinweg hohe Zinsen garantiert haben, die im derzeitigen Niedrigzinsumfeld mit neuen Produkten nicht zu erwirtschaften sind.

Der SZ zufolge wird zudem eine Senkung des Garantiezinses von 1,75 auf 1,25 Prozent ab 2015 erwogen. „Das Bundesfinanzministerium strebt eine langfristige und umfassende Stabilisierung der Lebensversicherungen an“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Michael Meister. Ziel sei ein „fairer Ausgleich“ zwischen allen Beteiligten, also den Versicherten und den Aktionären.

Nach Angaben aus der schwarz-roten Koalition ist nicht nur im Gespräch, die Beteiligung ausscheidender Versicherungskunden an den sogenannten Bewertungsreserven neu zu regeln. Im Gespräch sei etwa auch eine Begrenzung von Vermittlungsprovisionen.

Die Bundesbank war in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2013 zu dem Ergebnis gekommen, dass das Niedrigzinsumfeld die Lebensversicherer schwächt, da Neuanlagen geringere Renditen abwerfen. Ein erster Versuch der früheren Bundesregierung, die Versicherer daher bei der vorgeschriebenen hälftigen Ausschüttung ihrer Bewertungsreserven zu entlasten, war am Widerstand des von der SPD dominierten Bundesrates gescheitert.

Bewertungsreserven sind Kursgewinne der Kapitalanlagen, an denen die Versicherten beteiligt werden müssen. Bisher werden Kunden bei Kündigung oder regulärem Ablauf ihrer Police zur Hälfte an den Bewertungsreserven beteiligt. Im Fokus stehen die vorübergehenden stillen Reserven auf festverzinsliche Anlagen. Diese müssen nach geltendem Recht zum Teil an die Kunden ausgeschüttet werden.

Hoch verzinsliche Wertpapiere, die die Versicherer vor Jahren erworben haben, sind aufgrund der generell niedrigen Zinsen für die Versicherungsgesellschaften enorm wertvoll geworden. Um die Garantiezinsen gewährleisten und die Bewertungsreserven auszahlen zu können, müssen Versicherer immer mehr dieser wertvollen Finanzprodukte verkaufen.

Wenn das von der Regierung geplante Gesetz verabschiedet wird, tragen die Versicherten den Schaden, deren Verträge weiterlaufen. Denn sie müssen mit weniger Rendite und einer sinkenden Beteiligung an den Bewertungsreserven rechnen.

Damit entlässt der Staat die Versicherungsgesellschaften aus der Verantwortung und mischt sich zum Nachteil der Versicherten in dessen Angelegenheiten ein.

Kommentare

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  1. Eckstein, Volker sagt:

    Unverschämtheit! Hier wird auf dem Rücken der Schwächsten Kohle gemacht! So schlecht geht es den Versicherungen nicht!

  2. John Barr sagt:

    das ist Diebatahl auf Hohen Maß

  3. Gerhard Johannes Walter sagt:

    Ein Schelm der Böses denkt….., aber im Ernst, es wäre schon interessant, wer , wieviel und wie für so eine Gesetzesänderung abkassiert! Offensichtlich hat die Politprominenz, die unter dem Deckmäntelchen der „Demokratie“ ohne Gewissen, Anstand und Moral als Erfüllungsgehilfen der Versicherungs-Lobbyisten auftritt, jetzt jeglichen Bezug zur „normalen“ Bevölkerung verloren. Höchste Zeit aktiv zu werden und das, was einem zusteht, zu verteidigen. Wie üblich setzt man hier auf den Faktor „vergessen“ – wenn man sich da mal nicht täuscht. Interessant für mich wird es auch sein, die Reaktion der Medien einzustufen. Das wäre doch mal eine prima Gelegenheit, die so oft geäußerte „Pressefreiheit“ unter Beweis zu stellen und eine Lanze für den kleinen Mann auf der Straße zu brechen, der letztlich das derzeitige Wirtschaftswunder mit Fleiß, Verzicht und Einsatz ermöglicht hat. Kleiner Tipp an die Presse: Berichtet doch zuerst mal, wer von den“Stimmberechtigten“ in welchem Aufsichtsrat der Versicherungswirtschaft sitzt und dort die Hand aufhält! Man fühlt sich verraten, verkauft und über den Tisch gezogen – pfui Teufel!

  4. Hartmut Vadder sagt:

    Über Jahre und Jahrzehnte hat die Versicherungswirtschaft dicke Gewinne eingefahren.
    Viele Menschen haben ihre Altersvorsorge mit einer Lebens- oder Rentenversicherung untermauert, ebensoviele vertrauten der Lebensvericherung im Bereich der Finazierung mit einem endfälligen Darlehen. Der Verlust, die diejenigen nun einfahren geht in die tausende Euro. Ein Hoch auf die Lobby der Versicherungswirtschaft. Leittragende sind die zigtausenden Versicherrungskunden.

  5. Lothar Kurzendörfer sagt:

    Alle die dieses Gesetz befürworten, sollten die hälfte ihres Gehaltes bekomme,
    dann würden sie wach werden.

  6. Gerd Seidl sagt:

    Gilt das auch für private Rentenversichrungsverträge?

  7. Swen sagt:

    Tja, der Bürger hatte die Wahl und bekommt das, was er gewählt hat…

  8. Hans-Joachim Becker sagt:

    Bundestag: Bürger- oder Lobbyvertretung?
    Mit steigender Wut und Empörung erfuhr ich aus den Medien, dass es die Lobby der Lebensversicherer geschafft hat, den Gesetzgeber dazu zu bewegen Milliardengeschenke an die Versicherungen verteilen zu wollen (mehr als 2 Milliarden € allein in 2014).
    Damit soll ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 2005 ignoriert werden, welches die 50% Beteiligung der Versicherten an der Bewertungsreserve einforderte.
    Dies soll entfallen, da die „armen“ Versicherungen (z.B. Allianz aktuell 6 Milliarden € Gewinn) befürchten in Zukunft nicht mehr so hohe Dividenden auszahlen zu können.
    Absolut unberücksichtigt bleibt dabei, dass ein Großteil der Versicherten über Jahrzehnte, teilweise unter erheblichen Entbehrungen, Prämien gezahlt haben um eine Altersvorsorge ohne Belastung der Sozialsysteme zu erreichen. Ein nicht unerheblicher Teil der nun fälligen Ausschüttungen soll diesem Husarenstreich ohne jegliche Beteiligung der Betroffenen geopfert werden. Das Hinterlistige daran ist, dass der Beschluss dem Bundestag innerhalb kürzester Frist zum Beschluss vorgelegt werden soll. Ist dies Taktik um den Wutbürgern erst gar nicht die Zeit zum organisierten Widerstand zu geben?
    Ich fordere alle Betroffene auf, dass sie allen Politikern ihres Stadt-, Landes- und Bundesparlaments ihren Unmut zu übermitteln, damit diese diesem „Diebstahl“ nicht zustimmen und Gerechtigkeit gewahrt bleibt.
    Wann wird sich dieser Versuch bei der nächsten Vorsorge wiederholen?

    HJB