Russische Unternehmen könnten Kredite im Westen platzen lassen

Russische Unternehmen und Banken sind im Westen mit mehr als 650 Milliarden Euro verschuldet. Eine Eskalation des Krim-Konflikts durch Sanktionen könnte die Unternehmen dazu veranlassen, Kredite platzen und Europa in eine neue Wirtschaftskrise stürzen zu lassen.

Im Krim-Konflikt droht der Westen mit Sanktionen gegen Moskau. Doch die große Abhängigkeit Europas von russischer Energie verhindert bislang ein hartes Vorgehen. Experten zufolge könnten aber auch die internationalen Schulden russischer Unternehmen Strafen zu einem heiklen Unterfangen werden lassen. Schließlich stehen Russlands Konzerne und Banken – viele von ihnen staatlich gelenkt – außerhalb ihrer Heimat mit mehr als 650 Milliarden Dollar in der Kreide. Dem Kreml nahestehende Politiker drohen bereits offen damit, dass die Firmen ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten – als Vergeltung für das Einfrieren russischer Auslandsvermögen oder anderer Maßnahmen.

Der Westen könnte sich dann mit Strafen gleich doppelt ins eigene Fleisch schneiden – sollte Russlands Staatskonzern Gazprom nicht nur den Gas-, sondern auch den Geldhahn zudrehen (mehr dazu – hier). Insgesamt sind Russlands Auslandsschulden seit 2008 stark gewachsen, vor allem die Staatskonzerne haben dazu beigetragen. Allein die vier Geldhäuser Sberbank, VTB, VEB und Rosselkhozbank haben zusammen mindestens 60 Milliarden Dollar an internationalen Verbindlichkeiten.

Die gegenseitige Abhängigkeit von Russland und Europa sei immens, sagt Nic Brown von der französischen Investmentbank Natixis. Russland verlasse sich in seinem Staatshaushalt stark auf die Einnahmen aus seinen Öl- und Gasexporten. Europa sei im Gegenzug von der russischen Energie abhängig und im großen Stil finanziell bei Unternehmen des Landes engagiert (hier). „Europa ist der wunde Punkt, weil seine Wirtschaft so eng mit der russischen verbunden ist“, heißt es bei der Ölberatungsfirma Petromatrix.

Neben seiner wichtigen Stellung als Energielieferant vor allem Europas hat Russland aber auch als weltweit fünftgrößter Verbrauchermarkt Bedeutung. Im vergangenen Jahr importierte Russland Konsumgüter, Lebensmittel, Medikamente und Maschinen im Wert von fast 350 Milliarden Euro – rund die Hälfte kam aus der Europäischen Union. Die Commerzbank setzt in einer Analyse auf die Einsicht aller Beteiligten: Vielleicht mache der aktuelle Konflikt – Russland kontrolliert de facto die ukrainische Halbinsel Krim – allen Seiten klar, wie sehr sie voneinander abhängen und deshalb einen Kompromiss schließen müssen.

Putin: Wirtschaft in Russland viel zu schwach

Sanktionen des Westens könnten Russlands ohnehin geschwächte Wirtschaft noch weiter abwürgen. Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete die derzeitige Konjunkturentwicklung in seinem Land am Mittwoch als inakzeptabel. „Ich werde erneut betonen, dass die jetzigen Wachstumsraten und die Prognosen der Regierung uns nicht zufriedenstellen können“, sagte er in Richtung der Zentralbank, des Finanzministeriums und der Kreml-Wirtschaftsberater.

Die Konjunktur hatte sich zuletzt spürbar abgeschwächt. Der Rubel hat dieses Jahr zum Dollar zudem schon mehr als zehn Prozent an Wert verloren. Einige Ökonomen sagen für die ersten beiden Quartale 2014 sogar eine Rezession voraus. Die Zentralbank in Moskau rechnet dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,5 bis 1,8 Prozent. Das Wirtschaftsministerium geht von rund zwei Prozent aus.

Krim will ukrainische Firmen und Gasfelder übernehmen

Kurz vor dem Referendum über einen Beitritt der ukrainischen Krim zu Russland hat die Regionalregierung der Halbinsel angekündigt, die staatlichen Unternehmen in dem Gebiet zu übernehmen. Betroffen seien die Energiefirma Chornomornaftohaz, die staatliche Eisenbahn und mehrere Ferienanlagen, die ukrainischen Ministerien gehörten, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Rustam Temirgaliew auf einer im russischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. „Das Eigentum privater Firmen und von Personen bleibt deren Eigentum.“ Es müsse aber nach russischem Recht neu registriert werden.

Mit Chornomornaftohaz und Erdgasfeldern im Schwarzen Meer könnte es für die Ukraine schwierig werden, von russischen Energielieferungen weniger stark abhängig zu sein. Mehr als die Hälfte ihres jährlichen Erdgasbedarfs deckt die Ukraine durch Importe aus Russland. Da die Regierung in Moskau diese Abhängigkeit schon mehrfach für politischen Druck eingesetzt hat (mehr dazu – hier), bemüht sich die Ukraine darum, ihre Energieversorgung breiter aufzustellen. Das Erdgas des Schwarzen Meeres vor der Krim spielte dabei eine wichtige Rolle. Auch Konzerne wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, Eni und OMV waren zur Stelle, um bei der Förderung dabei zu sein. Unterstützt wurden die Pläne von der Europäischen Union.

Die Investitionen sind wegen der Krise aber in Gefahr. Exxon-Manager Andrew Swiger hatte in der vergangenen Woche gesagt, sein Unternehmen habe alle Aktivitäten in der Region auf Eis gelegt.

Kommentare

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  1. ratlos sagt:

    Ist das Urteil gegen Hoeneß nur eine mediengerechte Ablenkung von der Verschwendungssucht unserer Politiker auf Kosten des Steuerzahlers? Ein höchst interessanter Newsletter dazu unter: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/189/fall-hoeness-wann-werden-die-steuerverschwender-politiker-zu.php

  2. WachtamRheinbeiRhöndorf sagt:

    Bisher ist Frankreich mein Favorit für den Ausschlaggeber bei der Beendigung der totalitären €-Verarmungsunion von Hochfinanz‘ Gnaden.

    Sollte es Russland sein, wäre mir das auch recht.

  3. Margrit Steer sagt:

    Mit welchem Recht gebärdet sich der Westen so?
    Ma muß auch Putin mal verstehen.
    Die Ukraine in die EU? Was soll das?
    Die Ukraine liegt (aus unserer Sicht) noch hinter Polen.
    Das Großkotzgehabe, was Merkel und Brüsel an den Tag leben, bringt usn noch den 3. WK.
    Wer stoppt das endlich
    Früher gab es mal einen Führr, dr wollte Lebensraum im Osten
    Und wir? Was wollen wir? Pleiteländer in die EU und die Kontrolle über den russ. Kontinent?

    • Frank sagt:

      Heute wird kein Lebensraum mehr erobert, sondern Absatzmärkte und Rohstoffquellen. Daher schickt man keine Soldaten, sondern Geld.
      Angenehmer Nebeneffekt: Die ewig Gestrigen können auch immer neue Standorte für Raketen und anderes Dreckzeug platzieren, um die „Weltherrschaft“ weiter zu forcieren.

  4. Jürgen Kunz sagt:

    Wenn das solche Beträge sind, dann hätte die Merkel, bevor sie eilfertig, um bei Obama zu punkten, ihre Berater vorher fragen sollen.
    Aber das geschah auch beim Schnellschuß der Energiewende nicht. Da wurden Verträge gebrochen und deutsche Energiefirmen vorsätzlich geschädigt.
    Differenzieren und Abwägen scheint die Sache der Merkel nicht zu sein.

  5. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    SOO dilletantisch, wie die EU und USA bei der Ukraine vorgegangen sind, zeugt nicht von profundem Politischen WISSEN und taktischer Vorgehensweise, die Ukraine an den Westen zu binden!
    ANSTATT eine ZOLLUNION mittels der Ukraine und der Integration von RUSSLAND zu forcieren, werden olle Kamellen aus der Mottenkiste des Kalten Krieges auf den Verhandlungstisch geworfen.

    Geopolitische Weitsicht ist das nie und nimmer, sondern VASALLEN-POLITIK, blind folgend dem naiven WELTBILD der USA!
    Wir haben solch einen wirtschaftspolitischen & geografischen Vorteil gegenueber den USA, der ungenutzt versiegt und die Russen wirtschaftlich & strategich mehr an CHina bindet!
    DAMIT versiegen dann unsere Bezugsquellen fuer die INDUSTRIE zur Wertschoepfung ! Selbst inelligenteste Inividuen koennen aus Scheisse keine Butter zaubern!
    DIE EUDSSR und insbesonere DEUTSCHLAND sind ROHSTOFFABHAENGIG, und nicht ideologieabhaengig, wie es die USA mit ihrem BLACK& WHITE -THINKING vorgeben!

  6. Bernhard sagt:

    Forderung an Putin – Wirtschaftspolitik ändern

    1. Wer aus dem Westen Waren in Russland verkaufen will, soll Fabriken bauen. Dafür gibt es eine Investgarantie.
    2. Der Westen hat keine Zukunft; die Zukunft liegt in Afrika, Südamerika, Asien. Teilen Sie sich mit China die Märkte und Branchen auf.
    3. Sie bestimmen, welche Waren importiert werden; dafür sind entsprechende technische, organisatorische, rechtliche Garantien der Zulieferanten zu gewährleisten. Wer diese Gewährleistung nicht ablegt, der darf nicht liefern.

    Wir sind an einem Wendepunkt der Weltpolitik! Russland und China sollten wissen, wenn sie auseinanderdividiert werden, dann kann keiner überleben. Daher wurde ja auch der westliche Block unter Führung der USA gegründet.

    • Ganbar sagt:

      Ich würde noch einen Punkt dazu vorschlagen:

      4. einseitige Einführung von Visafreiheit für die Bürger die aus Schengenraum in die Russland einreisen wollen.

      (Nach Beispiel USA-Deutschland. Begrenzte Einreisezeit & vorherige Anmeldung auf extra eingerichteten Seite). Die Leute leben schon in EU und die bringen ganze Menge Euro´s mit und die brauchen keine Visum, um zurück zu kommen,
      Besonders geeignet als Gegenmaßnahme auf europäische Sanktionen ( Aussetzung der Gespräche über Visafreiheit)

  7. Frank sagt:

    Das obige Bild einer gemeinsamen Demo von Russen und Ukrainern gefällt mir.
    leider stehen die wirtschaftlichen und politischen Interessen der USA und die Marionetten der EU dagegen.
    Putin ist gewiss kein „lupenreiner Demokrat“, aber das Herr Obama eben so wenig.
    Ich weiß nicht, ob die einfachen ukrainischen Menschen wirklich Natobasen und Genmais wollen.
    Mich erschüttert aber am meisten, wie offensichtlich die Mainstreammedien eine üble Propaganda-Show unter amerikanischer Regie abziehen und Frau Merkel lediglich als Obama-Marionette agiert, statt deutsche Interessen zu vertreten.

    • Peter G. sagt:

      Stimme Ihnen voll zu, insbesondere, was die Desinformation der Bürger und den Dilettantismus der A.M. betrifft! Die Ukraine könnte jedoch der Happen werden, an dem die EU und insbesondere D. erstickt. Wenn der Schlußstrich gezogen wird, werden sich alle „Partner“ vom Acker machen und Michel wird die Gesamtrechnung bezahlen —– wie immer.

  8. Matthes sagt:

    Sanktionen? Dazu ist die EU doch gar nicht legitimiert. Und verhandeln müssen die Einzelstaaten. Und müssen das ausbaden, was Brüssel über seinen unersättlichen Anspruch auf Machterweiterung angezettelt hat!

  9. FDominicus sagt:

    Welche neue Wirtschaftskrise? Ist die alte schon vorbei? Warum hat mir das niemand gesagt?