Schweizer Zuwanderungsquote schreckt Top-Manager ab

Die Rekrutierung von Top-Managern ist nach der Volksabstimmung zur Einwanderung schwieriger geworden. Ein Konzept für die Umsetzung der Einwanderungsquoten gibt es nicht. Die Beziehungen der Schweiz zur EU sind strapaziert: Die Schweizer Studenten dürfen nicht mehr am Austauschprogramm ERASMUS teilnehmen.

Das Votum der Schweizer für eine Begrenzung der Zuwanderung schreckt Experten zufolge ausländische Manager von einem Umzug in die Schweiz ab. „Es ist schwieriger geworden, Top-Führungskräfte zu rekrutieren“, sagte Philippe Hertig von der Personalberatungsfirma Egon Zehnder am Montag auf einer Pressekonferenz. Zwar habe die Schweiz immer noch viele Standortvorteile, aber ausländische Firmen und Manager begännen, die Eidgenossenschaft als ausländerfeindlich wahrzunehmen. Spitzenleuten erschienen andere Länder zunehmend attraktiver. Dabei sei das rohstoffarme Land auf ausländische Spitzenkräfte angewiesen. „Wir haben keine Bananen, wir haben kein Öl“, erklärte Hertig. „Wir brauchen die besten Köpfe auf der Welt.“

Die Schweizer Wähler hatten im Februar eine Beschränkung der Einwanderung beschlossen. Wenn die von der EU-feindlichen SVP eingereichte Initiative spätestens in drei Jahren umgesetzt wird, werden EU-Bürger nicht mehr ohne weiteres in die Schweiz umziehen können. Die Einzelheiten müssen allerdings noch ausgearbeitet werden.

Die internationalen Unternehmen beobachteten diese Entwicklung Hertig zufolge genau. Erstmals würden Firmen sogar einen Wegzug aus der Schweiz prüfen. Bisher sei zwar noch kein größerer Schaden entstanden, aber der Entscheid sei nach der Abstimmung über die Begrenzung der Managerlöhne 2013 ein weiterer Nadelstich gegen den Standort Schweiz. „Es wird langsam ernst. Das Fass wird langsam voll“, warnte Hertig.

Das Verhältnis mit der EU hat sich nach der Annahme der Einwanderungsinitiative deutlich verschlechtert. Die Schweiz wird im Studienjahr 2014/2015 nicht am Studentenaustauschprogramm Erasmus teilnehmen. Dies bestätigte der EU-Arbeitskommissar László Andor bei einer Debatte im EU-Parlament.

Die Schweiz habe die Termine für die Verleihung der Stipendien verpasst, so Andor. Dadurch werde sie künftig nicht mehr wie ein EU-Mitgliedsstaat, sondern wie ein Drittland behandelt, berichtet der Tagesanzeiger. Abgesehen von der Kritik der EU an der Zuwanderungsbeschränkung der Schweiz gab es andere Unstimmigkeiten in den Verhandlungen zum Erasmus-Programm. So habe die EU noch vor der Volksabstimmung mehr Geld von der Schweiz für das Programm verlangt.

„Wir haben tatsächlich aus Brüssel zur Kenntnis nehmen müssen, dass mehr Mittel erwartet sind, als das Parlament beschlossen hatte“, sagte Bildungsminister Johann Schneider-Ammann (FDP). Er habe den Bundesrat zwei Wochen vor der Volksabstimmung vom 9. Februar über die neue Forderung der EU informiert.

Auch beim Forschungsabkommen Horizon 2020 werde die Schweiz künftig nicht mehr als assoziiertes Land behandelt. Die EU drängt die Schweiz weiterhin auf den schnellen Abschluss eines Freizügigkeitsabkommens mit Kroatien. Die Schweiz will die entsprechenden Verhandlungen bis April abschließen.

Die Aussetzung der Verträge zu Erasmus und Horizon 2020 bedeute für die Schweiz „einen enormen Rückschritt, welcher die Qualität unserer Bildung und unserer Forschungsmöglichkeiten stark erschüttern wird“, so der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS).

Wie das neue Zuwanderungssystem nach der Annahme der Initiative zu dessen Beschränkung aussehen soll, ist noch unklar. Am Donnerstag trafen Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) und Bundesrat Johann Schneider-Ammann auf die Spitzenvertreter der Sozialpartner, der Kantone sowie des Städte- und Gemeindeverbandes. Das Arbeitstreffen diente in erster Linie dem gegenseitigen Informationsaustausch über den Stand der Arbeiten zur Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmungen zur Zuwanderung.

Das Bundesamt für Migration (BFM) will in den nächsten Tagen Experten einladen, welche die Umsetzungsarbeiten konzeptionell und inhaltlich begleiten werden. In dieser technischen Expertengruppe sollen die Sozialpartner sowie vollziehende Behörden vertreten sein. „Im Rahmen der laufenden Umsetzungsarbeiten wird das BFM weitere interessierte Kreise anhören, so insbesondere auch die Initianten“, heißt es in einer Aussendung der Eidgenossenschaft.

Ein konkreter Plan steht also noch nicht. Die Erarbeitung eines entsprechenden Konzeptes wird nicht vor Juni erwartet. Die Vernehmlassung eines Gesetzesentwurfs ist für Ende des laufenden Jahres geplant. In dieser werden sich alle interessierten Kreise erneut einbringen können.

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  1. Der Eidgenosse sagt:

    Bundesrat missbraucht Studenten zur Vertuschung seines Versagens
    Die gestern und heute bekannt gewordenen Hintergründe rund um die Beteiligung der Schweiz am EU-Bildungsprogramm „Erasmus für alle“ sind ein Skandal. Der Bundesrat hat verschwiegen, dass die Verhandlungen zu diesem Programm bereits vor der Abstimmung vom 9. Februar vor dem Scheitern standen. Auch die Reaktion aus Brüssel, das Programm für die Schweiz nach dem Volksentscheid abzubrechen, steht damit in einem ganz neuen Licht da und entpuppt sich als perfide Falschspielerei. Mit seinem Verhalten hat der Bundesrat unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zugelassen, dass tausende Studenten gegen den Entscheid von Volk und Ständen auf die Strasse gingen. Ein solches Verhalten ist zutiefst verwerflich.
    Auch zu den Verhandlungen über die Programme „Horizon 2020″ und „MEDIA“ herrschte von Seiten des Bundesrates bisher keine Transparenz. Fakt ist offenbar, dass sie vor dem 9. Februar nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden konnten, obwohl sie bereits seit Anfang dieses Jahr laufen! Deshalb ist auch hier davon auszugehen, dass die Reaktion aus Brüssel mit dem Bundesrat abgesprochen wurde und letztlich nicht oder nur bedingt mit der Abstimmung zusammenhängt.
    Die Medienberichte zeigen indes auch, dass im Fall von Erasmus nur ein kleiner Teil der vom Parlament verabschiedeten über 300 Millionen Franken für den Studentenaustausch verwendet werden sollten. Der Grossteil geht in dubiose Projekte für eine Vielzahl von Organisationen. Das Vorgängerprogramm von Erasmus war ein eigentlicher Selbstbedienungsladen auf Kosten des Schweizer Steuerzahlers aus dem vom Pinocchio-Forum über Yoga bis zu Zirkus-Kursen für Erwachsene alles finanziert wurde. Dies zeigt die Absurdität solcher anonymer Monster- Programme und macht auf krasse Weise klar, wie tief die Brüsseler Verschwendungsbürokratie bereits in der Schweiz angekommen ist. Viel besser wäre eine gezielte Förderung von bestimmten Aktivitäten, hier beispielsweise ein Studenten-Austausch. Bundesrat und Parlament müssen diesbezüglich zwingend über die Bücher.
    Die SVP verlangt vom Bundesrat nun volle Transparenz über die Verhandlungen und den Status zum EU-Bildungsprogramm „Erasmus für alle“ sowie über die Programme „Horizon 2020″ und „MEDIA“. Diese Verhandlungsmandate wurden vom Bundesrat im vergangenen Jahr am gleichen Tag verabschiedet, wie jenes zu Erasmus. Auf keinen Fall darf die Schweiz nun überzogenen finanziellen Forderungen der EU nachgeben, sondern hat die Parlamentsentscheide durchzusetzen. Bern, 6. März 2014