Versicherer wollen Garantiezins ab 2016 reduzieren

Der Garantiezins für neu abgeschlossene Lebensversicherungen wird voraussichtlich 2016 weiter gesenkt. Die Versicherer sprechen sich für eine Senkung des Zinses von 1,75 auf 1,25 Prozent aus. Damit soll die Branche entlastet werden, zum Nachteil der Versicherten. Der Abschluss einer Lebensversicherung lohnt sich dann kaum noch.

Die deutschen Versicherer plädieren dafür, den Garantiezins bei Lebenversicherungen Anfang 2016 zu senken. „Wir brauchen Zeit für eine technische Umstellung“, sagte der Präsident des Branchenverbands GDV,

, am Freitag in Berlin. Der Garantiezins spiegelt die Rendite wider, die Lebensversicherungskunden über die gesamte, oft jahrzehntelange Laufzeit ihrer Policen sicher erwarten können. Das Bundesfinanzministerium will ihn schon zum 1. Januar 2015 auf 1,25 von 1,75 Prozent senken, wie das auch führende Versicherungsmathematiker empfohlen haben.

Denn den Versicherern fällt es wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt immer schwerer, ausreichende Gewinne zu erwirtschaften, um ihre Zusagen an die Kunden zu erfüllen. Man habe Verständnis dafür, dass der Garantiezins sinken solle, wenn die Marktzinsen weiter niedrig seien, sagte Erdland. Die Branche brauche aber Vorlauf, um ihre Computersysteme (IT) anzupassen. Die Versicherer müssten bereits die Umstellung der IT für die Einführung der neue Kapitalregeln (Solvency II – mehr dazu hier) zum 1. Januar 2016 schultern.

Das Bundesfinanzministerium setzt den offiziell als Höchstrechnungszins bezeichneten Garantiezins jährlich in Abstimmung mit der Finanzaufsicht BaFin fest. Anfang der Woche hatte Finanzstaatssekretär Michael Meister ein Bündel von Maßnahmen angekündigt, mit dem die Kunden der Lebensversicherer vor den Folgen der niedrigen Zinsen geschützt werden sollen. Dazu gehört auch die Senkung des Garantiezinses.

Die Versicherer wehren sich allerdings gegen weite Teile der Regierungspläne. Man dürfe das Paket nicht weiter aufblähen, mahnte Erdland. Damit würde der Versicherungsstandort beschädigt. Am liebsten hätte es die Branche, wenn die Regierung nur die von den Versicherern geforderte Änderung zu den stillen Reserven (Bewertungsreserven – mehr dazu hier) auf festverzinsliche Wertpapiere umsetzen würde. Diese sollen die Versicherer künftig nicht mehr zur Hälfte mit den Kunden teilen müssen. Der GDV lehnt eine höhere Beteiligung der Kunden am sogenannten Risikogewinn ebenso ab wie eine Dividendensperre für die Aktionäre zugunsten der Ausschüttungen an die Versicherten.

 

Kommentare

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  1. Merlin sagt:

    der Vergleich mit aktuellen Sparbuch-Konditionen geht doch völlig in die Irre.
    Wir sprechen hier von Kunden, die ihre KLV-Police vor 20-40 Jahren abgeschlossen haben, zu einer Zeit, als die Umlaufrendite noch bei 9% lag! Die Anlagegüter, sprich Bewertungsreserven, um die es nun geht, wurden hauptsächlich mit den Prämien dieser Altkunden gekauft. Darum, und das sah das Bundesverfassungsgericht 2005 genauso, müssen diese Kunden bei Ablauf oder Kündigung ihres Vertrages angemessen an diesen stillen Reserven beteiligt werden. Eine Quersubventionierung von Neukunden darf es nicht geben. Das wäre so, als ob ich bei einem Sparvertrag mit 5% Festzins nach Ablauf nur 2% heraus bekäme, weil das aktuelle Zinniveau gesunken ist. Gehts noch?!

  2. Gustaff sagt:

    Garantiezins auf 1,25% senken – na und? Meine Direkt – Bank hat soeben bei Tagesgeld auf 0,6% gesenkt, Sparbuch ist schon gefährlich nahe bei WC-Nähe 00 %, sind die dann auch alle vor dem AUS ??