Deflations-Angst: Preise in Deutschland sinken weiter

Die Teuerungsrate in Deutschland nähert sich dem Niveau der Euro-Zone an. In Deutschland gibt es eine Inflationsquote von 1,2 Prozent, in der Euro-Zone sind es nur 0,8 Prozent. Sollte der Euro die Marke von 1,40 Dollar überschreiten, will EZB-Chef Draghi handeln.

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Die Verbraucherpreise stiegen im Schnitt nur noch um 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Einen geringeren Wert gab es zuletzt im August 2010. Im Januar waren die Preise noch um 1,3 Prozent geklettert.

DZ-Bank-Ökonom Christoph Swonke hofft darauf, dass der Investitionsstau sich auflöst. Wenn die Zinsen dann niedrig bleiben, könne das den Binnenkonsum stärken, hofft Swonke. Das wiederum treibe die Preise nach oben. Er rechnet damit, dass die Unternehmen ihr Personal mit höheren Löhnen zu halten versuchen. „Sie werden versuchen, die höheren Personalkosten weiterzugeben“, sagte Swonke. Auch dürften die Energiepreise wieder anziehen.

„Die vergleichsweise niedrige Inflationsrate war erneut vor allem auf die rückläufige Preisentwicklung bei Mineralölprodukten zurückzuführen“, erklärten die Statistiker. Leichtes Heizöl kostete dabei 8,7 Prozent weniger als im Februar 2013, Kraftstoffe 6,3 Prozent weniger. Dabei dürfte der milde Winter eine Rolle gespielt haben, der die Nachfrage nach Energie drückt. Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen mit 3,5 Prozent erneut überdurchschnittlich. Für Butter wurden beispielsweise 20,5 Prozent mehr verlangt, für Quark 18,4 Prozent und für Schnittkäse 12,5 Prozent (mehr dazu – hier).

Euro-Höhenflug löst bei EZB Alarm aus

Der Euro bereitet der Europäischen Zentralbank mal wieder Kopfzerbrechen. Nach der Wackelphase in der Schuldenkrise gibt nun die Stärke der Gemeinschaftswährung Anlass zur Sorge. Die niedrige Teuerung und der gestiegene Euro-Wechselkurs bildeten eine brisante Mischung, warnt Notenbankchef Mario Draghi. Sollte der Euro-Höhenflug das EZB-Ziel stabiler Preise in Gefahr bringen, will er notfalls die Zinsen weiter senken. Der Eurokurs kann die Exportwirtschaft bremsen und damit die Preise drücken, was zusätzliche Deflationsängste schürt (mehr dazu – hier). Allerdings setzt Draghi zunächst auf die Wirkung seiner verbalen Breitseite. Erst wenn der Euro die Marke von 1,40 Dollar weit hinter sich lässt, gerät der EZB-Präsident nach Ansicht von Volkswirten in Zugzwang.

In der jüngsten EZB-Inflationsprognose unterstellten die Experten der Zentralbank noch einen Euro-Wechselkurs von 1,36 Dollar. Das ist längst Makulatur: Am Donnerstag hatte die Gemeinschaftswährung mit 1,3967 Dollar den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren erklommen, bevor Draghis Botschaft in Richtung Investoren den Höhenflug bremste. Der Hintergrund: Auch wenn ein Wechselkursziel nicht im Pflichtenheft der EZB steht, gilt es, die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front abzuwehren, da dieser Investitionen bremst (mehr zum Preisverfall in der Euro-Zone hier und hier). Wird beispielsweise das in Dollar bezahlte Öl billiger, wird die Inflation immer geringer. Mit dem Euro-Höhenflug steigt somit das Risiko, dass die Teuerung so niedrig wird, dass die EZB gegensteuern muss.

Die Inflationsrate der Euro-Zone lag zuletzt mit 0,8 Prozent ohnehin weit unter dem Ziel der EZB von knapp zwei Prozent. Der Sicherheitsabstand zu der Gefahrenzone sinkender Preise, die eine Volkswirtschaft lähmen kann, ist damit zusammengeschrumpft. Und Draghi hat kaum noch konventionelle Munition: Die Zinsen sind mit 0,25 Prozent bereits nahe der Nulllinie (mehr hier). Unkonventionelle Mittel, wie etwa der Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil, dürfte sich die Zentralbank als letztes Mittel zur Abwehr größerer Gefahren für die Konjunktur vorbehalten.

Ausgerechnet in dieser kritischen Phase bereitet Draghi nun das Kursverhältnis des Euro zum Dollar zusätzliche Sorgen: „Die Stärkung des Wechselkurses gewinnt unter den Faktoren immer mehr an Bedeutung, die wir bei der Bewertung der Aussichten für die Preisstabilität heranziehen“, ließ Draghi die Zuhörer bei der Verleihung des Schumpeter-Preises in Wien wissen. Zugleich warnte er, dass die EZB zur Sicherung stabiler Preise „jeglichem wesentlichen Risiko“ mit zusätzlichen konventionellen geldpolitischen Maßnahmen wie auch Sondermaßnahmen entgegenwirken werde.

Nach einer Faustregel bedeute eine Aufwertung des Euro um zehn Prozent bis zu 0,5 Prozentpunkte weniger Inflation. Eine Zinssenkung werde bei einem Euro-Kurs deutlich über 1,40 Dollar somit immer wahrscheinlicher, sagt Schubert. Der starke Euro sei für die deutschen Exporteure derzeit kein Problem, da ihre hochwertigen Produkte auf den Weltmärkten oft ein Alleinstellungsmerkmal aufwiesen. Ob sich der Euro-Wechselkurs dämpfend auf die Ausfuhren aus dem Währungsraum auswirke, müsse sich noch herausstellen. Entscheidend sei die Nachfrage: „Wenn es in der Weltwirtschaft aufwärts gehen sollte, wird der Wechselkurs weniger wichtig.“

Der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide, sieht die Marke von 1,40 Dollar nicht als „rote Linie“ für die EZB. Die Inflationsrate dürfte sich trotz des starken Euro in nächster Zeit eher nach oben bewegen, meint er. Dass die Teuerungsrate weit unter dem Ziel der EZB liege, sei der noch immer schwächelnden Konjunktur im Euro-Raum geschuldet. Und das Schwanken des Wechselkurses bewege sich noch im grünen Bereich: „Das muss nicht Anlass sein, darauf hektisch zu reagieren.“ Tatsächlich ist der Euro von seiner Höchstmarke noch weit entfernt: Im Juli 2008 lag er bei 1,6038 Dollar.

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Kommentare

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  1. joooo sagt:

    ich find das ja sau geschickt gemacht. Nun merken die geier das selbst dumme deutsche bemerkt haben das die preise zw 5 und 10% steigen. Nun macht man ihnen mit deflationsängsten angst um eine weitere steigerung herbei zu wünschen. Toootal Pfiffig.

    mal gut das es smarthphones gibt die regelmässig 50% günstiger werden, um die rechnung logisch erscheinen zu lassen.

  2. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    Also, wer bestaetigt, dass die Summe der Kosten fuer die laufende Lebenshaltung, Energie, Kosten fuer Versicherungen, Gebuehren / Abgaben fuer oeffentlichen Dienst real gesunken sind, und dabei nicht Selbstversorger ist, bzw Jaeger & Sammler, der soll sich bei mir melden!
    Ich bitte ein Angebot fuer ein „Ueberlebens“-Seminar, diese Kosten zu reduzieren, ohne von meinem 50 – 55h Job evt. freie Zeit abzuzwacken!

    Der REFERENZ-Korb vom Statistischen Bundesamt jedenfalls ist kein Mass-Stab fuer die realen Kostenaenderunegen, stetigenTeuerungen und vorweggenommenen Geldentwertungen durch die Einfuehrung des T-Euros und der Kostenentwicklung der letzten 12 Jahre!
    ALSO: Nach der EU-Wahl wird eine weitere Vermoegensabgabe auf alle Vermoegen quasi-alternativlos als RASUR anfallen, sofern man nicht mobile Vermoegen aus dem Euro-Raum vorher verbringt & Bargeld aus dem Euro- in eine andere Waehrung konvertiert.

  3. c-nes sagt:

    Deflation ist eine Begleiterscheinung von finanzieller Repression. Die Löhne in den südlichen Euro Ländern müssen auf ein erträgliches Maß schrumpfen, das führt dort zwangsläufig zu Deflation.

  4. hugin sagt:

    IMMER DAS GLEICHE
    Inflation – Stagflation – Deflation – Zusammenbruch, dann beginnt wieder allesvon vorne !

  5. Preise stinken weiter sagt:

    Die Preise sinken weiter, Renten und Spareinlagen sind sicher, der € wird mindestens so hart wie die DM, uns geht es so gut wie nie, nach der Wahl machen sie alles besser, Politiker und Journalisten, Banker und Versicherer sind ehrlich und lügen und betrügen nie, usw., usw, usw!
    Deshalb wird die französische Revolution eine Love-Parade gewesen sein im Vergleich zur Revolution der europäischen Völker gegen das faschistische EU-Monsterimperium.