Hermes-Bürgschaften begrenzen Exportrisiken durch Krim-Konflikt

Großkonzerne und Mittelständler können Exporte nach Russland und in die Ukraine absichern. Die Hermes-Bürgschaften des Bundes minimieren das Ausfallrisiko, sollte sich der Krim-Konflikt verschärfen. Sollten durch Bürgschaften abgesicherte Exportgeschäfte ausfallen, trägt der Bund das Risiko zu 95 Prozent. Das Restrisiko trägt das Unternehmen.

Der Konflikt des Westens mit Russland um die Ukraine sorgt bei deutschen Export-Unternehmen für wachsende Nervosität. Scharfe Wirtschaftssanktionen könnten das Geschäft etwa der deutschen Maschinenbauer, der Elektroindustrie und anderer Branchen, die ihre Waren nach Russland oder die Ukraine exportieren, stark beeinträchtigen. Um die Risiken nicht alleine schultern zu müssen, können Großkonzerne wie Mittelständler auf die sogenannten Hermes-Bürgschaften zurückgreifen. Damit greift ihnen der Bund unter die Arme. Einen kleinen Teil des Risikos müssen sie aber doch über einen Selbstbehalt – oft fünf Prozent – übernehmen. Auch Gebühren müssen die Firmen für die Garantie zahlen.

Auch wenn die politische Krise um die Ukraine auf einen Höhepunkt mit der Volksbefragung auf der Krim zusteuert, an den Garantien der Bundesregierung für solche Exportgeschäfte hat sich bis dato nichts geändert. „Die Hermesdeckungen der Bundesregierung für die Märkte Russland und Ukraine werden derzeit im üblichen Rahmen und mit der üblichen Prüfzeit erteilt“, versicherte das Wirtschaftsministerium. Dabei ist das politische, und damit in Verbindung auch das wirtschaftliche Risiko, das der deutsche Staat hier übernimmt, zweifellos in den vergangenen Wochen rasant gestiegen.

Angesichts der wachsenden Unsicherheiten plädierte denn auch der Präsident des Handelsverbandes BGA Anton Börner dafür, das Instrument Hermes geräusch- und störungsfrei zu halten.

Durch den Krim-Konflikt sind Unternehmen besorgt um ihre Geschäftsbeziehungen zu Russland (mehr dazu hier). Ferner sind Arbeitsplätze und Ressourcen in Gefahr, sollten Fronten sich verhärten und eine der beiden Seiten – EU oder Russland – die Androhung der Sanktionen wahrmachen.

Russland-Händler sind Großkunden bei Hermes

Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft mit Exportkreditgarantien in Höhe von 27,9 Milliarden Euro geholfen. Davon wurden rund 70 Prozent an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben. Regional lag der Schwerpunkt der Hermesdeckungen in den vergangenen Jahren bei den Schwellen- und Entwicklungsländern. Und dabei stand das Russland-Geschäft ganz oben.

Nach der Türkei, für die Exporte von 2,47 Milliarden Euro vom Bund garantiert wurden, rangierte Russland mit 2,38 Milliarden Euro auf Rang zwei. Weit dahinter lag naturgemäß die Ukraine. Deutsche Firmen sicherten 2013 Ausfuhren dorthin im Umfang von 0,601 Milliarden Euro ab. Noch im Jahr zuvor, 2012, lag Russland mit einem Deckungsvolumen von 3,23 Milliarden Euro sogar eindeutig an der Spitze.

Garantien zur Ausfuhrförderung

Die Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen) sind Bestandteil der deutschen Förderpolitik, mit der die Ausfuhren der hiesigen Wirtschaft vorangebracht werden soll. Schon 1949 wurde dieses Instrument aus der Taufe gehoben. Damit will die Regierung in erster Linie Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Beantragt ein Unternehmen solche Bürgschaften, muss es vor allem zwei Kriterien erfüllen: ein überschaubares Ausfall-Risiko für den Bund als Bürgen und die Förderungswürdigkeit.

Förderungswürdig ist ein Exportgeschäft in der Regel, wenn es den allgemeinen Exportinteressen, der Arbeitsplatz-Sicherung, strukturpolitischen oder auch außenpolitischen Zielsetzungen dient. Von der Risikoseite her vertretbar ist eine Deckung bei einer „vernünftigen Aussicht auf einen schadenfreien Verlauf des zur Deckung beantragten Exportgeschäfts“, heißt es im deutschen Wirtschaftsministerium.

Versicherung handelt im Auftrag der Regierung

Mit dem Verfahren zur Übernahme von Hermesdeckungen sind vom Bund die Kreditversicherung Euler Hermes AG und die Wirtschaftsprüfer der PricewaterhouseCoopers AG WPG beauftragt. Die Frage, ob ein großes Exportgeschäft vom Bund abgesichert wird, entscheidet aber ein Interministerieller Ausschuss (IMA). In dem sitzen neben dem Wirtschafts- noch das Finanz- und das Außenministerium sowie das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Beratend sind Sachverständige aus der Wirtschaft und dem Bankenbereich tätig. Und auch die Frage, ob man wegen höheren Risikos vielleicht Deckungen in dem einen oder anderen Fall weniger freigiebig gewährt, ist eine, die auf politischer Ebene entschieden wird.

 

Kommentare

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  1. frankenberger sagt:

    keine Geschäfte mit diesem Land mehr abschliesen, alte verträge aufkündigen bzw. auslaufen lassen, neue partner in vertrauenswürdigere friedlichere länder verträge geben denen tut das für ihre wirtschaft auch gut;
    eigentlich selbst schuld. man darf in keinster weise erpressbar sein, lieber mal verzichten

    • Schmitz sagt:

      Ja, Schließ Verträge mit Bankrott Land wie Ukraine.. und Unternehmen wird selbst Bankrott. Wir Deutsche müssen uns selbst Schaden, nur weil die Amerkaner so wollen. Es gibt genug Beispile: Irak, Syrien… überall wo e Öl gibt, werden Bürgerkrieg ausgelöst. Man fragt sich nur: wer steckt dahinten?