Allianz investiert 440 Millionen Euro für Übernahme in Italien

Der Münchener Versicherer Allianz übernimmt Teile von UnipolSAI in Italien. Damit hat sich der Konzern Sachversicherungen mit einem Prämienvolumen von 1,1 Milliarden Euro gesichert. Italien ist ein lukrativer Markt. Der deutsche Versicherer will seine Bilanz aufbessern, nachdem er einer Herabstufung durch die Rating-Agentur Moody’s nur knapp entgehen konnte.

Die Allianz stärkt für bis zu 440 Millionen Euro ihr Sachversicherungsgeschäft in Italien. Der Münchener Versicherungskonzern übernimmt einen Policenbestand im Volumen von rund 1,1 Milliarden Euro, die der italienische Konkurrent UnipolSAI auf Geheiß der Wettbewerbsbehörden verkaufen musste, wie die beiden Beteiligten am Samstagabend mitteilten. UnipolSAI und die Allianz hatten seit Januar exklusiv über das Geschäft verhandelt. Die Allianz übernimmt damit bis zu 1,5 Millionen Kunden, die von 500 Mitarbeitern und mehr als 700 freiberuflichen Versicherungsagenturen betreut werden.

Der genaue Kaufpreis richtet sich unter anderem danach, wie viele der über ganz Italien verstreuten Versicherungsvertreter zur Allianz wechseln. Das Portfolio, das nun an die Allianz geht, war ursprünglich Teil der Tochter Milano Assicurazioni, die 2012 den strauchelnden Rivalen Fondiaria-SAI aufgefangen hatte und damit zum zweitgrößten Versicherer Italiens hinter Generali aufstieg. Der Finanzkonzern Unipol hatte sich deshalb verpflichtet, ein Prämienvolumen von 1,7 Milliarden Euro abzugeben. Nun reicht den Regulierern aber schon die Trennung von 1,1 Milliarden Euro Prämien, wie Unipol-Chef Carlo Cimbri erklärte. Der Markt habe sich in der Zwischenzeit entwickelt. Ein Angebot des belgischen Versicherers Ageas hatten die Italiener als zu niedrig abgewiesen.

Für die Allianz bedeutet der Zukauf ein Wachstum in Italien von knapp zehn Prozent. 2013 kam sie dort mit 5000 Mitarbeitern und mehr als sechs Millionen Kunden auf ein Prämienvolumen von knapp 12,5 Milliarden Euro. Davon entfielen bisher aber nur vier Milliarden Euro auf die Sachversicherung, die mit dem Zukauf um mehr als ein Viertel wächst. „Die Übernahme des Geschäfts passt hervorragend, denn durch sie bauen wir unseren Marktanteil in einem stark entwickelten, aber sehr profitablen Markt aus“, sagte der für Südeuropa zuständige Allianz-Vorstand Oliver Bäte.

Vor allem in der Autoversicherung glänzte der Versicherer in Italien mit niedrigen Schaden-Kosten-Quoten. Insgesamt verdiente die Allianz 2013 dort operativ 1,34 Milliarden Euro – das ist rund ein Siebtel des operativen Gewinns im Konzern. Die Allianz war mit der Übernahme der RAS einer der sechs größten Versicherer Italiens geworden. In Europa ist sie die Nummer eins.

Die Allianz ist finanziell nicht so gut aufgestellt, wie die Übernahme in Italien vermuten lässt. Eine Herabstufung der Bonität durch die Rating-Agentur Moody’s wurde nur knapp abgewendet (mehr hier).

Zudem leisten die Versicherer in Deutschland Lobby-Arbeit für die Abschaffung der Beteiligung der Kunden an den Bewertungs-Reserven. Bei der vorzeitigen Kündigung einer Lebensversicherung müssen Kunden zur Hälfte an den Stillen Reserven beteiligt werden. Das macht das wichtigster Produkt der Verischerer unrentabel (mehr hier).

Zudem will die Regierung den Garantie-Zins senken. Die Abstufung kommt voraussichtlich 2016 von derzeit 1,75 auf 1,25 Prozent. Versicherer hatten jahrelang hohe Zinsen für ihre Kapitalbildenden Produkte garantiert. Diese Zinsen lassen sich im Niedrigzinsumfeld derzeit nicht mehr erwirtschaften (hier).

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