Deutsche Geldhäuser haben 17 Milliarden Euro in Russland investiert

Deutsche Banken haben gegenüber russischen Unternehmen und Privatpersonen etwa 17 Milliarden Euro an offenen Forderungen. Nach dem Krim-Referendum drohen die EU und die USA mit Sanktionen gegen die russische Föderation. Russland drohte im Gegenzug damit, die Tilgung von Auslandskrediten auszusetzen.

Der sich zuspitzende Konflikt zwischen Russland und dem Westen in der Krim-Krise könnte auch die hiesigen Banken treffen. Das gesamte Engagement der europäischen Geldhäuser in der Russischen Föderation liegt bei 194 Milliarden Dollar, das der US-Banken dagegen nur bei 35 Milliarden Dollar, wie die Analysten von Morgan Stanley in einer Studie hervorheben. Von den Europäern stünden Institute aus Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland ganz oben auf der Liste.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) bezifferte die Forderungen der heimischen Geldhäuser – Auslandstöchter und Filialen eingerechnet – am Montag auf 16,8 Milliarden Euro, Stand November 2013 und Tendenz rückläufig. Der Großteil der Summe entfällt demnach mit 9,6 Milliarden auf Forderungen gegenüber russischen Banken, gefolgt von 6,7 Milliarden gegenüber Unternehmen und Privatpersonen.

Nach dem völkerrechtlich umstrittenen Krim-Referendum am Wochenende, bei dem sich eine deutliche Mehrheit der Bewohner der ukrainischen Halbinsel für einen Anschluss an Russland ausgesprochen hatte, steuern die EU und die USA auf weitere Sanktionen gegen Russland zu. Das könnte den Konflikt befeuern – etwa dann, wenn Russland mit seinen vielen Staatskonzernen wie angedroht seine Auslandsschulden nicht mehr bedient. Die Morgan-Stanley-Analysten gehen trotzdem nicht davon aus, dass sich die großen Auslandsbanken vor diesem Hintergrund aus Russland zurückziehen könnten. Dazu sei der dortige Markt – anders als etwa der in der Ukraine – zu attraktiv.

Die großen deutschen Geldhäuser halten sich zu ihrem individuellen Russland-Engagement bedeckt. Unisono heißt es jedoch aus den Frankfurter Bankentürmen, das Volumen sei im Vergleich zur jeweiligen Bilanzsumme überschaubar und bereite keine schlaflosen Nächte. Die Deutsche Bank hatte in ihrem letzten verfügbaren Geschäftsbericht das gesamte Osteuropa-Engagement auf gut zehn Milliarden Euro beziffert. Russland ist nur ein Teil davon.

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  1. Falke sagt:

    Diese Instrumentalisierung von Wirtschaftsbeziehungen für machtpolitische Zwecke der Staaten zeigt, wie dringend notwendig es ist, den überall existierenden Einheitsstaat, der alle Lebensbereiche in sich fasst und reglementiert, in drei voneinander relativ unabhängige, sich jeweils selbst verwaltende Bereiche aufzugliedern: das Wirtschaftsleben, das kulturell-geistige Leben mit dem Bildungssystem und das staatlich rechtliche Leben im engeren Sinne.
    Man muss endlich in die Zukunft weisende Ideen im Großen entwickeln, die den hemmungslosen Machtspielen der jeweils herrschenden Cliquen in der Welt einfach die Möglichkeiten dazu entziehen.

    Die drei selbständigen Lebensgebiete des sozialen Organismus würden dann auch direkt zu dem jeweiligen der anderen Völker Beziehungen aufnehmen und Kooperationen eingehen und nicht von einer zentralen Regierung vertreten werden.

    „Wirtschafts- und Kultusminister wird es nicht geben können. Der Staat ist nur für die reinen Rechtsbeziehungen zuständig. Er wird auch nicht einfach einen Krieg beginnen können. Dazu müsste er sich erst mit dem Wirtschaftssystem, auf dessen Ressourcen, und mit dem Geistesleben, auf dessen ethisches Urteil er angewiesen ist, in Verbindung setzen. Ohne deren Zustimmung ist er machtlos.“
    Das mag utopisch klingen. Aber solche bedrohlichen weltpolitischen Verhältnisse lassen sich nicht mit dem Denken lösen, das sie herbeigeführt hat, sondern nur mit einem neuen Denken noch nicht gedachter Ideen.

    Grundsätzliche Überlegungen dazu auf:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/02/28/die-uberwucherung-von-politik-und-kultur-durch-die-okonomie/