IT-Plattform soll Hamburgs Hafen effizienter machen

Die Abfertigung großer Containerschiffe wird durch neue IT-Technik vereinfacht. Verzögerungen im Schiffsverkehr kosten den Reedern viel Geld. Die Gezeiten machen den Logistikern einen Strich durch die Rechnung.

Hamburgs Antwort auf die Hängepartie bei der Elbvertiefung ist elektronisch: Die beiden Terminalbetreiber HHLA und Eurogate gaben am Mittwoch zusammen mit dem Softwareentwickler Dakosy den Startschuss für eine IT-Plattform, mit der die Abfertigung großer Containerschiffe beschleunigt werden soll. Das neue System soll dafür sorgen, dass Verzögerungen im Schiffsverkehr auf der Elbe vermieden und die kurzen Zeitfenster bei Flut besser ausgenutzt werden können. Das ist besonders für Frachter mit großem Tiefgang wichtig, die in kurzer Zeit an den Containerterminals be- und entladen werden müssen.

Kommt es dabei zu Verspätungen und ein Schiff mit mehr als 10.000 Containern verpasst sein Zeitfenster, kostet das Reeder und Terminals viel Geld. „Mit Hilfe der zentralen Informationsplattform können wir vorausschauender planen, schneller auf kurzfristige Änderungen reagieren und unsere Ressourcen besser einsetzen“, sagte der Eurogate-Manager Peter Zielinski bei der Präsentation der IT-Plattform. Wirtschaftssenator Frank Horch fügte hinzu, das System werde Hamburg helfen, „gewisse Handicaps“ gegenüber den konkurrierenden Nordseehäfen in Rotterdam und Antwerpen wettzumachen. Hamburg ist als Binnenhafen stark von den Gezeiten abhängig.

Reedereien wie Maersk, Mediterranean Shipping (MSC), CMA CGM sowie Hapag-Lloyd setzen immer größere Schiffe mit Platz für mehr als 10.000 Standardcontainer ein, um die Kosten zu senken. Da diese XXL-Schiffe Hamburg nur zu bestimmten Zeiten während der Flut ansteuern und auslaufen können und der Schiffsverkehr eng getaktet werden muss, ist Zeit ein teures Gut. HHLA und Eurogate geben große Summen für die Modernisierung ihrer Anlagen aus, um die Terminals fit zu machen.

Bisher fehlte jedoch eine Vernetzung aller Beteiligten – von den Terminals über Lotsen, Reedereien und Makler, Schlepper bis hin zum Oberhafenamt und den Ämtern, die die Wasserstände übermitteln. Die neue IT-Plattform (Port River Information System Elbe/PRISE) soll dafür sorgen, dass der Schiffsverkehr reibungslos läuft.

Die geplante weitere Vertiefung der Elbe stockt, weil Umweltverbände vor eineinhalb Jahren vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt haben. Nach der langen Hängepartie ist inzwischen immerhin absehbar, wann sich das Gericht mit dem Thema befassen wird. Die Leipziger Richter haben den 15. Juli für den Beginn der mündlichen Verhandlung festgelegt. Davor war lange unklar, ob die Richter zunächst den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg anrufen würden.

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