Fachverband: Politik gefährdet deutschen Energie-Anlagenbau

Deutsche Anlagenbau-Unternehmen üben scharfe Kritik an der aktuellen Energiepolitik. Massive Einbrüche bei den inländischen Auftragseingängen sind das Ergebnis einer Energiepolitik, die ihre Aktivitäten fahrlässig auf die Erneuerbaren Energien verengt hat, argumentiert der Fachverband. Die Unterstützung für thermische Kraftwerksparks komme zu kurz.

Der anhaltende Schlingerkurs bei der Umsetzung der Energiewende zwingt die Energieanlagenbauer zunehmend, in wirtschaftlichen Bedrohungsszenarien zu denken: Das unternehmerische Risiko, die weiterhin unverzichtbaren thermischen Kraftwerke in den Fortgang der Energiewende einzupassen, ist heute unkalkulierbar. Hochqualifizierte Arbeitsplätze sind gefährdet. Langjährig entwickelte Technologiepfade zum Bau effizienter Kraftwerke sowie zur Minderung von CO2-Emissionen drohen abzureißen.

Damit verliert Deutschland auch im internationalen Wettbewerb um die benötigten Zukunftstechnologien, fürchten die Anlagenbauer. Des Weiteren werden in der Prozessindustrie langjährig geplante Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz oder zur stärkeren Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung gestoppt. Neue Aufträge an die vielfach mittelständischen Zulieferer werden nicht erteilt; bereits erteilte Aufträge wurden storniert (mehr dazu hier). Entwicklungskosten – für einzelne Projekte bereits in Millionenhöhe – gehen verloren.

„Sowohl die Anpassung des thermischen Kraftwerksparks als auch die Erhöhung der Energieeffizienz industrieller Prozesse sind für den Industriestandort Deutschland im internationalen Wettbewerb zwingend. Dafür brauchen die Unternehmen jedoch einen tragfähigen energiepolitischen Rahmen“, so Reinhard Maaß, Geschäftsführer des Fachverbands Anlagenbau (FDBR).

Auch langfristig wird es weltweit nicht darum gehen, ob wir thermische Kraftwerke einsetzen, sondern nur, mit welchen Technologien thermische Kraftwerke und effizientere Industrieprozesse ausgestattet werden. Wer den Klimawandel wirklich ernst meint, der sollte dafür sorgen, dass die umweltfreundlichsten Technologien bereitgestellt werden. Hierfür bietet der deutsche konventionelle Energieanlagenbau innovative Lösungen an.

„Die Illusion, dass die Energiewende allein dadurch gelingt, die Leistung der Windrotoren über das Stromnetz im Land zu verteilen und die dazugehörige Finanzierung zu sichern, kann sich unser Industriestandort nicht länger leisten“, so Maaß. Die Politik müsse hier umgehend korrigieren, wenn es nicht zu weiterem Schaden oder gar zu unwiederbringlichem Verlust kommen soll. „Jede Technologie, die wir weiterhin nutzen müssen oder sollten, braucht ihren Platz in einer realistischen Technologie- und Standortpolitik.“

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