Teilzeit-Trend steigt: Unternehmen auf der Suche nach Knowhow

Vollzeitstellen brechen weg. Die Zahl der Teilzeitjobs steigt kontinuierlich an. Der österreichische Arbeitsmarkt verändert sich infolge der schwachen Konjunkturdaten. Unternehmen müssen sparen und flexibel sein. Wer mehr Teilzeitbeschäftigte beschäftigt, kann auf mehr Erfahrung und Knowhow zurückgreifen.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Arbeitslosen wieder an. Gleichzeitig nahm die Zahl der Teilzeitbeschäftigten weiter zu. Wie Statistik Austria berichtet, sind 4.175.200 Personen erwerbstätig und 215.200 arbeitslos. Mit einem Minus von insgesamt 8.600 Erwerbstätigen und einem Plus von 26.100 Arbeitslosen hat sich die Arbeitsmarktlage im Jahr 2013 gegenüber 2012 verschlechtert. 45.000 Vollzeitarbeitsplätze gingen im Jahresvergleich verloren, 36.400 Teilzeitstellen kamen hinzu.

Die Zahl der offenen Stellen ging ebenfalls leicht zurück. Männer sind stärker vom Verlust von Vollzeitstellen betroffen, als Frauen. Insgesamt stieg aber auch der Anteil der arbeitslosen Frauen im Vergleich zum Vorjahr. Eine gute Ausbildung ist kein Garant mehr für einen guten Job. Personen mit einem höheren Bildungsabschluss sind unter den Arbeitslosen überproportional stark vertreten.

Der Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung in Österreich hält bereits seit Jahren an. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten in Österreich um 11,5 Prozent, die Zahl der Vollzeit-Jobs aber nicht einmal um zwei Prozent. Die Zahl der Teilzeit-Jobs legte aber um mehr als die Hälfte zu, berichtet das Wirtschaftsblatt.

Teilzeitbeschäftigung hat für Unternehmen sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den Nachteilen gehört, dass die Effizienz von Teilzeitbeschäftigten als nicht so hoch angesehen wird. Sie können sich nicht so tief in Prozesse einarbeiten und machen weniger Überstunden. Ein weiterer Nachteil: Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat entschieden, dass Teilzeitkräfte nicht schlechter gestellt werden dürfen als Vollzeitbeschäftigte. Sie müssen die gleichen Vergünstigungen und Rechte erhalten.

Für Mittelständler überwiegen aber derzeit die Vorteile einer Belegschaft mit einem hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Sie sind flexibler einsetzbar und können ihr Berufs- und Familienleben besser in Einklang bringen. Außerdem bringt die Schaffung zusätzlicher Stellen mehr Knowhow ins Unternehmen. Arbeitgeber können zum Beispiel vier Teilzeitkräfte für unterschiedliche Aufgaben zielgerechter gemäß ihren Schlüsselqualifikationen einsetzen als zwei Vollzeitkräfte.

Teilzeitkräfte verdienen trotz Berücksichtigung der Arbeitszeit oft weniger als Vollzeitkräfte. Die Arbeitszeit ist auf 20 Stunden pro Woche begrenzt. Eine Abgeltung von Überstunden ist selten. Auch ist Teilzeitarbeit in Branchen und Tätigkeitsbereichen mit niedrigeren Einkommen weit verbreitet. Zudem sind Teilzeitkräfte schlechter abgesichert.

Laut Statistik Austria arbeiteten 2012 rund 70 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren in Teilzeit. Dass Frauen trotz hohen Ausbildungsniveaus und gestiegener Erwerbsquote von rund 61 Prozent 2002 auf 76 Prozent 2012 nach wie vor ein Viertel bis ein Drittel weniger verdienen als Männer, sei der hohen Teilzeitquote von Frauen geschuldet, berichtet die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö).

Europaweit gesehen weist Österreich eine der höchsten Konzentrationen von Teilzeitbeschäftigung im Handel auf. Dagegen fehlt es nach Angaben des Österreichischen Instituts für Familienforschung im öffentlichen Sektor – besonders im Gesundheits- und Sozialwesen – an Teilzeitarbeit. Auf Berufsgruppen bezogen herrscht unter den Wissenschaftlerinnen ein Mangel an Teilzeitbeschäftigten, während diese bei den Hilfskräften überrepräsentiert sind.

Die Wirtschaftskraft in Österreich reicht derzeit nicht aus, um den Arbeitsmarkt zu entlasten. Ökonomen der Bank Austria gehen davon aus, dass die Arbeitslosenrate in 2014 auf 7,8 Prozent steigen wird. Man kann daher davon ausgehen, dass sich die Unternehmen mit der Besetzung von Vollzeitstellen vorerst weiter zurückhalten werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. DaxKing sagt:

    Ist doch wohl ein Witz. Bis jetzt dachte ich immer, daß bei dem Vergleich der Einkommen von Männern und Frauen von einer gleichen Basis ausgegangen würde – also beide Vollzeit, gleiche Qualifikation und gleicher Job im gleichen Unternehmen. Und was liest man jetzt??? …..“dass Frauen weniger verdienen, sei der hohen Teilzeitquote geschuldet“.
    Das kann doch wohl nicht wahr sein -oder doch – Wahnsinn: wird hier etwa einfach nur das Durchschnittseinkommen von Frauen mit dem Durchschnittseinkommen von Männern verglichen – ohne Berücksichtigung von Arbeitszeit, Qualifikation usw. Bald falle ich echt vom Glauben ab –