Alpines Baumaterial und Fahrzeuge kommen unter den Hammer

Bagger, Bohrmaschinen, Baugerüste. Die Sachwerte der insolventen Alpine werden derzeit versteigert. Auf Material von insgesamt zehn Bauhöfen darf geboten werden. Mittelständler, Großkonzerne und Hausbauer sind gleichermaßen interessiert.

Die bunt bebilderten Auktionsunterlagen lesen sich wie Werbeschilder beim Winterschlussverkauf: Restposten sind bereits ab einem Euro zu haben. Bagger, Bohrmaschinen, Abstellregale und Baugerüste werden versteigert. Es sind die Reste des österreichischen Baukonzerns Alpine, der nach einer fehlgeschlagenen Expansion in Osteuropa im Juni vergangenen Jahres Insolvenz anmelden musste – die größte Pleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte.

Seither führt das Ruder bei der Firma nicht mehr die spanische Mutter FCC, sondern der Insolvenzverwalter. Er versucht mit dem Verkauf der verbleibenden Vermögensgegenstände das Beste für die Gläubiger herauszuholen – unter ihnen große Banken wie UniCredit und Erste Group. Die Auktionsfirma Karner & Dechow hat dabei die Versteigerung der insgesamt zehn Bauhöfe übernommen, von denen das Unternehmen seine Baustellen in Österreich beliefert hat.

Am Standort in Trumau südlich von Wien können Interessenten die Geräte vor Ort inspizieren, bevor die eigentliche Auktion im Internet startet: Schon von weitem sichtbar ragen gelbe Baukräne in den grauen Himmel über dem 3000-Seelen-Dorf und weisen dem Besucher den Weg. Auf dem ehemaligen Alpine-Gelände am Ortsrand liegen in einer großen Werkshalle 2.500 Einzelteile aufgereiht. „Bei diesen Besichtigungsterminen kommen hunderte von Leuten – zum Teil weitgereist“, sagt der Chef des Versteigerungshauses, Herbert Karner. Dies fange beim Häuslbauer an, der sich seine Schubkarre oder Mischmaschine kauft, und ende bei ganz großen Baukonzernen. „Das ist Jahrmarktstimmung. Jeder versucht, sich sein Schnäppchen rauszusuchen.“ Unter den Interessenten an diesem Tag ist auch eine Kran-Verleihfirma aus den Arabischen Emiraten, wo die Bauwirtschaft vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 boomt – ebenso wie lokale Schnäppchenjäger: Zwei Männer aus Wien inspizieren einige Werkbänke. „Das ist schon traurig. Man schaut in Fächer und findet noch Fotos von früheren Angestellten“, sagt einer von ihnen.

Von den einst 4.900 Alpine-Bauarbeitern in Österreich haben die meisten mittlerweile einen neuen Arbeitsplatz gefunden – auch weil viele Baustellen von anderen Unternehmen weitergeführt werden: Nach Angaben der österreichischen Arbeitsagentur AMS waren Ende Februar 365 ehemalige Alpine-Arbeiter arbeitslos – von insgesamt 53.000 arbeitslosen Bauarbeitern in Österreich.

Auch am ehemaligen Bauhof in Trumau sind bis Ende März noch einige von ihnen beschäftigt. Sie helfen bei der Versteigerung mit – bis sie hoffentlich bald einen neuen Job gefunden haben. Während ihnen der Schock nach der Pleite noch in den Knochen sitzt, kommen bei den Verantwortlichen der Versteigerungsfirma weder Wehmut noch Traurigkeit auf. Für sie sind solche Anlässe Routine. „Das ist der Lauf der Wirtschaft. Es ist ja nicht so, dass sich alles auflöst; es gibt auch Leute die kaufen, und deren Unternehmen sind im Aufschwung“, sagt Arndt Wernicke von der Auktionsfirma Karner & Dechow.

Die Einnahmen aus der Versteigerung sind für die Gläubiger des Baukonzerns nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein: Eine erste Versteigerungsrunde auf den Bauhöfen im Herbst vergangenen Jahres brachte elf Millionen Euro ein – die zweite noch wenige Tage laufende Tranche dürfte Erlöse von gut fünf Millionen Euro einspielen. Die Gläubiger werden sich nach Einschätzung des Gläubigerschutzverbands KSV wohl auf eine Quote in niedrigen einstelligen Prozentbereich einstellen müssen.

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