Air-Berlin: Großaktionär will Fusion mit Alitalia

Air-Berlin-Großaktionär Etihad will die verlustträchtige Airline mit einem grundlegenden Konzernumbau wieder auf die Erfolgsspur bringen. Die finanzstarke Airline aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi plant dazu nach Aussagen von Unternehmens- und Brancheninsidern den Anteil an Air Berlin aufzustocken und das Unternehmen mit Alitalia zusammenzulegen.

Die Verhandlungen über eine Fusion der deutschen mit der italienischen Fluglinie seien in einem frühen Stadium, sagten drei mit der Sache vertraute Personen am Samstag zu Reuters. Der Deal könne aber noch scheitern. Unsicherheitsfaktoren seien vor allem die italienische Regierung und die Gewerkschaften. Zudem müsse Air Berlin die Flugallianz One World verlassen und sich Aliatalias Skyteam anschließen. Der Schritt sei langwierig und mit Strafzahlungen verbunden, sagten die Personen.

Einem Banker zufolge ist die Einkaufstour von Etihad in Europa nur sinnvoll, wenn die einzelnen Airlines früher oder später zusammengeführt werden, um einen neuen Rivalen zur Lufthansa oder zu British Airways-Iberia aufzubauen. Etihad bereitet derzeit einen Einstieg bei den Italienern vor und beabsichtigt einem anderen Insider zufolge zudem, seinen Anteil an Air Berlin – der zweitgrößten deutschen Airline – auf 49,9 Prozent von derzeit knapp 30 Prozent aufzustocken.

Von Etihad und Alitalia war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Air Berlin wollte sich nicht äußern.

Alitalia und Air Berlin sind seit Jahren wirtschaftlich in einer Schieflage. In den vergangenen Tagen war über den weiteren Kurs von Air Berlin spekuliert worden, nachdem die Airline ihre für Donnerstag geplante Bilanzpressekonferenz kurz zuvor um eine Woche verschoben hatte. Das Unternehmen führe „fortgeschrittene Gespräche über Optionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden“, hieß es.

Einem Magazinbericht zufolge will Etihad Air Berlin zudem von der Börse nehmen. Danach solle die Airline von der derzeitigen britischen Rechtsform „plc“ in eine GmbH umgewandelt werden, schrieb die Wirtschaftswoche unter Berufung auf Air-Berlin-Kreise. Die Kleinaktionäre, die 38,5 Prozent halten, sollten abgefunden werden. Deren Anteile sollten an frühere Spitzenmanager der Fluggesellschaft und weitere Topmanager gehen. Ausscheiden solle die türkische Unternehmerfamilie Sabanci.

Geschäftlich geht es Air Berlin nicht gut. Analysten rechnen für das vergangene Jahr mit einem deutlichen Minus. Erwartet wird ein operativer Jahresverlust (Ebit) zwischen 114 und 132 Millionen Euro nach 70 Millionen Euro Gewinn im Jahr zuvor. Der Konzern hatte damals von hohen Extraeinnahmen aus dem Verkauf seines Vielfliegerprogramms an Etihad profitiert. Die arabische Fluglinie hatte Air Berlin zuletzt finanziell kräftig unterstützt.

Die Europa-Strategie von Etihad endet nach Aussage von Gerald Wissel, Chef der Unternehmensberatung Airborne, nicht in Italien oder Deutschland. „Als Zukunftsvision wäre es sogar vorstellbar, dass die Konstellation um Air France erweitert wird.“ Die Franzosen sind bereits Partner von Etihad und führen die Flugallianz Skyteam an.

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