Petrochemische Industrie profitiert von US-Schiefergas-Boom

Die Wertschöpfung durch Fracking ist riesig. Marktforscher untersuchten erstmals, welche Industriezweige von der Schiefergasförderung am meisten profitieren. Hersteller von PET-Kunststoffen und Chemikalien können mit fallenden Preisen rechnen.

Ethylen ist der mit Abstand wichtigste Ausgangsstoff für die petrochemische Industrie. Die verbrauchten Mengen sind riesig: Allein in den USA wurden im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Tonnen Ethylen verarbeitet. Das Marktforschungsinstitut Ceresana hat die ganze Wertschöpfungskette von Ethylen in einer Region untersucht, nämlich den gesamten US-amerikanischen Markt.

„Diese Studie ist eine Weltneuheit; sie schafft erstmals eine vollständige Transparenz zum Ethylen-Markt von den Ausgangsstoffen bis zu den Endprodukten“, erläutert Oliver Kutsch, der Geschäftsführer von Ceresana:

„Erheblicher Mehrwert wird in den weiterverarbeitenden Industrien erzielt. Zu den direkten Anwendungen zählen außer Polyethylen-Kunststoffen auch wichtige Chemikalien, wie zum Beispiel Alpha-Olefine, die Polyethylen fester machen, Ethylenoxid, das für PET-Kunststoffe gebraucht wird, und Ethylbenzol, das vor allem zu Polystyrol verarbeitet wird. Weitere Einsatzgebiete sind unter anderem Vinylacetat und das Elastomer EPDM.“

Boom durch Schiefergas

Gewonnen wird Ethylen vor allem aus Ethan, Propan, Butan und Naphtha. Der in den USA durch die neue Förderungsmethode Fracking ausgelöste Schiefergas-Boom (mehr hier) hat eine beispiellose Flut von Ankündigungen für die Konstruktion neuer Ethan-Cracker ausgelöst: Bis 2018 soll sich die US-amerikanische Ethylen-Produktionskapazität um rund die Hälfte erhöhen. Im Gegensatz zur Verwendung von anderen Ausgangsbrennstoffen entsteht beim Spalten von Ethan ein hoher Anteil Ethylen. Ceresana prognostiziert, dass bis zum Jahr 2021 rund drei Viertel des Ethylens aus Ethan produziert wird.

Rohstoffkosten deutlich gesunken

Der deutliche Rückgang der Ethanpreise hat in den letzten Jahren zu einer massiven Veränderung der Kostensituation der Ethylen-Hersteller geführt. So sanken die durchschnittlichen Rohstoff-Kosten pro Tonne hergestellten Ethylens im Jahr 2013 im Vergleich zum Jahr 2008 um rund 40 Prozent (mehr zum Preisverfall in Europa – hier). Einen deutlichen Wettbewerbsvorteil hat die Ethylen-Herstellung auf Basis von Ethan: Hier lagen die Cash Costs – bestehend aus fixen, variablen und Rohstoff-Kosten abzüglich der Gewinne für Nebenprodukte – im vierten Quartal 2013 um rund zwei Drittel niedriger als bei der Verwendung von Naphtha als Ausgangsstoff.

Im Jahr 2013 entfielen gut zwei Drittel des US-amerikanischen Ethylen-Verbrauchs auf Polyethylen-Kunststoffe. Je nach Dichte und Festigkeit des Endproduktes unterscheidet man dabei die Typen HDPE, LDPE und LLDPE. Voraussichtlich wird auch in Zukunft Ethylen vor allem für Polyethylen gebraucht werden: Insbesondere für HDPE und LLDPE werden gerade große Produktionsanlagen errichtet. Der Ausblick für die US-Binnennachfrage ist wegen des Aufwärtstrends am Immobilienmarkt sowie steigenden Konsumausgaben positiv. Diese Impulse für die Bau- und die Verpackungsindustrie übertragen sich auch auf die Polyethylen-Nachfrage. Dennoch muss der Polyethylen-Absatz auf den Exportmärkten künftig deutlich gesteigert werden, wenn eine akzeptable Auslastung der neuen Anlagen erzielt werden soll:

Exportschlager PVC

Der Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC) wird über die Zwischenprodukte Ethylendichlorid und das daraus entstehende Vinylchlorid gewonnen. Von der gesamten US-amerikanischen PVC-Produktion wurde in den letzten Jahren mehr als 40 Prozent exportiert. Das stützte erheblich die PVC-Industrie, die in den USA unter der schwachen Binnennachfrage leidet. Da ein Großteil aller Kunststoffrohre mittlerweile aus PVC besteht, kann sich aber der hohe Modernisierungsbedarf bei Wasserversorgung und Wasserentsorgung in den USA positiv auf die PVC-Nachfrage auswirken.

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