Schwacher Rubel drückt Gewinne deutscher Exportunternehmen

Deutsche Autobauer spüren den Verfall des Rubel in ihren Bilanzen. Die Rubel-Schwäche erschwert das Exportgeschäft. Auch der Energieversorger E.ON leidet unter der schwachen russischen Währung.

Der Rubel verliert weiter an Wert. Die Krise um die Halbinsel Krim hat das Misstrauen vieler Investoren in die russische Währung noch verschärft. Die Rubel-Schwäche macht mittlerweile immer mehr deutschen Konzernen zu schaffen, die in dem riesigen Schwellenland aktiv sind. Zum einen haben sie Wettbewerbsnachteile gegenüber russischen Rivalen. Zum anderen aber ist jeder in Russland verdiente Rubel nach Umrechnung in Euro weniger wert.

Ein Beispiel hierfür ist die Autoindustrie: „Die aktuelle Schwäche des Rubel erschwert das Exportgeschäft unserer Unternehmen nach Russland zusätzlich“, erklärt der Branchenverband VDA. Volkswagen und Opel haben bereits von Belastungen gesprochen. Da ein Ende der Krise nicht in Sicht ist, drohen in den nächsten Monaten weitere Lasten (mehr hier).

Der Rubel verliert schon seit Mitte 2013 an Wert. Auslöser war die allmähliche Straffung der US-Geldpolitik, die die Renditen für Staatsanleihen der weltgrößten Volkswirtschaft in die Höhe getrieben hat (mehr zum Thema Tapering – hier). Daher schichten Anleger verstärkt Geld aus den Schwellenländern in US-Titel um. Die Isolation Russlands im Krim-Konflikt mit dem Westen hat den Abwärtstrend beschleunigt: Allein seit Beginn dieses Jahres hat der Rubel zum Dollar und zum Euro jeweils rund zehn Prozent verloren. Die russische Währung ist so billig wie nie. Commerzbank-Analyst Peter Kinsella erwartet keine baldige Kurserholung. Hierfür seien weitere Zinserhöhungen nötig, die nicht abzusehen seien.

Die hessische Arzneimittelfirma Stada hat wegen der Rubel-Schwäche ihre Ziele für 2014 bereits aufgegeben. Russland ist für den Hersteller von Ladival-Sonnencreme und dem Mittel Grippostad der wichtigste Auslandsmarkt. Der Energiekonzern E.ON bekam schon im vergangenen Geschäftsjahr die Rubel-Schwäche zu spüren (hier). Der Versorger sprach von „negativen Umrechnungseffekten“ – das Betriebsergebnis schrumpfte dort 2013 daher um sechs Prozent auf 687 Millionen Euro. Russland gehört zu den wichtigsten Auslandsmärkten des größten deutschen Energiekonzerns. Seit 2007 hat E.ON dort rund sechs Milliarden Euro in neue Kraftwerke investiert. Schwächelnde Landeswährungen machen dem Konzern und vielen anderen Firmen nicht nur in Russland, sondern auch in Brasilien und der Türkei zu schaffen (mehr dazu – hier).

Luxusgüter weniger stark betroffen

„Für Unternehmen sind die Wechselkursrisiken des russischen Rubel eine große Herausforderung vor dem Hintergrund der politischen Diskussion über die Krim“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. Die Ingolstädter VW-Tochter selbst rechnet allerdings mit geringeren Auswirkungen. Zwar werden auch Luxuswagen in Russland durch die Rubel-Schwäche teurer. Für die Kundschaft, die diese Autos kauft, ist es nach Ansicht von Peter Fuß von Ernst & Young jedoch nicht ausschlaggebend, ob sie für einen Wagen zehn oder 20 Prozent mehr auf den Tisch blättern müssen. „Hersteller von Kleinwagen werden es deutlich schwieriger haben“, fügt der Autoexperte der Unternehmensberatung hinzu (mehr hier).

Auch der Luxusautobauer BMW spürt die Risiken durch den schwachen Rubel. Solange die Krise aber nicht weiter eskaliere, bleibe der Münchner Autobauer bei seiner Prognose für das laufende Jahr, sagt Finanzvorstand Friedrich Eichiner. Negative Handelseffekte durch den schwachen Rubel gibt es für viele Autobauer ohnehin nicht, da sie vor Ort produzieren, um hohe Zölle zu vermeiden. Ein Grund hierfür sind entsprechende Vorgaben der russischen Regierung. „Die Probleme sind größer für diejenigen, die nach Russland exportieren“, betont Fuß.

Die deutschen Großanlagenbauer gehen mit der Rubel-Schwäche im Moment noch recht gelassen um. Sie haben in der Regel Projekte, die zwischen drei bis fünf Jahren laufen, und deren Finanzierung inklusive Kursabsicherung festgezurrt ist (mehr zur Belastung der Anlagenbauer durch die Energiepolitik – hier). Bei kurzfristigen Projekten belaste die Rubel-Abwertung allerdings schon jetzt, sagt Jürgen Nowicki, Mitglied der Geschäftsleitung bei Linde Engineering. „Wenn sich die Rubel-Abwertung fortsetzt, kann es sein, dass Projekte nicht zustandekommen.“ Die Großanlagenbauer haben 2013 Auslandsaufträge über 16,7 Milliarden Euro erhalten, sechs Prozent davon kamen aus Russland. Vor allem Hütten- und Walzwerktechnik, Chemieanlagen sowie Kraftwerke waren gefragt.

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Kommentare

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  1. popper sagt:

    Rubelzerfall schwächt deutsches Exportgeschäft? Für Russland ist das Gegenteil richtig, dort erhöht der schwache Rubel die Exporte. So falsch und nach hinten losgehend können Sanktionen sein, wenn sie monetär einen Nebeneffekt entfalten, den man gar nicht will.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Blick aus dem Orbit.
    Was sieht man da???
    Einen Planeten verheerend übervölkert mit einer Vielzahl von Mitspielern die alle, jeder für sich, mit dem Rücken gegen die Wand stehen. In unterschiedlicher Ausgestaltung vorrangig Wirtschaftlich.
    Der Westen als Sieger des Kalten Krieges hat für schlappe 20 Jahre in fast jeder Beziehung die Welt im wesentlichen domminiert.
    Der Einfluss die Möglichkeiten des Westens sinken rapide, Die US und EU Wirtschaft am Rande des Absaufens, die Wirtschaft läuft noch, mühsam an der Geldpumpe.
    Die Russische Wirtschaft kämpft mit der Unseligen Hinterlassenschaft der Linken Weltbild Ideologie. Dazu eine Bevölkerungsstruktur die Verlustreiche Kriege nicht verkraftet, dies im Gegensatz zu den übrigen Weltregionen. China hängt auf gedeih und Verderb am absaufenden Weltabsatzmarkt. Indien Afrika und Südamerika Südostasien schlicht in erdrückendem Ausmass Elendshaufen. Der Islamische Raum verheerend übervölkert, faktisch ohne Industrielle Kapazität extrem abhängig von Agrargütern aus den übrigen Weltregionen. Megasprengstoff soweit das Auge Reicht.
    Es ist müssig darüber zu Spekulieren wer als Erster dermassen mit dem Rücken gegen die Wand steht und als erster in die Offensive geht oder in die Offensive gedrängt wird. Da kann ein Streichholz reichen um das Pulverfass zu zünden.(Sarajevo 1914 lässt Grüssen)
    Wie droht das zu Enden???
    Im wesentlichen wie der 30 Jährige Krieg mit entsprechendem beschleunigtem Ablauf. Kampf bis zur Erschöpfung. Ein Bild das die Menschen nicht in Massen auf den Schlachtfeldern umbringt sondern als Folge der zusammenbrechenden Humanversorgung. Schlicht gigantisches verhungern und sterben als finale Folge des totalen Wirtschaftszusammenbruches.
    Eine der Besten Analysen lieferte der Autor Samuel P. Huntington. KAMPF DER KULTUREN.
    Ist es tatsächlich ein ,, einfacher,, Kampf der Kulturen???
    Die Aussage greift denn doch eher viel zu kurz. Die Dimension ist deutlich massiver es ist ein Kampf ums überleben.
    Was ist grundsätzlich schief gelaufen???
    Die banal scheinende Erkenntnis das der Planet unausweichlich in seiner Gesamtheit zur Autarkie verdammt ist.
    Extrem fatal da ist eine Megazeitenwende angesagt.

    Freundliche Grüsse