Geschäftsklima rückläufig: Krim-Krise belastet Mittelstand

Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist erstmals nach vier Anstiegen wieder rückläufig. Firmen bewerten die Aussichten pessimistisch. Sie sind vorsichtig und halten sich mit Investitionen zurück, da der Ausgang der Krim-Krise nicht kontrolliert werden kann.

Die Krim-Krise drückt auf die Stimmung in den Chef-Etagen der deutschen Wirtschaft. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im März auf 110,7 von 111,3 Punkten im Februar, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 7.000 Managern mitteilte. Der Rückgang fiel stärker aus als erwartet. „Die Krise der Schwellenländer und die Ereignisse auf der Krim zeigen ihre Wirkung“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Zuvor war das Barometer vier Mal in Folge gestiegen. „Es ist eine gewisse Vorsicht in der deutschen Wirtschaft eingekehrt“, fügte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe in einem Reuters-Interview hinzu.

Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate beurteilten die Führungskräfte pessimistischer. Dieses Barometer sank um rund zwei auf 106,4 Punkte. „Es fällt auf, dass die Unternehmen ihre Erwartungen deutlich heruntergeschraubt haben“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Barometer für die aktuelle Lage hingegen stieg um 0,8 Zähler auf 115,2 Punkte. Dies zeige, „dass die Unternehmen tatsächlich immer noch sehr gute Geschäfte machen“, betonte Krämer. Zudem sei der Ifo-Index weiter auf hohem Niveau. Die deutsche Wirtschaft hatte zuletzt angesichts der Krim-Krise jedoch vor einer Sanktionsspirale im Konflikt mit Russland gewarnt.

Die Stimmung trübte sich über alle Branchen hinweg ein. Die Industrie-Betriebe bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage zwar erneut besser. Allerdings blickten sie skeptischer in die Zukunft. Die Preise sind niedrig, die zu erwartenden Gewinnmargen schmelzen weg (hier).

„Die Exportaussichten bleiben indessen mehrheitlich optimistisch“, betonte das Ifo-Institut. Allerdings ist diese Einschätzung vor dem Hintergrund skeptisch zu sehen, da mit Russland ein riesiger Absatzmarkt in der Krise steckt. Der schwache Rubel sorgt auch hier für schmelzende Gewinne bei deutschen Exportunternehmen (mehr hier).

Auch im Großhandel (hier), am Bau (hier) und bei den Dienstleistern sackte die Stimmung etwas ab.

Einzelhandel stagniert – Onlinehandel boomt

Der deutsche Einzelhandel wird nach einer Prognose der GfK-Konsumforscher in diesem Jahr nur im Online-Bereich wachsen. Der Umsatz der klassischen Läden und Märkte dürfte um 1,0 Prozent auf 408 Milliarden Euro schrumpfen, der im Internet- und Versandhandel dagegen um 25 Prozent auf 47,5 Milliarden Euro zulegen. „Die Online-Umsatzzuwächse werden noch deutlicher als in den Jahren zuvor zulasten des stationären Einzelhandels gehen“, sagte GfK-Expertin Simone Baecker-Neuchl. „Der Strukturwandel ist in vollem Gange.“

Besonders kleinere Anbieter stünden vor großen Herausforderungen. „Es ist für die Einzelhändler mehr denn je erfolgsentscheidend, mit Filialen am richtigen Standort präsent zu sein und den Konsumenten attraktive Einkaufserlebnisse und guten Service zu bieten“, so Baecker-Neuchl.

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