Frauenquote in kleinen Unternehmen schwer umsetzbar

Die Aufsichtsräte der 110 börsennotierten Unternehmen sollen zu 30 Prozent aus Frauen bestehen. Weitere 3.500 Firmen sollen sich selbst verbindliche Vorgaben machen. Das Vorhaben der SPD stößt auf scharfe Kritik aus der Wirtschaft: Das Geschlecht dürfe kein Ersatz für Qualifikation sein, lautet die Kritik. Vor allem in kleinen Unternehmen ist eine Quotierung oft mit Hindernissen verbunden.

Trotz Kritik aus der Wirtschaft hat die SPD in der Regierung eine gesetzliche Frauenquote in Führungsetagen von Unternehmen auf den Weg gebracht. Familienministerin Manuela Schwesig und ihr Justizkollege Heiko Maas kündigten am Dienstag in Berlin an, die Aufsichtsräte von rund 110 großen börsennotierten Unternehmen sollten künftig mindestens zu 30 Prozent aus Frauen bestehen. Von den 30 DAX-Konzernen erfüllen diese Vorgabe bislang lediglich acht. Für Vorstände soll es hingegen keine feste Quote geben.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) monierte, die starre Quote für Aufsichtsräte ignoriere die deutlichen Fortschritte in den Unternehmen. Der CDU-Wirtschaftsrat sprach von Symbolpolitik. Ungeachtet dessen wollen die SPD-Minister ihre Leitlinien noch in diesem Jahr in einen Gesetzentwurf gießen, der 2015 in Kraft treten solle. Unterstützung kam von Frauen- und Rechtspolitikern der Union.

Die Vorgabe von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten soll ab 2016 schrittweise bei den dann neu zu besetzenden Posten umgesetzt werden. Wird die Mindestzahl weiblicher Vertreter nicht erreicht, sollen die Stühle in dem Gremium freibleiben. Maas zeigte sich aber überzeugt, dass dies in keinem Konzern der Fall sein werde. Die Arbeitnehmer- wie auch die Arbeitgebervertreter im Aufsichtsrat hätten kein Interesse daran, dass es zu einer Machtverschiebung zugunsten der anderen Seite komme. Schwesig sagte, um das Ziel zu erreichen, müssten 174 Frauen gefunden werden. „Ich bin sicher, dass unter den über 40 Millionen deutschen Frauen 174 dabei sind, die diesen Job gut können.“

Weitere 3.500 börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen werden ab 2015 verpflichtet, für Aufsichtsrat, Vorstand und den zwei darunterliegenden Führungsebenen eigene Zielvorgaben zu machen. Auch sollen sie Fristen festlegen, bis wann sie den Frauenanteil erreichen wollen. Die Unternehmen sollen die Ziele veröffentlichen und darlegen, warum sie diese gegebenenfalls nicht erreicht haben. Sanktionen sind aber nicht vorgesehen. Nicht erreichte Zielvorgaben könnten aber ein Grund sein, einen Vorstand nicht zu entlasten, erläuterte Maas.

Schwesig lud Wirtschaft, Gewerkschaften, Vereine und Verbände ein, sich an der Diskussion über das Gesetz zu beteiligen. Es gehe aber nicht mehr um das „Ob“ einer gesetzlichen Frauenquote, sondern nur noch um das „Wie“. Die Regierung wolle, dass Frauen in Führungspositionen künftig eine Selbstverständlichkeit seien.

Bislang liege Deutschland hier hinter Japan, Indien und den Arabischen Emiraten zurück. Freiwillige Selbstverpflichtungen in der Vergangenheit hätten nichts gebracht. Maas sagte: „Die Zeit der Appelle ist vorbei.“

Männer-Quote in Vorständen bei 95 Prozent

Trotz hoher Qualifikation von Frauen bestehen die Vorstände der 200 deutschen Top-Unternehmen nach Angaben der Regierung zu 95 Prozent aus Männern. Auch von mehr als 2.000 Aufsichtsrats-Posten sind gerade mal 325 mit Frauen besetzt. Die Männer-Quote lieg damit bei 85 Prozent. Die beiden Minister wollen nach eigenen Worten auch dafür sorgen, dass der Bund selbst mit gutem Beispiel vorangeht.

Scharfe Kritik an der Frauenquote kam vom Vorsitzenden des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk. Qualifizierten Frauen stünden heute alle Türen offen.“ Aber Geschlecht kann kein Ersatz für richtige Qualifikation an richtiger Stelle sein“, sagte er im Deutschlandfunk. Der BDI kritisierte neben der 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte die Zielvorgaben für kleinere Unternehmen. Die oft kleinen Gremien seien „einer Quotierung nur begrenzt zugänglich“. Der Verband der Jungen Unternehmer monierte, der „Irrweg der Quotenfrau“ werde fortgesetzt.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    FRAUEN-QUOTE UND GENDERWAHN
    Wieder ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Bei Ausplünderung über Steuern, Bevormundung und Einschränkungen über Gesetze kann die Wirtschaft nicht weiterkommen. Dann das Gejammer über die steigende Arbeitslosigkeit. Arbeit ist genug vorhanden – es fehlt das Geld, die Arbeit zu bezahlen !

  2. salbis sagt:

    Frauenquote hat NICHTS mit Emanzipation zu tun.

  3. Zeitarbeiter(ÖD-OST) sagt:

    Frei nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz, damit Leistungsbringerinnen nicht gegenüber Quotenfrauen begünstigt werden.

    Der Fairness halber 🙂

    Meine bisherigen Erfahrungen im Arbeitsleben führten zum Aufkeimen folgender Frage: Warum eigentlich werde ich als junger, weißer, behinderungsloser Mann zu etwa 25% schlechter bezahlt, als meine älteren (40+) weiblichen Arbeitskollegen?

    Ach stimmt ich bin ja Ossi…

    Gleichstellung, Quotierung, Diskriminierung usw – alles ein und das Selbe. Lediglich populistische Worthülsen für Geschlechterideologen aller Coleur!

  4. c-nes sagt:

    Für Geschlecht werden Frauen nicht diskriminiert, für die Quote schon!