Neue EU-Regeln für Bio-Produkte bremsen Landwirte aus

EU-Kommission will europaweite Vereinheitlichung für Bioprodukte durchsetzen und droht den Landwirten mit dem Entzug des Bio-Siegels. Öko-Bauern wehren sich gegen einen neuen Grenzwert für Pestizide. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt warnt vor überzogenen Forderungen und einer Überregulierung, die die Erträge der Bio-Branche Gefahr bringen.

Die EU-Kommission will den milliardenschweren Markt für Bio-Produkte vereinheitlichen und die Zulassungskriterien verschärfen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos legte am Dienstag in Brüssel ein Maßnahmenpaket vor, mit denen die Regeln zur Zulassung von Bio-Produkten EU-weit reformiert werden sollen. „Dieses Paket ist gut für die Verbraucher und gut für die Bauern“, sagte Ciolos. Dagegen fürchtet die deutsche Bio-Branche eine Wachstumsbremse für den bislang gut laufenden Umsatz. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt warnte vor überzogenen Forderungen.

Ciolos möchte unter anderem, dass künftig ein landwirtschaftlicher Betrieb vollständig ökologisch produziert und nicht etwa auch konventionelle Lebensmittel herstellt. Damit soll eine Vermischung verhindert werden. Kleine Bauernhöfe und Firmen sollen einfacheren Zugang zum Markt erhalten. Zudem sollen Kontrollen verbessert werden, die derzeit häufig umgangen werden. Nach Ansicht von Ciolos ist das wirksamste Mittel gegen Missbrauch, dass die jeweiligen Firmen bei Verstößen keine Bio-Siegel für ihre Produkte erhalten.

Ökobauern kämpfen gegen Grenzwert von Pestiziden

Auf entschiedenen Widerstand der Bio-Branche stoßen die Pläne der EU-Kommission, neue Grenzwerte für Unkrautvernichtungsmittel einzuführen, bei deren Überschreitung das verkaufsfördernde Bio-Siegel entzogen werden kann. Grund ist die Furcht der Bio-Bauern, dass ihre Ernte über dem Grenzwert liegen könnte, weil Pestizide vom konventionell wirtschaftenden Nachbarn in die eigene Produktion gelangt. „In Deutschland werden auf über 90 Prozent der Ackerflächen chemisch-synthetische Pestizide angewendet“, erklärte der Sprecher des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein. „Nun sollen die Bauern, die solche Stoffe nicht einsetzen wollen, dafür verantwortlich gemacht werden, dass ihre Ernte durch die Anwendung der Nachbarn belastet wird.“

Der BÖLW fürchtet, sollte der Kommissionsvorschlag umgesetzt werden, könnten konventionell wirtschaftende Bauern vom Wechsel auf Okö-Landwirtschaft abgehalten werden oder Bio-Bauern wieder auf konventionelle Landwirtschaft umsteigen. Das Risiko, beim Entzug des Bio-Siegels die mit teuren Öko-Methoden produzierten Lebensmittel zu konventionellen Preisen verkaufen zu müssen, sei zu groß.

„Auf keinen Fall dürfen wir riskieren, dass die Betriebe aufgrund überzogener Forderungen reihenweise aus dem ökologischen Landbau aussteigen“, erklärte Schmidt. Ihm sei wichtig, dass die Kontrollen der Importe von Bio-Lebensmitteln aus Drittländern verbessert würden.

In Deutschland läuft der Absatz mit Bio-Lebensmitteln gut, der Umsatz wuchs nach Angaben des Dachverbandes BÖLW im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent auf 7,55 Milliarden Euro. Damit stellten Bio-Lebensmittel knapp vier Prozent des Lebensmittelmarktes.

Mehr als 23.000 Bauern und damit knapp über acht Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften in Deutschland nach Öko-Kriterien. Europaweit sind es nach Angaben der EU-Kommission 186.000 Bio-Bauernhöfe, die 5,4 Prozent aller Agrar-Flächen bewirtschaften. In der EU gaben die Verbraucher 2012 für Bio-Produkte 20,9 Milliarden Euro aus.

 

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  1. Matthes sagt:

    Da soll doch endlich jemand für klare Verantwortlichkeit sorgen und Länderregelung über EU-Regelung setzen. Dann ist endlich Ruhe mir dieser Gängelei aus Brüssel!