Novartis im Umbau: Herzmedikament verfehlt erwünschte Wirkung

Das neue Herzmedikament Serelaxin wirkt nicht richtig. Dem Schweizer Pharmakonzern drohen Umsatzausfälle im Milliardenbereich. Zudem steht die Impfstoffspart vor einem möglichen Verkauf. Um die Gewinne zu stabilisieren will Novartis-Chef Jimenez die Sparten Pharma, Augenheilkunde und Generika ausbauen sowie in die Immuntherapie investieren.

Dem Schweizer Pharmakonzern Novartis droht ein weiterer Rückschlag bei seinem neuen Herzmedikament Serelaxin. Die Wirkung des Präparat sei nicht ausreichend nachgewiesen, hieß es in einem Dokument, das die US-Arzneimittelbehörde FDA am Dienstag auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Es solle bei akutem Herzversagen nicht zugelassen werden. Am Donnerstag wird ein Beirat der Behörde eine Empfehlung zur Marktfreigabe für Serelaxin abgeben.

Anfang dieses Jahres hatte sich ein Expertenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde gegen die Zulassung von Serelaxin ausgesprochen. Novartis hat daraufhin angekündigt, neue Daten einzureichen, und neue klinische Studien auf den Weg gebracht. Novartis-Pharmachef David Epstein zeigte sich im Januar zuversichtlich, dass das auch unter der Bezeichnung RLX030 bekannte Mittel im Laufe der Zeit auf einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar kommen kann.

Für das in den roten Zahlen steckende Impfstoffgeschäft von Novartis erwartet die Konzernspitze zusätzliche Umsätze aus Großbritannien. Der britische Impfausschuss riet, einen Novartis-Impfstoff gegen Hirnhautentzündung in das nationale Impfprogramm aufzunehmen, wie das Novartis mitteilte. Laut Empfehlung sollten alle Kinder ab zwei Monaten mit Bexsero gegen Meningitis B geimpft werden. Wenn die britischen Gesundheitsbehörden dem Rat des Ausschusses folgen, ist Großbritannien das erste Land in Europa, in dem Kleinkinder möglicherweise schon von Sommer an routinemäßig Bexsero erhalten.

Der Impfstoffbereich von Novartis hat Mühe, mit Konkurrenten wie GlaxoSmithKline, Sanofi und Merck mitzuhalten. Er war die einzige Sparte des Konzerns, die im vergangenen Jahr rote Zahlen schrieb. Die Impfstoff-Sparte gilt neben Tiergesundheit und dem Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten als wahrscheinlich für einen Verkauf.

Novartis -Chef Joe Jimenez will beim anstehenden Umbau des Schweizer Pharmariesen hart durchgreifen. Mindestens eine der auf dem Prüfstand stehenden kleineren Sparten – Impfstoffe und Diagnostik, nicht verschreibungspflichtige Medikamente (OTC) und Tiergesundheit – werde den Test nicht überstehen, sagte er und gab damit den bisher deutlichsten Hinweis darauf, wie die Portfolio-Überprüfung vorangeht. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir alle diese drei Sparten zu globaler Größe führen könnten, aber das ist unwahrscheinlich“, sagte Jimenez. Die drei Bereiche machen zusammen nur 10,5 Prozent des Konzernumsatzes bei Novartis aus. Die Überprüfung soll Ende des Sommers abgeschlossen sein.

Welcher der drei Sparten die größte Gefahr droht, sagte der Novartis-Chef nicht. Er betonte allerdings, dass das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten in den nächsten zehn Jahren kräftig wachsen werde, weil der Trend wegen der hohen Arztkosten zur Selbstbehandlung gehe.

In einem ersten Schritt hatte Novartis bereits im November das Geschäft mit Bluttransfusions-Diagnostik an die spanische Grifols verkauft. Eine einfache Veräußerung ist auch eine Option für die verbleibenden kleineren Bereiche, aber Novartis erwägt auch andere Schritte: „Die meisten dieser Geschäfte sind Teil anderer Konzerne. Um daraus etwas Großes zumachen, muss man kooperieren – entweder über ein Joint Venture oder durch einen Tausch“, erläuterte Jimenez und bestätigte, dass er im Gespräch mit anderen Unternehmen sei.

Im Januar wurde bekannt, dass Novartis einen Tausch seiner Impf- und Tiergesundheitssparten gegen das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten des US-Konzerns Merck auslote. „Bares Geld ist weniger attraktiv als der Aufbau eines weltweit führenden Geschäfts, das Wert schafft. Bargeld kann das nicht“, sagte der Novartis-Chef dazu. „Das ist der Grund, warum man so viel über den Tausch von Sparten liest. Allerdings ist die Umsetzung sehr, sehr schwierig.“

Die drei großen, nicht in Frage stehenden Bereiche Pharma, Augenheilkunde und Generika will Jimenez weiter ausbauen. Ergänzende Zukäufe könnten in der Größenordnung von zwei bis fünf Milliarden Dollar liegen, sagte er. Der boomende Biotechnologiemarkt treibe allerdings die Preise in die Höhe. Ein spannendes Feld ist derzeit die Immuntherapie, in das auch Novartis vorstoßen will – zuletzt mit der Übernahme der US-Biotechnologiefirma CoStim. Für die in der Entwicklung befindliche Krebs-Therapie Cart-19 strebt Novartis Jimenez zufolge einen Zulassungsantrag 2016 an.

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  1. Cecylia sagt:

    Das beste Herzmedikamment: Vergebung.